Willi Menn war mehr als ein Kaffeehändler

Am 29. Dezember ist Willi Menn im Alter von 85 Jahren gestorben. 63 Jahre lang war er der Inhaber der „Kaffeebohne“. Nicht nur seine Familie und seine Mitarbeiterinnen trauern, auch Kunden brechen in Tränen aus.

Als er fünf Jahre alt war, ist Ralph Menn auf eine Kiste gestiegen. Die Kiste stand im Laden seines Onkels Willi Menn und sie ermöglichte es dem kleinen Ralph, über den Verkaufstresen zu schauen und zu fragen: "Was darf es sein, bitte?" "Die Kunden haben gelacht", erinnert sich Ralph Menn an die Kindheit in der "Kaffeebohne". Nun ist er 50 und steht wieder im Laden seines Onkels. Den Kunden ist aber in diesen Tagen nicht nach Lachen zumute. Zwischen Weihnachten und Silvester ist Willi Menn, der Mann, der 63 Jahre in seinem Laden zwischen Bahnhofstraße und St. Johanner Markt gegenüber des Diskontohochhauses Kaffee geröstet hat, gestorben.

"Einige der Leute, die in den Laden kommen, weinen", sagt Ralph Menn. Ein älteres Ehepaar habe die ganze Nacht wach gelegen, nachdem es vom Tod Willi Menns gehört hat. Für viele Kunden war Willi Menn mehr als einer, der ihnen Kaffee, Tee und Süßigkeiten verkauft hat. Wildfremde Menschen erzählen Menns Neffen, wie der Onkel sie durch Lebenskrisen begleitet hat.

"Mein Onkel hat seine Krankheit ignoriert oder unterschätzt", sagt Ralph Menn. Es sei alles sehr schnell gegangenen. Und für die 23 Mitarbeiterinnen, die unterschiedlich oft im Laden sind, sei der Tod ebenso schmerzhaft wie für die Familie. Der Laden, das Team, das sei für Willi Menn nämlich Teil der Familie gewesen. Und so gebe es Kunden, die zwei Beileidskarten geschickt haben - eine für die Familie, eine für die Angestellten.

Für die Familie sei schnell klar gewesen: "Wir machen weiter." Eine der Mitarbeiterinnen habe bei seinem Onkel gelernt, wie man Kaffee röstet, sagt Ralph Menn. Er selbst wird zunächts die Geschäfte führen, allerdings selbst kaum im Laden sein. Ralph Menn ist Diplom-Ingenieur, war zehn Jahre in Amerika und hat Nachrichtentechnik entwickelt, unter anderem Kurzwellenempfänger für die Marine. Mit anderen Familienangehörigen und der Belegschaft will er "Die Kaffeebohne" nicht nur halten, sondern das Geschäft ausbauen - im Internet. Im Laden gibt es zwar noch keinen Internetanschluss, aber mit in Saarbrücken geröstetem Kaffee per Versand weltweit zu handeln, scheint der Familie lohnend.

Der Laden selbst soll renoviert weden, seinen Charakter aber nicht verlieren. "Wir wollen die Tradition noch stärker herausstellen", sagt Ralph Menn. Eine Tradition, die sich auch in einer Zahl ausdrücken lasse. Sechs mal am Tag habe sein Onkel jeweils 15 Kilogramm Kaffee geröstet. Rechne man das auf 63 Jahre um, dann habe Willi Menn Kaffee für 200 Millionen Tassen verkauft.