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„Ladies“ versammelt frühe Stories von Patricia Highsmith um Schnecken und Schnepfen

Frühe Meisterwerke von Patricia Highsmith : „Ladies“ versammelt Stories um Schnecken und Schnepfen

Patricia Highsmith war schon etwas sonderlich. Über ihre zahlreichen Liebhaberinnen führte sie Buch und ungewollten Besuchern servierte sie schon mal das für die Katzen vorgesehene Fressen. Sie war Kettenraucherin und trank flaschenweise Scotch.

Ihren Bungalow im Tessin, in dem sie in ihren späten Jahren am liebsten allein war, weil das der Fantasie viel förderlicher sei als Gesellschaft, nannte eine Freundin von ihr mal „Hitlers Bunker“. So auf jeden Fall will es der Mythos.

Die Lieblingstiere von Patricia High-smith (1921-1995) waren Schnecken. Sie züchtete welche und führte sie sogar in ihrer Handtasche spazieren. Bei einer Cocktailparty in London soll sie mal mit ihnen gespielt haben als ihr langweilig war. Den Weichtieren widmete sie auch eine Geschichte. „Der Schneckenforscher“ (1948) ist eine von 16 frühen Stories, die der gerade erschienene Band „Ladies“ versammelt. Bevor die in Fort Worth/Texas Geborene mit ihrem Roman „Strangers On A Train“ (1950) den Durchbruch schaffte und ihren Personalstil mit ihren „Mister Ripley“-Büchern (1955-1991) perfektionierte, veröffentlichte sie Kurzgeschichten in Frauenzeitschriften wie Harper‘s Bazaar oder Women‘s Home Companion. Nicht jede kann als gelungen gelten. Mancher ist anzumerken, dass sich die Schriftstellerin noch ausprobiert.

Etwa der „Legende des Klosters von Saint Fotheringay“ (1939/40). Zwei Nonnen in einem Kloster, indem gepredigt wird, das männliche Geschlecht sei ausgestorben, adoptieren ein Findelkind – einen Jungen – und geben ihn als Mädchen aus. Bald ist diese „Mary“ Everybody’s Darling und wird von allen hoffnungslos verhätschelt. „Mit einem Wort, er war das perfekteste Exemplar eines Wolfes, der sich je unter einem Schafspelz versteckt hatte.“ Was anfängt wie die böse Parodie auf die zwei Geschlechter, versandet jedoch im Beliebigen.

Am aufschlussreichsten ist noch die Story „Die Weltmeisterin im Ballwerfen“ (1946), in der ein Mädchen mit ihren Eltern vom Land nach New York zieht. Großartig beschreibt Highsmith die Zerrissenheit zwischen Vorfreude und Angst vor dem Fremden. Sie selbst zog als Sechsjährige mit Mutter und Stiefvater nach New York. Ihre Sozialisation erklärt so manches ihrer Bücher und ein Stück weit auch ihr Leben. Ihre frühen Stories sind ein kleiner, aber wichtiger Mosaikstein.

Patricia Highsmith: Ladies. Frühe
Stories. Diogenes, 320 Seiten, 24 Euro.