Beim Nachbarn auf Ganovenjagd

Vier Wochen war der Saarbrücker Bundespolizist Frank Stegner zum Dienst nach Paris abgeordnet. Er jagte rund um den Eiffelturm Trick- und Taschendiebe und half Touristen, die bestohlen wurden.

. Mit seinen Kollegen von der Police nationale aus Metz und von der französischen Grenzpolizei sitzt Bundespolizist Frank Stegner im Gemeinschaftsraum des neuen Reviers am Saarbrücker Hauptbahnhof. Die Ereignisse rund um den islamistischen Terrorangriff in Paris sorgen für Gesprächsstoff. Die Polizisten aus beiden Ländern sind geschockt. Stegner zeigt auf seinem Handy ein Video, das ihm Pariser Kollegen geschickt haben. Zu sehen ist, wie ein Polizist von einem der Attentäter auf offener Straße niedergestreckt und dann mit einem Kopfschuss getötet wird. Der Saarbrücker Polizeihauptmeister reagiert betroffen und entsetzt: "Das war ein Kollege von mir." Stegner ist seit wenigen Tagen von einem einmonatigen Einsatz in Paris zurück. Im siebten Bezirk, in dem die Touristenattraktionen Eiffelturm und Invalidendom liegen, war er im Dezember gemeinsam mit französischen Beamten auf Mountainbikes auf Streife. VTT-Patroullie (Vélo tous terrain) ist die amtliche Bezeichnung für diese Zweirad-Polizisten. Familienvater Stegner erzählt, der jetzt erschossene Gendarm war in einem benachbarten Bezirk als VTT-Streife unterwegs.

Erstmals hatte die Bundespolizei im Saarland einen ihrer Beamten an die Police nationale in Paris für mehrere Wochen ausgeliehen. Stegner, der mit seiner Familie in Klarenthal lebt, ist im Alltag auf dem Saarbrücker Hauptbahnhof stationiert und kontrolliert fast ausschließlich mit französischen Kollegen in der Grenzregion auf Straßen, in Zügen und auf Bahnhöfen. Er spricht fließend Französisch. Der Hauptmeister hatte sich auf eine Stelle im Rahmen der so genannten "europäischen Kommissariate" beworben. Bereits 2010 war er für mehrere Sommerwochen in Lourdes im Einsatz. Jetzt arbeitete der 47-Jährige vom 1. Dezember bis zum 2. Januar offiziell beim Kommissariat im siebten Pariser Bezirk. Mit Dienstwaffe und in seiner Uniform mit dem deutschen Adler am Ärmel jagte er Trick- und Taschendiebe, betrügerische Hütchenspieler und Bettler sowie illegale Souvenirverkäufer.

In der Regel hatte er zwei französische Kollegen an seiner Seite. Ein Auftrag des Saarbrückers unter dem Eiffelturm : Präsens zu zeigen und deutschsprachigen Touristen als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen. Der deutsche Polizist fiel in Paris auf. So schildert Stegner, dass er von einem jungen Paar aus Österreich fast verzweifelt um Hilfe gebeten wurde, weil diese auf einer Brücke vor dem Eiffelturm von Hütchenspielern um 300 Euro abgezockt wurden. Stegner konnte helfen. Über Funk alarmierte er seine Kollegen. Die Fahndung war erfolgreich. Die Männer wurden geschnappt. Das Paar bekam sein Geld wieder. Der Paris-Urlaub war damit gerettet. Auch Saarländer begegneten Stegner dienstlich an der Seine. So erinnert er sich, dass Touristen aus Dudweiler und Homburg wissen wollten, was er als deutscher Polizist mit Waffe am Gürtel mitten in der französischen Hauptstadt mache.

Der Saarbrücker war nicht der einzige ausländische Polizist der in der Weihnachtszeit im siebten Arrondissement (Bezirk) mit für Ordnung sorgte. So waren - wegen der Vielzahl von südosteuropäischen Dieben und Bettlern - 20 rumänische Beamte in Paris eingesetzt. Seine karge Dienstwohnung direkt gegenüber der Kathedrale Notre Dame teilte Stegner sich mit einem Kollegen aus Spanien.

Zurück im Saarland hat der Alltag den Paris-Heimkehrer wieder. Bei Zugstreifen mit Franzosen ist er mindestens einmal im Monat im TGV oder ICE nach Paris unterwegs. Längeren Aufenthalt hat er dort nicht. Die Kontrollfahrt geht mit dem nächsten Zug zurück an die Saar. Kontakte mit seinen Pariser Kollegen hält Stegner hauptsächlich per Internet. Thema ist jetzt das Attentat auf die Redaktion von Charlie Hebdo und die von Terroristen ermordeten Kollegen.