Blumengrüße für Maas

Saarbrücken. Drei Tage nach dem landespolitischen Supergau für die Genossen meldet er sich im politischen Alltag zurück. Ja, er sei wieder "voll da", sagt Heiko Maas, der seit Sonntag die bittersten Stunden seines Polit-Lebens hinnehmen musste und nun in der neuen Politik-Wirklichkeit ankommt

Saarbrücken. Drei Tage nach dem landespolitischen Supergau für die Genossen meldet er sich im politischen Alltag zurück. Ja, er sei wieder "voll da", sagt Heiko Maas, der seit Sonntag die bittersten Stunden seines Polit-Lebens hinnehmen musste und nun in der neuen Politik-Wirklichkeit ankommt. Natürlich habe es Verwundungen gegeben, räumt der SPD-Obere am Mittwoch unumwunden ein ("48 schwere Stunden"). Aber es ist nicht nur die Jamaika-Entscheidung der Grünen, die mächtig schmerzt. Es ist der Weg dorthin. Hinter den Kulissen habe Grünen-Chef Hubert Ulrich schon während der Sondierungsgespräche an einer schwarz-gelb-grünen Koalition gezimmert, ist Maas überzeugt. Er wirft dem grünen Frontmann, mit dem es einst auch auf der persönlichen Ebene gut klappte, "menschliche Unaufrichtigkeit und Verlogenheit" vor. Hatte Maas am Montag vor Medienvertretern im Landtag noch einen sichtlich angeschlagenen und betroffenen Eindruck hinterlassen, scheint der 43-Jährige sich jetzt gefangen zu haben. "Neue Motivation" bezieht er aus den zahlreichen positiven Reaktionen aus der Öffentlichkeit, berichtet der Politiker. Sogar Blumensträuße seien Zuhause angekommen. Blumige Grüße von Wählern, die ihn aufmuntern wollen. "Herzhaft gelacht" habe er zum ersten Mal wieder, als der Grünen-Europa-Politiker Daniel Cohn-Bendit am Dienstag Ulrich einen "Mafioso" und eine "zweifelhafte Persönlichkeit" nannte. Bis auf den Drei-Tage-Bart, aber mit schwarzem Jackett und weißem Hemd - ganz wie auf dem Wahlplakat -, sitzt "der neue Mann" im SZ-Gespräch am Besuchertisch seines Landtags-Büros. Ob er im Wahlkampf etwas falsch gemacht habe, zumal er auch an Rücktritt dachte? "Nein, ich würde auch im Nachhinein nicht anders handeln", schlussfolgert Maas. Bis auf eine Ausnahme: Drei Tage vor der Wahl gebe es keine Unterstützung mehr für die Grünen. Natürlich, das Wahlziel sei nicht erreicht worden. "Aber ich bin mit mir im Reinen", sinniert er. Seine Geradlinigkeit und Glaubwürdigkeit habe er in den vergangenen Monaten unter Beweis gestellt. "Und das ist ein gutes Fundament für alle künftigen Aufgaben." Verlässlichkeit ist für Maas eine moralische Kategorie in der Politik. Er nennt es einen "großen Anachronismus", dass Ulrich die fehlende Verlässlichkeit bei den Linken für seine Jamaika-Entscheidung heranzog, "er selbst aber diesen Ansprüchen nicht gerecht wurde". Ulrich habe erst gestern Abend den Mumm gehabt, ihn in einem Gespräch unter vier Augen über die Hintergründe eines schwarz-gelb-grünen Bündnisses zu informieren", bemerkt Maas.Nach den vergeblichen Anläufen 2004 und 2009, in die Regierungsverantwortung zu kommen, bleiben den Sozialdemokraten nun für weitere fünf Jahre die Plätze auf den Oppositionsbänken. So sieht Maas seine "Hauptarbeit als Oppositionsführer im Landtag". Die sich abzeichnende schwarz-gelb-grüne Koalition sei eine "inhaltliche und personelle Notgemeinschaft", der es an einer Vision fehle, wie das Land voranzubringen sei: "Eine herausragende Möglichkeit für die SPD, sich zu profilieren." In Sachen Verfassungsänderung für eine neue Schulpolitik will Maas der Koalition "keinen Persilschein ausstellen". Er werde Änderungen nur zustimmen, "wenn damit die Zielsetzungen aus unseren Sondierungsgesprächen verwirklicht werden". Für eine "Kompromiss-Stümperei zwischen Müller, Ulrich und Ostermann steht die SPD nicht zur Verfügung". Maas ist darüber hinaus bereit, am "inhaltlichen und personellen Neuaufbau der Bundes-SPD mitzuhelfen". Seit Jahren ist er mit dem designierten neuen Parteichef Sigmar Gabriel befreundet. Ob sich Maas' Politikstil durch die jüngsten Erfahrungen ändern werde? "Wut wird möglicherweise an der einen oder anderen Stelle zu heftigen Reaktionen führen", meint Maas. Aber er setzt weiter auf seinen sachbezogenen Politikstil. "Die Leute sind nicht an Schaumschlägerei interessiert." Beim Thema Lafontaine winkt Maas ab. Sitzt der Stachel so tief? Von einer "bitterkomischen Geschichte zweier Männer in der Politik", schreibt die Süddeutsche. Nein, Maas hat "keine Lust mehr, über dieses Thema zu reden". Die Ursache für das Scheitern von Rot-Rot-Grün liege bei Ulrich. Punktum. Lafontaines Ankündigung, an die Saar zurückzukehren, sei kontraproduktiv gewesen. Er habe aus einer "unsicheren eine klare Mehrheit gemacht". "Der Dampfer war schon in Richtung Jamaika unterwegs. Lafontaine hat nur noch Freikarten verteilt." "Kein Persilschein für eine Änderung der Verfassung."SPD-Chef Heiko Maas