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Oberlin-Schule in Homburg engagiert sich für nachhaltige Entwicklung

Zukunftsfragen im Blick : Auszeichnung für die Oberlin-Schule

Am Dienstag wird das Siegel offiziell überreicht. Das Projekt für mehr Nachhaltigkeit läuft bereits seit längerem in der Einrichtung.

Wenn es in einem Schulgebäude still wird, dann muss das nicht bedeuten, dass sich hier nichts tut. Ganz im Gegenteil, das jedenfalls zeigt die Oberlin-Schule in Erbach, eine Förderschule des Saarpfalz-Kreises für geistige Entwicklung. Natürlich war auch hier die Corona-Zwangspause eine schwierige Zeit, in der man sich sehr bemüht hat, den Kontakt mit Schüler und Eltern zu halten. Das ist Schulleiter Alexander Engel wichtig. Doch er hat den Blick auch dafür nicht verloren, wie es danach einmal weitergeht.

Schon vor der Pandemie hat sich die Schule nämlich einer drängenden Frage dieser Zeit angenommen, die durch die Corona-Krise zwar etwas in den Hintergrund gerückt wurde, aber dadurch nichts an Brisanz verloren hat: dem Klimawandel und dem Streben nach einem nachhaltigen Lebensstil. Als Schuleiter sei ihm direkt eine Sache wichtig gewesen: Es wäre schön, wenn sich die Schule weiterentwickeln könnte, berichtet Engel. Da fiel ihm ein Projekt des Umwelt- und des Bildungsministeriums in die Hände, das es Schulen ermöglicht, ein Nachhaltigkeitssiegel zu bekommen. Er habe sofort gedacht: „Genau das passt zu uns“, sagt Engel. Schließlich sei man auch eine Schule am Wald mit großem Außengelände. Als einzige Förderschule im Saarland sei man dann schließlich in das Programm aufgenommen worden, acht Schulen seien es insgesamt landesweit. „Darüber haben wir uns riesig gefreut“, betont Engel. Und auch das ganze Kollegium samt Schulsekretärin sei direkt mit im Boot gewesen. Grundlegend geht es bei diesem Zertifizierungsprozess darum, was auch im direkten Umfeld getan werden kann, um Ressourcenverschwendung, Artensterben und Erderwärmung entgegenzutreten. Und wie das alles wiederum erlernt werden kann. Dabei arbeiten das Ministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz sowie das Ministerium für Bildung und Kultur mit der Naturschutzjugend Saarland, dem Netzwerk Entwicklungszusammenarbeit im Saarland, der Prowin-Pro-Nature-Stiftung und dem Zentrum BNE/Landesinstitut für Pädagogik zusammen.

Auf die Oberlin-Schule kam, nach dem Entschluss mitzumachen, viel Denk- und Organisationsarbeit zu. Schließlich bedeute Nachhaltigkeit weit mehr als Umweltschutz, habe viele Facetten. So sollen Bildungsinhalte gezielt auf dieses Thema hin ausgerichtet werden. Weitere Themenfelder sind dabei beispielsweise, wie man Armut entgegenwirken kann und auch das Feld Gesundheit sollte eine wichtige Rolle spielen. Insgesamt 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung sind in der Agenda 2030 der Vereinten Nationen dazu definiert. Darauf fußt das Konzept des Siegels. Nun galt es zu schauen, wie viel die Schule davon leisten kann und wie eine Verknüpfung funktioniert. Dabei kann man schon einiges vorweisen, Engel nennt dafür Beispiele: So bekommen alle Schüler eine warme Mahlzeit, für ein Klassenfrühstück sei gesorgt, und es gebe einen Förderverein, der tatkräftig unter die Arme greift, wenn es irgendwo hakt. Da könne es simpel auch einmal darum gehen zu helfen, wenn die passende Hose für den Sport fehlt. Gesunde Ernährung sei Thema im Unterricht, auch unter den Fragestellungen: Wie kaufe ich gesund und klug ein, sodass es hinterher auch schmeckt. Und beim Umweltschutz lasse sich durchs Mitmachen etwa bei der großen Müllsammelaktion „Saarland Picobello“ praktisch erfahren, wie groß die Vermüllung der Umwelt sei. Und auch hier wiederum wirkt man an der Schule bewusst entgegen: Es gebe etwa schon seit langem keine Getränke in Plastikflaschen mehr, sondern Wasserspender. So könne man sich jederzeit kostenlos Sprudel und Wasser holen.

Nun sei man mit der Hilfe des Saarpfalz-Kreises gerade dabei, Obstbäume und -sträucher in einem Schulgarten zu setzen. So könne man dann einen ganzen Herstellungsprozess praktisch erleben: Wie wird Apfelsaft hergestellt?

Die Coronazeit habe man genutzt, die einzelnen Dinge zu systematisieren, die Leitziele zu überarbeiten, Gedanken ins Schulcurriculum zu fassen. Auch habe man ausgehend vom Lehrplan bestimmte Lerninhalte definiert, die jeder im Sinne der Nachhaltigkeit absolviert haben müsse. Das geschehe mit einer Art Laufzettel mit Themen aus allen Fächern, in denen Nachhaltigkeit ihren Platz finden müsse. So entstehe über die ganze Schulzeit hinweg eine Art Portfolio unter dem Leitmotiv praktisch erfahrbare Dinge, die genau da angedockt werden.

 Nun freut man sich, das Siegel auch bald richtig in den Händen halten zu können. Und auch darüber in Zeiten, in denen man mit so viel Negativem zu kämpfen hat, ein positives Signal senden zu können.