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Leserbrief
Die Planung im Auge behalten

Zur Diskussion  Regler-Platz

Vorweg: Ich bin kein Mitglied der Bürgerinitiative, unterstütze jedoch deren Forderung, dass auf dem Gustav-Regler-Platz das geplante Gebäude nicht erstellt werden soll. An der Diskussionsveranstaltung habe ich teilgenommen. Bezüglich des Ablaufs kann ich SZ-Redakteur Beckinger beipflichten. Das war nicht das, was sich die meisten Teilnehmer gewünscht haben. Hierbei ist darauf hinzuweisen, dass der Teilnehmerkreis sich aus allen Bevölkerungsschichten zusammensetzte. Sie alle einte die Meinung, dass das angeführte Gebäude auf dem Platz am Seffersbach nicht erstellt werden darf. Ausdruck fand dies in der Abstimmung über diese Frage. Die anschließende Gegenprobe ergab nicht eine Stimme dafür.


Der Presseberichterstatter hat den Versammlungsverlauf zu Recht als äußerst ungeordnet geschildert. Was mich an seiner Kolumne gestört hat, ist die pauschale Einbeziehung der Anwesenden in seine harsche Kritik. Die meisten Teilnehmer und die ernsthaften Mitglieder der Bürgerinitiative fühlten sich weder einer johlenden und gröhlenden Menge angehörig, noch lassen sie sich als Personen charakterisieren, die – so wurde es formuliert – im Zeitalter von Trump & Co. jegliche Regeln des Anstands vermissen lassen. Die diesbezüglichen Anwürfe weise ich daher zurück und sehe, bezogen auf das gemeinsame Anliegen, die Gefahr, dass Sympathisanten sich aufgrund der beschriebenen Berichterstattung abwenden könnten.

Ich bin sicher, dass Herr Beckinger, den ich als verantwortungsvollen Journalisten schätze, diese mögliche Nebenwirkung nicht beabsichtigt hat. Er hat es jedoch versäumt, die unprofessionelle und und phasenweise nicht vorhandene Moderation des mit der Aufgabe überforderten Moderators als Grund und Ursprung für den beklagenswerten Ablauf zu benennen. Darüber hinaus hat er auch nicht erwähnt, wie die Anwesenden vom Vertreter des Stadtbauamts in nahezu dreifacher Überschreitung der Redezeit mit überwiegend überflüssigem Rückblick auf Überlegungen früherer Stadträte hingehalten wurden.



Erstaunlich, wie ruhig und tolerant dies von den so genannten „Wutbürgern“ hingenommen wurde. Dass es die Anwesenden danach zu zufriedenstellenden Antworten auf ihre Fragen drängte, lag in der Luft. Bedauerlich, dass dem Versammlungsleiter eine ordnungsgemäße Wortvergabe und Leitung  dann nicht gelang. Bei dem Anliegen der Bürgerinitiative handelt es sich um ein selbstloses, berechtigtes Begehren, das eine folgenschwere Fehlplanung verhindern soll.

Ungeachtet der Ereignisse, sollten die Merziger Bürger die Planung für den Seffersbachbereich prüfend hinterfragen und Position beziehen. Die Unterschriftenlisten weisen bereits rund 3000 Unterstützer der Bürgerinitiative aus, zu denen täglich neue hinzukommen. Vielleicht sollte sich der Stadtrat vor diesem Hintergrund doch zu einer Bürgerbefragung durchringen, die er bisher als nicht zielführend abgelehnt hat.

Horst Schmitt, Merzig