Wo Kunst, wo Autos?

Im Spätsommer könnte es auf der Baustelle des Vierten Pavillons wieder losgehen. Sie ruht seit 2011. Bis zum Frühjahr 2017 soll ein als Kunstwerk definierter Museumspark zwischen Langwiedstift, Staatstheater-Tiefgarage und Saar entstehen.

Kleine Lösungen sind ausgeschlossen. Denn: "Wir bekommen das wohl größte Kunstwerk Europas." Das sagt der Vorstand der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz , Roland Mönig, und meint damit, dass zukünftig nicht mehr nur Kunst im Museum gezeigt werden wird, sondern der Erweiterungsbau der Modernen Galerie selbst zum Kunstwerk wird. 5000 Quadratmeter "bedruckte" Boden- und Fassadenplatten werden sich um und an den Museumsneubau fügen. Zwischen Langwiedstift, Staatstheater-Tiefgarage und Saar entsteht ein veritabler Museumspark. Dieses "integrative Konzept" haben das Berliner Architektenbüro Kuehn Malvezzi und der Frankfurter Künstler Michael Riedel entwickelt. Das Projekt steckt noch in der Genehmigungsplanung. Ende Februar soll der Bauantrag eingereicht werden. Mönig rechnet mit etwa fünf Monaten, bis die Stadt Saarbrücken grünes Licht erteilt. Danach folgen Ausführungsplanung und Ausschreibungen. "Im Spätsommer" könnte sich frühestens etwas bewegen auf der Baustelle, so Mönig. Seit vier Jahren steht sie dann still. Der Museumschef ist überzeugt, dass die Eröffnung "noch in dieser Legislaturperiode" gelingt, also vor der Landtagswahl im Frühjahr 2017. Ein politisch kalkuliertes Datum, zugleich eines der Vernunft. Denn erfolgt ein Regierungswechsel, wären Verzögerungen wohl kaum vermeidbar. Vor diesem Datum liegt eine Durststrecke: Die Moderne Galerie, die mit dem Neubau baulich verzahnt wird, muss 2016 sechs- bis neun Monate schließen.

Gestemmt werden muss parallel die Umfeldgestaltung. Sie ist laut Mönig noch nicht besiegelt, aber vorbesprochen: mit dem Kuratorium, dem Langwiedstift, der Landeshauptstadt Saarbrücken , der Musikhochschule und dem Tiefgaragen-Betreiber Q-Park. In dessen Staatstheater-Parkhaus sollen künftig auch Museumsbesucher parken. Denn die Hauptveränderung im neuen Kulturquartier betrifft die Parkmöglichkeiten. Verloren gehen Stellmöglichkeiten für rund 50 Autos direkt vor der Musikhochschule sowie zwei Stiftungs-Parkflächen. Für letztere gibt es voraussichtlich in unmittelbarer Nähe einen Teil-Ersatz. Denn das Langwiedstift plant einen Erweiterungsbau, in dem die Stiftung rund 20 Stellplätze erhalten soll. In dem neuen Gebäude, das sich teilweise auf das Gelände der Stiftung vorschiebt, soll auch die Museums-Klimatechnik unterkommen. Vorgesehen ist eine Art Tauschgeschäft, in das die Stiftung ihr Gelände einbringt. Zu den Details will man sich im Langwiedstift auf SZ-Nachfrage noch nicht äußern. Eine Baumaßnahme in Sichtweite zum Museumspark bedarf freilich architektonischer Sensibilität, sonst droht ein Debakel.

Sollte diese Lösung greifen, muss eine neue Zufahrt neben dem Verwaltungsgebäude der Stiftung gebaut werden. Dadurch verkleinert sich die von Kuehn Malvezzi ursprünglich bis zum Verwaltungstrakt gezogene Kunstfläche. Zudem wird der Stiftungs-Parkplatz nicht mit bedruckten Platten belegt. Auch zur Innenstadt hin wird der Kunst-Bodenbelag nicht so weit rausgezogen wie geplant. Er beginnt nicht unmittelbar am Kreisel, wodurch das Öffnungs-Signal des Museumsquartiers in die Stadt hinein weniger markant ausfallen dürfte. Geblieben ist die neue Anbindung ans Saarufer - Kuehn Malvezzi haben das Museums-Projekt aus der Isolation erlöst. Profitieren von einer neuen "Campus-Situation" soll auch die Musikhochschule (HfM). Was Rektor Wolfgang Mayer trotzdem nicht zum Jubeln bringt. Denn gänzlich ungeklärt ist für sein Haus, anders als für die Stiftung, die Parksituation. Rund 100 Plätze, etwa 50 davon vor dem Haus, fallen weg. Doch wo sollen Studenten, die schwere Instrumente schleppen, parken? Wo die Übertragungswagen des Saarländischen Rundfunks, wo Besucher von 200 Veranstaltungen pro Jahr? Mayer möchte zu Ausweich-Quartieren oder zu anderen innovativen Konzepten noch nichts sagen. Der Rektor das Heft des Handelns ohnehin nicht in der Hand, auch kein nachbarschaftliches Einspruchsrecht. Denn das HfM-Gelände gehört dem Land. Dennoch freut sich Mayer über die "große Lösung", denn: "Derzeit ist es beschämend, wie es aussieht. Das ist keine Visitenkarte für die Hochschule." Deshalb sieht er sogar der lärmigen Bauphase gelassen entgegen. Für die Museumsfassade gibt es noch keine neue Text-Idee des Künstlers Michael Riedel. Wie mehrfach berichtet, stieß dessen erster Vorschlag, die Pavillon-Landtagsdebatte vom 9. April 2014 auf die Platten an der Fassade und auf Bodenplatten im Umfeld zu drucken, unter anderem bei Parlamentariern auf Widerstand. Riedel zeigte sich daraufhin für eine neue Textwahl offen. Wie Stiftungsvorstand Roland Mönig jetzt auf SZ-Nachfrage mitteilte, lehnt Riedel historisches oder literarisches Material ab. Für Riedels Konzept sei das aktuelle, gesprochene Wort unabdingbar. Laut Mönig will Riedel dem Museum den aktuellen Kommunikationsprozess über die eigene Entstehungsgeschichte einschreiben. Mönig: "Das schränkt die Suche nach einer Text-Alternative ein."

Das Kultusministerium hatte in Zusammenhang mit dem Streit um den Fassadentext angekündigt, eine Podiumsveranstaltung mit Experten und Bürgern durchzuführen. Doch ob sich Riedel für die Dokumentation dieser Veranstaltung entscheidet, ist offen. Mönig betont, dass der Text nicht als Fließtext zu lesen sein wird, sondern als grafisches Material dient: "Riedel benutzt Schriftzeichen wie Matisse Farbe aus der Tube." Mönig schließt nicht aus, dass Riedel doch zum Parlaments-Text zurückkehrt. Diese Freiheit hatte dem Künstler sowohl der Kultusminister wie auch das Kuratorium ausdrücklich eingeräumt.

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