Saarländisches Volkstheater wartet auf Start

Saarländisches Volkstheater wartet auf Start

Das Experiment einer saarländischen Dialektbühne in der alten St. Arnualer Kettenfabrik schlug im vergangenen Jahr wie ein Blitz ein. An Karsamstag sollte die zweite Produktion Premiere haben. Doch die letzten baurechtlichen Details sind noch nicht geklärt.

Grundsätzlich ist alles gut. Was alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist. Denn das Vorhaben, im dörflich geprägten Saarbrücker Stadtteil St. Arnual ein erstes Saarländisches Volkstheater zu etablieren, ist rein privater Natur. 2014 ging die Amateurtheater-Truppe um den früheren Saarbrücker Staatstheater-Schauspieler Martin Leutgeb mit einer ersten Produktion an den Start. In einem privaten Raum - der alten St. Arnualer Kettenfabrik - mit "Frau Suitner": anspruchsvolles, anrührendes Theater, immer ausverkauft. Das ursprünglich in Tiroler Mundart verfasste Stück hatte man ins Saarländische übersetzt. Aufhören, wenn's am schönsten ist? In diesem Fall: ein Jammer.

Das sah auch die Hausbesitzergemeinschaft des Kettenfabrik-Areals so. Man entschloss sich zur Verstetigung des ursprünglich als Einmal-Projekt gedachten Saar-Volkstheaters. Gestemmt wurde es von 14 Leutgeb-Fans, die aus dem von ihm 2003 angestoßenen Neunkircher Musicalprojekt hervorgewachsen sind. Letzteres ist längst ein Selbstläufer und Markenzeichen Neunkirchens.

Für St. Arnual könnte sich ein ähnlicher Glücksfall ergeben, so das vorbildliche private Engagement anhält. Die sieben Wohnungs- und Hauseigentümer investierten bereits Geld, engagierten einen Architekten und stellten eine Bauvoranfrage bei der Stadt: Ob die alte Fabrikhalle, die bereits in der Vergangenheit - allerdings selten - für Publikum geöffnet wurde, überhaupt geeignet sei für eine Dauer-Nutzung als "Begegnungsraum". Erst kürzlich kam die positive Antwort: Das Vorhaben sei zulässig, für eine Zahl von höchstens 100 Besuchern.

Doch damit ist die Kuh noch nicht vom Eis. Folgen muss nun die baurechtliche Vor-Ort-Überprüfung vor allem der feuerpolizeilichen Auflagen. Gebühren für einen Bauantrag fallen an. Will man diesen zweiten Schritt gehen? Vor dieser Frage stehe man, sagt die Carpe-Diem-Filmproduzentin Barbara Wackernagel-Jacobs, die das Projekt ins Rollen brachte. "Es gibt von allen zwar ein prinzipielles Ja zur Belebung, aber den nächsten Schritt müssen wieder alle absegnen." Das werde "in den nächsten Wochen" geschehen. Könnten Kostengründe die Mitbewohner zum Zurückrudern bringen? Damit rechnet Wackernagel-Jacobs eher weniger. Doch ohne Zweifel geht es um ein Abenteuer: die Öffnung, und sei sie nur temporär, für ein künstlerisch ernst zu nehmendes Kulturprojekt. Wie auch immer der Beschluss ausfällt, er könnte auf jeden Fall zu spät kommen, damit das Volkstheater seine Eröffnung noch 2015 schafft. Vorgesehen war nach dem Kippen des Ostertermins Oktober/November. Doch selbst "das könnte noch zu früh sein", meint Wackernagel-Jakobs mit Verweis auf die Laufzeit eines Bauantrages. Also hängt die Leutgeb-Truppe in der Warteschleife.

Leutgeb sagt: "Wir wollen auf jeden Fall weiter machen, und wir werden Geduld haben, denn wir haben die Halle und den Spielort St. Arnual lieb gewonnen." Er mag die historische Bausubstanz, das Ländliche vor den Toren der Großstadt: "Es passt alles ideal zu unseren Stücken, in denen man die Erde mitriecht." Über Alternativen will er erst nachdenken, wenn eine Absage aus St. Arnual komme. Als nächstes hat er unter anderem das Dreiecks-Drama "Der Weibsteufel" (1914) im Auge. "Es spielt an einem Grenzposten, es ist wie gespuckt fürs Saarland." Leutgeb rechnet mit drei Monaten Probenzeit, immer am Wochenende. Womöglich müssten die Saarländer auch mal zu ihm nach Wien reisen. Dort lebt der in Tirol geborene Leutgeb mittlerweile, arbeitet fürs österreichische Fernsehen ("Copstories", "Die Bergretter"), tritt selten, aber mit Passion, im Theater auf (St. Pölten). Und bleibt dicht dran am Saarland, dessen Seele er mit seinem Volkstheater streicheln will. "Frau Suitner" hat gezeigt: Das wird keine Kuschel-, sondern eine Vitalmassage für die Identität.