Stimmen von literarischen Zeitzeugen zur Saarabstimmung

Die Aktion 3. Welt Saar und das Saarländische Künstlerhaus erinnerten jetzt an den 80. Jahrestag der Saarabstimmung am 13. Januar 1935. Referent war SR-Literaturredakteur Ralph Schock, der antifaschistische "Schriftsteller im Abstimmungskampf" zu Wort kommen ließ.

Schock sammelte in den 80ern literarische Zeugnisse zum Abstimmungskampf, die er in den Anthologien "Haltet die Saar , Genossen!" und "Hier spricht die Saar " veröffentlichte. Derlei Stimmen von Zeitzeugen gab es viele, war das Saarland doch von 1933 bis 1935 Zufluchtsort für Juden, Sozialdemokraten, Kommunisten und andere Verfolgte und wurde von der Weltöffentlichkeit entsprechend aufmerksam beobachtet: Die Saar-Abstimmung hätte Hitler die erste außenpolitische Niederlage bescheren können. Es kam anders; erdrückende 90,8 Prozent der Saarländer stimmten für den Anschluss an das nationalsozialistische Deutsche Reich.

Über das Warum diskutierte Schock mit Stefan Frank, Vorstandsmitglied der Aktion 3. Welt Saar , der den sehr gut besuchten Abend moderierte. Unter Einbeziehung des Publikums hinterfragte man die Rolle von Parteien, Kirche, Presse und gesellschaftlichen Strukturen. Schock hatte neben historischen Dokumenten auch Texte mitgebracht, auf die er in den 80ern noch keinen Zugriff hatte, und zitierte unter anderem die Autoren Georg K. Glaser, Thea Sternheim, Arthur Koestler , Bernard von Brentano und Victor Klemperer . Ergänzend erklangen Einspielungen von "Das rote Saarlied" (Text: Erich Weinert) und "Das Saarlied" (Brecht/Eisler), nach dem Schocks Buch "Haltet die Saar , Genossen" benannt ist.