Abendschüler beklagen Nachteile

Auszubildende können parallel zur Lehre ihr Fachabitur ablegen – Klausuren aus ihrem Spezialgebiet werden ihnen dabei mitunter erlassen. Das bringt Abendschüler auf die Palme. Sie fühlen sich ungerecht behandelt.

Saarbrücker Abendschüler wehren sich gegen eine ihrer Meinung nach bestehende Ungerechtigkeit in den Prüfungen zum Fachabitur. In einem Brief an Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD ) beklagt die Klasse der Abend-Fachoberschule des Technisch-Gewerblichen Berufsbildungszentrums (TGBBZ) 1 eine Ungleichbehandlung gegenüber Auszubildenden, die parallel zur Lehre ihr Fachabitur ablegen. Die Bitte der Abendschüler um Angleichung der Modalitäten lehnte das Ministerium nun ab.

Neben dem normalen Berufsalltag holt die Abend-Klasse derzeit ihr Fachabitur im Bereich Ingenieurwesen nach. Nach fast zwei Jahren Abendschule stehen im Mai die Abschlussprüfungen an. Die Vorschriften zu den Fach abi-Prüfungen sind Anlass für den Beschwerdebrief: Ebenso wie Fachoberschüler, die im normalen Tagunterricht ihren Abschluss machen, müssen die Abendschüler vier schriftliche Prüfungen ablegen: Deutsch, Mathe, eine Fremdsprache sowie eine Prüfung im technischen Bereich. Beim Fachabi anderer Richtungen, etwa für Wirtschaft, ist es mitunter noch eine schriftliche Prüfung mehr.

Azubis, die parallel zur Lehre ihr Fachabitur ablegen, werden die Klausuren im Spezialbereich indes erlassen, wenn sie die zum Ausbildungsende obligatorische Kammerprüfung bestehen. Auf ihre Prüfung in der fachspezifischen Disziplin wollen nun auch die Abendschüler verzichten. Immerhin hätten ja auch sie einmal eine Ausbildung mit Kammerprüfung abgeschlossen.

Kritik an Ungleichbehandlung

Sie hätten "nur wenig Verständnis dafür, dass wir (...), die schon einen Ausbildungsabschluss haben, noch einmal eine schriftliche Prüfung in Technologie auf erweitertem Niveau und mit zusätzlichen sowie umfangreichen Inhalten absolvieren müssen", heißt es deshalb in ihrem Schreiben, das der SZ vorliegt. "Von daher stellen wir die Frage, ob uns die Prüfung in Technologie im Mai 2015 erlassen wird", schließen die Abendschüler ihren Brief.

Nachdem sie über zweieinhalb Monate auf eine Antwort gewartete hatten, lehnte das Ministerium gegenüber der SZ das Ansinnen der Abendschüler nun ab. Commerçon sei "bewusst, welche Belastungen mit dem Besuch der Abend-Fachoberschule verbunden sind", teilte sein Haus mit. "Es ist dem Ministerium jedoch nicht möglich, der Bitte nachzukommen." Die verschiedenen Wege zum Fachabitur stellten jeweils eigene Bildungsgänge dar. Und sie hätten teils verschiedene Rechtsgrundlagen, Zulassungsvoraussetzungen und Prüfungsordnungen. Ein entsprechendes Antwortschreiben an die Abendschüler sei nun verschickt worden. Die Adressaten wollen sich damit nicht zufrieden geben. "Werde ich wegen meiner Technologie-Note einen Numerus Clausus nicht schaffen oder speziell wegen diesem Fach mein Fachabi nicht bestehen, werde ich klagen", kündigte einer der knapp 20 Schüler der Abendklasse gegenüber der SZ an. "Ich bin auch nicht der einzige, der den Klageweg erwägt", sagte der Familienvater. Auch viele seiner Mitschüler seien inzwischen dazu bereit.

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