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Zehn Könner bringen ein Juwel des Mundart-Theaters zum Funkeln

Saarbrücken. Was für ein Theaterabend in der Kettenfabrik. Er bot tiefe Tragik und komische Momente, zeigte Schicksale, die schaudern lassen. Und Menschen, die – unfähig zum Glücklichsein – unaufhaltsam dem Abgrund entgegentreiben. sbu

Da musste also erst ein Tiroler kommen, der Schauspieler Martin Leutgeb, um uns Saarbrückern zu beweisen, dass Volkstheater in Saar-Mundart auch mit anspruchsvollem, tragischem Schauspiel beglücken kann. Und dabei nicht auf komische Momente verzichten muss.

Das hat sich schnell herumgesprochen: Bereits zum dritten Mal spielte Leutgebs formidable zehnköpfige Truppe am Samstag in der Arnualer Kettenfabrik "Frau Suitner", ein Drama des Tirolers Karl Schönherr aus dem Jahre 1917, vor ausverkauften Zuschauerreihen. Die hat Regisseur und Ausstatter Leutgeb um eine endlos lange Ladentheke platziert. Ein genialer Einfall, um den Darstellern viel Bewegung und Aktionsraum am Schauplatz, einem Krämerladen, zu ermöglichen. Den Laden hat das Krämer-Ehepaar Suitner nach Jahren der Plackerei endlich schuldenfrei und könnte das Leben genießen. Doch die resolute Geschäftsfrau spürt, dass ihr etwas zum Glück fehlt, ein neues gemeinsames Projekt. Ein Kind, für das sie nun zu alt ist. Unausgesprochen wird dieser Gedanke für die Suitner allmählich zur Obsession. Sandra Klein gibt beeindruckend nuanciert die verschlossene, einsam leidende Chefin, die ihr inneres Drama in Schach zu halten versucht und unaufhaltsam aufs tragische Ende zusteuert. "Was nichts wert ist, gehört weg" ist ihr Krämermotto, mit dem sie die treue Angestellte Lisbeth (Melitta Bach als herrliches Pfundsweib) opfert, um sich die junge, hübsche Gretel (bestechend natürlich: Nadine Fleckinger) ins Haus zu holen. Und ihrem ahnungslosen Gemütsmenschen von Gatten (Enrico Tinebra) in die Arme zu treiben. Großes Bravo! Als penibler Feinarbeiter bringt Leutgeb noch den letzten Nebendarsteller zum Glänzen und groß heraus. Ein Abend, bei dem bis hin zur Bluesharp-Begleitung alles stimmt.

Karten gibt es nur noch für vier Zusatzvorstellungen im Juli.

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