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Corona-Krise: Saarländische Spitzenpolitiker ziehen persönlich Bilanz

„Das war etwas Großartiges“ : Politiker: Corona-Krise hat Saarländer zusammengeschweißt

Die Corona-Krise hat auch das Saarland erschüttert. Drei Monate nach dem Lockdown gehen die Schritte nun wieder in Richtung Normalität. Spitzenpolitiker ziehen persönlich Bilanz.

Die Corona-Pandemie hat die Saarländer nach Ansicht von Spitzenpolitikern des Landes enger zusammengeschweißt. „Diese tiefgreifende Krise hat uns nochmals in besonderer Weise vor Augen geführt, wie groß der Zusammenhalt im Saarland ist“, sagte Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) der Deutschen Presse-Agentur. „Es hat viele solidarische Ansätze gegeben bei Nachbarschaftshilfe und anderen“, meinte auch Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD).

Es sei „toll, wie viele Initiativen sich vor Ort gegründet haben, um in der unmittelbaren Nachbarschaft auszuhelfen“, sagte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD). „Ich hoffe, dass diesem Miteinander auch nach der Krise noch so hohe Bedeutung zukommt.“

Hans sagte, viele Saarländer hätten Solidarität und Hilfsbereitschaft gezeigt und sich beispielsweise um Nachbarn gekümmert, Masken genäht oder mit Gutscheinen und Spenden ihre Stammkneipen und Restaurants unterstützt. „Das war und ist bei allen Schwierigkeiten, Sorgen und Problemen etwas Großartiges.“

Oskar Lafontaine, Fraktionsvorsitzender der Linkspartei im saarländischen Landtag, sagte, er selbst sei „wenig betroffen“ gewesen. Er habe auf Kulturveranstaltungen und Restaurantbesuche verzichten müssen: „Aber das war kein großes Problem.“ Er habe viel mehr an die Menschen gedacht, die es besonders hart getroffen habe. Er bedauere, dass 20 Millionen Haushalte mit geringem Einkommen beispielsweise keine Konsumgutscheine erhalten haben.

„Ganz persönlich haben mir die direkte Begegnung und viel Herzlichkeit gefehlt, die sich sonst durch Umarmungen und ein Lächeln ohne Maske ausdrücken“, sagte Ministerin Rehlinger. Als Politikerin habe sie „Grundrechte und wirtschaftliche Existenzen gegen die Gesundheit und potenziell auch das Leben von Menschen abwägen“ müssen. Dies seien „Entscheidungen, die zu den schwersten in meiner bisherigen Tätigkeit gehören“, gewesen.

Auch Hans sprach von einer „Gratwanderung, einzelne Grundrechte gegeneinander abzuwägen“. Zahlreiche Bürger hätten ihm berichtet, warum bestimmte Maßnahmen für sie besonders hart gewesen seien. Dies habe ihn „sehr berührt und ich konnte vieles aus persönlicher Sicht auch sehr gut nachvollziehen“. Er habe seine Entscheidungen aber nicht von Einzelschicksalen abhängig machen dürfen. Der persönliche Kontakt zur Familie und zu Freunden habe ihm sehr gefehlt. Und gerade zu Beginn der Krise habe er „viele schlaflose Nächte“ gehabt.

Maas sagte, ihn habe besonders die Einschränkung der Bewegungsfreiheit berührt. Europa bedeute für ihn „Freiheit und die Möglichkeit, ohne geschlossene Grenze in unsere Nachbarländer reisen zu können“. Deshalb sei er „froh, dass Schritt für Schritt geschlossene Grenzen wieder geöffnet wurden und es wieder zu einer Normalisierung kommt.“

Lafontaine betonte, er habe „die Grenzschließung ohne Abstimmung mit Frankreich“ sehr bedauert. Damit seien „unsere französischen Freunde vor den Kopf gestoßen“ worden. Wichtig sei nun, die ökonomischen Folgen der Pandemie zu bewältigen.

Mit Vorsicht sehen die saarländischen Politiker der kommenden Urlaubszeit entgegen. Erstens sei unklar, wie sich die Lage entwickelt. Und zweitens könne man „nicht das machen, wovon wir der Bevölkerung abraten“, sagte Hans. Glücklicherweise müsse man als Saarländer „nicht unbedingt in ferne Länder reisen um einen schönen Urlaub zu verbringen“.

Rehlinger sagte: „Ich verbringe meinen Sommerurlaub zu Hause.“ Ohne Fernreise könne man „Zeit hier bei uns im Genussland Saarland verbringen“. Maas meinte, er habe in den vergangenen Monaten wegen der Krise gar nicht im Saarland sein können und seine Eltern nicht gesehen. Deswegen stünden „ein paar Tage zu Hause mit meinen Söhnen im Saarland ganz oben auf der Liste“.

„Wir werden in den Ferien einen größeren Teil zu Hause verbringen“, sagte auch Lafontaine. Mit seiner Frau Sahra Wagenknecht werde er aber auch für ein paar Tage in die Bretagne fahren: „In der Bretagne können Sie auch dann Radfahren, wenn es eine Bullenhitze ist.“

(dpa)