Zielwerfen – in aller Ruhe

Christof Morsch ist Vorstandsmitglied des Fischereiverbands Saar und dort zuständig für das „Casting“, die einzige anerkannte Angel-Sportart im Saarland. Im Gespräch mit SZ-Mitarbeiter Sebastian Zenner erklärt Morsch, was gute Castingsportler zu guten Anglern macht.

Herr Morsch, rund 1000 Menschen sind im Fischereiverband Saar als Castingsportler gemeldet. Was genau ist Casting und wie unterscheidet es sich vom gewöhnlichen Angeln?

Christof Morsch: Casting ist ein sogenannter Turnier-Wurfsport, der auf einem entsprechenden Sportplatz ausgetragen wird. Es handelt sich dabei um Zielwerfen mit speziellem Angelgerät. Es gibt Dreikampf für die Kleinen, Fünfkampf und Siebenkampf mit verschiedenen Disziplinen und unterschiedlichen Gewichten, Distanzen und Wurftechniken. Man spricht auch nicht umsonst von einer Hochleistungssportart.

Also kommen dabei keine Fische vor. Sind gute Casting-Sportler auch gute Angler?

Morsch: Man kann das ganz gut mit dem Radfahren vergleichen: Am Anfang steigt man auf ein Fahrrad und weiß erst einmal nicht, wo was ist und wie es genau funktioniert. Über den Casting-Sport lernt man quasi vorab das Angeln kennen. Wenn man beispielsweise einen Ring auf dem Wasser sieht, der ein eindeutiges Zeichen für einen Raubfisch ist, kann man sich genau darauf konzentrieren und die Stelle, an der sich der Fisch befindet, mit einem gezielten Abwurf treffen. Egal, ob Hindernisse wie ein querliegender Ast oder eine große Entfernung zu überbrücken sind. Das ist für die Praxis beim Angeln natürlich von Vorteil.

Sind die Casting-Ruten auch zum Angeln geeignet?

Morsch: Naja. Beim Angeln spricht ja noch jemand anderes ein Wörtchen mit - und dem gefällt gar nicht, was da so passiert und kämpft dagegen an. Die Ringe der Casting-Ruten, durch die die Angelschnur verläuft, sind aus weichem Metall. Wenn der Fisch versucht, zu flüchten, wird das sehr heiß und geht kaputt. Es gibt im Casting unterschiedliche Ruten, je nach Disziplin und Anforderung. Für den Weitwurf braucht man andere Gewichte, als bei den Präzisions-Übungen.

So gesehen ist Casting sicher auch ein teurer Sport, oder?

Morsch: Wenn man das auf Bundesebene macht und alle Wettbewerbe mitnimmt, kommt man pro Kind und Jahr mit Material und Reisen auf drei bis vier tausend Euro. Es gibt Stützpunkte in Nürnberg, Berlin, Brandenburg und München und diese Strecken muss man eben in Kauf nehmen. Früher hatten wir auch im Saarland Deutsche Meisterschaften an der Hermann-Neuberger-Sportschule. Dort konnten wir auch regelmäßig trainieren.

Ab welchem Alter fangen die Kinder in der Regel mit Ihrer Sportart an?

Morsch: In der Regel im Alter von zehn Jahren. Aber allgemein gilt: Je früher, desto besser.

Gibt oder gab es national oder sogar international erfolgreiche Castingsportler aus dem Saarland ?

Morsch: Es gab einen Zeitraum von sechs, sieben Jahren, in dem wir es bis in die europäische Spitze geschafft hatten. Unser Überflieger war damals Andreas Brein. Der hat einige deutsche Meistertitel abgeräumt und wurde 1998 als 16-Jähriger im österreichischen Linz sogar Jugend-Europameister. Wenn nicht gleich ein Talent nachkommt, kann man diese Erfolge aber nicht lange aufrechterhalten. Andreas Brein wurde daraufhin übrigens sofort Ehrenmitglied in unserem Verein ASV Fischbach-Camphausen.

Ist es möglich, wieder ein solches Talent hervorzubringen?

Morsch: Sagen wir es mal so: Vor 20 Jahren hatte man die Kinder und Jugendliche noch für einen längeren Zeitraum im Training und konnte die Talente weiterentwickeln. Mittlerweile kommt mit dem Gang auf eine weiterführende Schule ein deutlicher Knick in die Casting-Laufbahn.

Welche Ziele haben Sie für den Castingsport im Saarland ?

Morsch: Mein Ziel ist es, diesen Sport hier nicht aussterben zu lassen. Der Fokus des Verbands liegt ja klar auf der Jugend. Es muss immer jemand da sein, der bereit ist, zu Wettbewerben zu fahren und das Casting aufrecht zu erhalten. Was daraus künftig entstehen kann, weiß ich heute noch nicht. Von mir aus Initiative zu ergreifen und den Vereinen Vorschläge zu machen, will ich aber nicht. Dazu fehlt mir ganz einfach die Zeit. Ich würde mir wünschen, dass es Leute gibt, die sich für unseren Sport interessieren, vielleicht auch ein gewisses Budget mitbringen und sich darum kümmern, im Saarland unterschiedliche Turniere zu organisieren und Kinder für unseren Sport zu interessieren.

Was hat sich in den letzten Jahren in Ihrer Sportart verändert?

Morsch: Es ändert sich ständig etwas - vor allem am Material. Das wird immer hochwertiger, leichter und präziser. Da kann man früher und heute gar nicht vergleichen. Früher hat man vieles noch selbst gebaut. Heutzutage werden die Ruten ganz detailliert für eine bestimmte Disziplin gebaut. Je hochwertiger das Material, desto besser ist auch das Ergebnis bei Wettbewerben. Am Regelwerk hat sich prinzipiell nichts verändert. Deutschland gehört auch nach wie vor noch zur Weltspitze des Castingsports.

Warum sollten sich junge oder ältere Menschen ausgerechnet für Ihre Sportart entscheiden?

Morsch: Mich fasziniert die Herausforderung, sich das Können zu erarbeiten, mit einer Rute zielgenau zu werfen. Ich sehe Casting als absoluten Mannschaftssport , bei dem jeder den anderen anfeuert. Das trägt zur Gemeinschaftspflege bei. Theoretisch braucht man dafür auch nicht viel Material und man könnte es auch bei sich zu Hause im Garten üben und sich dort selbst beibringen. Es ist eine Konzentrations- und Präzisionsgeschichte, für die es auch Disziplin erfordert.

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