Knapper Raum für Flüchtlinge

Das Land verteilt Flüchtlinge an Städte und Gemeinden. Deren Unterbringung regeln die Kommunen unterschiedlich. Die SZ hat bei der Landeshauptstadt, der Stadt Völklingen und der Gemeinde Tholey nachgefragt.

Die Landeshauptstadt Saarbrücken hat im vergangenen Jahr 400 Flüchtlinge untergebracht. "Wir sind nah an die Grenzen unserer Leistungsfähigkeit herangekommen", sagt Guido Freidinger, Leiter des Amtes für soziale Angelegenheiten in Saarbrücken . Auch in diesem Jahr rechnet er damit, weitere 300 bis 400 Menschen unterzubringen. Doch wohin mit ihnen?

Die Landeshauptstadt arbeite vorrangig mit der Saarbrücker gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft (SGS) zusammen. Sie renovieren Leerbestände, die bisher nicht auf dem Markt waren, erklärt Freidinger. Das Sonderprogramm der Landesregierung zur Unterbringung von Flüchtlingen hilft dabei - mit maximal 50 000 Euro pro Objekt. Auch die Bevölkerung biete viele Immobilien an. "Allerdings können wir die Anfragen nur langsam abarbeiten", sagt Leidinger. Denn Gutachter müssten die Objekte auf Qualität sowie Renovierungsbedarf hin prüfen und mit den Vermietern verhandeln.

Private Wohnungen will die Landeshauptstadt nicht sofort an Flüchtlinge übergeben, sagt Freidinger. Die Erstversorgung laufe weiter über die Bestände der SGS. "Private Immobilien wollen wir in einer Art Wohnungsbörse anbieten", erklärt er. Die greife beispielsweise, wenn Flüchtlings-Familien zusammenziehen wollen. Häufig würden sie auf mehrere Orte verteilt. Doch mit einer Aufenthaltserlaubnis können sie ihren Wohnort selbst wählen.

Die Landeshauptstadt hat keine Probleme, dass Privatpersonen schrottreife Immobilien anbieten, sagt Freidinger. Dabei habe er damit gerechnet, dass so mancher ein marodes Objekt rentabel loswerden wolle. Er nimmt an, dass solche Anfragen ausbleiben, weil Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD ) keinen öffentlichen Aufruf gestartet habe.

Einen Aufruf an die Bevölkerung, Wohnraum anzubieten, hat die Stadt Völklingen bereits im vergangen Sommer gestartet. Mit Erfolg. "Wir haben einige private Immobilien in Anspruch genommen", sagt Kurt Kasper, Leiter des Fachbereichs Soziales in Völklingen . Wöchentlich bekomme die Stadt, in der Ende vergangenen Jahres 150 Flüchtlinge lebten, zwei bis drei weitere Angebote. Manche davon stellten sich als ungeeignet heraus, von Schrott-Immobilien will Kasper aber nicht sprechen. Problematisch sei vielmehr, dass es immer weniger städtischen Wohnraum gebe. Zumindest verspreche das Sonderprogramm Hilfe. "Wir haben einen Antrag für die Bezuschussung eines ehemaligen Obdachlosenheims gestellt", so Kasper.

In der Gemeinde Tholey ist noch genügend Wohnraum vorhanden, sagt Bürgermeister Hermann Josef Schmidt (CDU ). Mit mehr als 30 Objekten nutze sie vor allem kommunale Immobilien , dazu drei bis vier private Objekte. "In Zukunft werden wir aber verstärkt auf privaten Wohnraum zurückgreifen müssen", sagt Schmidt. In letzter Zeit habe die Gemeinde knapp 40 Flüchtlinge untergebracht. Schmidt zeigt sich zuversichtlich, dass sie die Unterbringung auch künftig stemmen können. Anträge für das Sonderprogramm seien gestellt. Viel Bürokratie, kritisiert Schmidt. Doch das soll nicht so bleiben. Heute schult das Innenministerium die Sachbearbeiter der Kommunen im Umgang mit dem Programm.

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