„Ich möchte nicht geduldet werden, ich möchte willkommen sein“

„Ich möchte nicht geduldet werden, ich möchte willkommen sein“

Die Piraten im Saarbrücker Stadtrat sprachen sich bei ihrem Neujahrsempfang im Rathaus St. Johann gegen „Sozialabbau“ aus. Vor allem für die Stärkung des öffentlichen Personennahverkehrs, für Kultur und Sport müsse genug Geld bereitgestellt werden.

Neujahrsempfänge, findet Michael Hilberer , sind "immer etwas blöd". Es gibt viele davon im Land, und wer mehr als zwei oder drei davon besucht, stelle fest: Man trifft immer dieselben Leute, und die sagen immer dasselbe. Also überlege man sich für die betreffenden Abende noch andere Termine, so dass man nur kurz bei diesem oder jenem Neujahrsempfang vorbeischauen müssse, um gleich weiterzueilen. Dass Hilberer, der in St. Wendel lebende Vorsitzende der Piraten-Landtagsfraktion, es am Freitagabend im Saarbrücker Rathaus lange aushielt, lag nicht nur daran, dass dort seine Parteifreunde, die beiden Saarbrücker Piraten-Stadtverordneten José Ignacio Rodriguez Maicas und Thomas Brass, den Empfang ihrer Fraktion zelebrierten, sondern daran, dass Hilberer eine Rede halten durfte - natürlich erst am Ende des offiziellen Programms.

Bevor Hilberer über selbstfahrende Autos, Robotor, denkende Computer und die Welt, wie sie wohl in 200 Jahren ist, sprechen durfte, erklärte José Ignacio Rodriguez Maicas, was die Saarbrücker Piraten in den kommenden zwölf Monaten vorhaben. Wichtig sei zum Beispiel darauf zu achten, dass "vor lauter schwarzen Nullen keine rote Linie überschritten wird" - sprich: Bei allen Bemühungen, weitere Schulden zu vermeiden, dürfe es "keinen Sozialabbau " geben. Im Gegenteil, vor allem für die Stärkung des öffentlichen Personennahverkehrs, für Kultur und Sport müsse genug Geld bereitgestellt werden.

Wenn er von Kultur und Sport spreche, betonte Maicas, meine er nicht den neuen Museumspavillon oder das Stadion. Die kultur- und sporttreibenden Vereine müssten mit Hilfe rechnen können, weil sie es sind, die die Gesellschaft zusammenhalten und Integration von Zuwanderern fördern. Aber auch neue Initiativen, wie die, die sich im Silo am Osthafen engagiert, müssten gefördert werden. Dabei dürfe es nicht nur um die Frage gehen, was das finanziell unterm Strich bringt. Die Piraten, sagen deren Stadtverordnete, "lehnen es ab, kulturelle Veranstaltungen nur an wirtschaftlichem Erfolg zu messen".

Was die Integrationspolitik angeht, lautet der Rat der Piraten: "Wir müssen aufhören, Menschen gegeneinander auszuspielen" und in Fremden "Schuldige für unsere Nöte" zu suchen. Er selbst wisse als Einwandererkind: "Ich möchte nicht geduldet werden, ich möchte willkommen sein."