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Was war der Schiffweiler Walter Bernstein für ein Mensch und Künstler?

Schiffweiler Künstler Walter Bernstein : Er porträtierte die kleinen Leute – So war Bernsteins Leben

Der weiße Kittel blieb lebenslang sein Markenzeichen. Denn vor seinem 1923 in Nürnberg aufgenommenen und in Berlin fortgesetzten Kunststudium hatte Walter Bernstein Maler- und Anstreicher gelernt. Davor lag zusätzlich noch eine Lehre als Eisenwarenhändler.

So blieb Bernstein (17.6.1901 geb. in Neunkirchen, gest. 26.3.1981) offensichtlich bodenständig, wenn er zunächst auch nicht heimatverbunden lebte. Er arbeitete und heiratete in Berlin, kam erst nach dem Tod seiner ersten Frau und nach der Kriegsgefangenschaft 1946 ins Saarland zurück. Für ihn als bereits Mittvierziger eine bittere Stunde Null, denn Haus und Gemälde waren in Berlin in Flammen aufgegangen. In Schiffweiler fand er seine zweite Frau, Maria Zewe, Schwester des Bildhauers Otto Zewe. Dann folgte wieder ein Schicksalsschlag: Bernsteins Sohn litt unter Muskelschwund, musste zuhause versorgt werden, starb jung.

Die freie Kunst ernährte die dreiköpfige Familie mehr schlecht als recht. Obwohl Bernstein geradezu manisch zeichnete, viele Auftrags- und Gefälligkeits-Bilder schuf und bis in die 70er Jahre öffentliche Aufträge bekam. Seine Motivwelt: Industrielle Milieus, Landschaften, Blumen-Stillleben, Porträts, Arbeiter im Berufsalltag. Einen Avantgarde-Anspruch erhob Bernstein nicht, war auch nie, wie in vielen Presseberichten oder bei Wikipedia aufgeführt, „Meisterschüler“ von Käthe Kollwitz oder Max Slevogt. Die abstrakte Bewegung in der Kunst blieb ihm schlicht wesensfremd.

Ein aussagekräftiges Persönlichkeitsbild lässt sich freilich kaum erstellen. Denn Selbstaussagen, Tagebücher, Briefe, Reflektionen über Kunst oder die eigene Arbeiten sind kaum vorhanden. Aus den Motiven seiner Kunstwerke und aus Berichten von Zeitgenossen und Familienmitgliedern lässt sich jedoch ein Charakter-Umriss zeichnen. Sichtbar wird ein introvertierter, sensibler Mann, den Existentielles interessierte und dem Menschenschicksale nahe gingen. So rückten folgerichtig die kleinen Leute in seinen Blick.