Merzig: Bürger gegen Bebauung von Regler-Platz

Merzig : Bürger gegen Bebauung von Regler-Platz

Auf der Infoveranstaltung machten zahlreiche Merziger ihrem Unmut über die Pläne der Stadt zur Umgestaltung von Regler-Platz und Seffersbachbereich Luft.

Ohne so recht zu wissen, wie konkret die städtischen Pläne zur Weiterentwicklung des Gustav-Regler-Platzes tatsächlich gediehen sind, kamen viele interessierte Bürger am Samstag bereits eine halbe Stunde vor Beginn der Informationsveranstaltung zu dem noch unbebauten Platz am Merziger Seffersbach. Noch bevor Bürgermeister Marcus Hoffeld und seine Mitstreiter aus dem Rathaus dort erschienen, sorgte der offenkundig weit verbreitete Unmut bereits für giftige Bemerkungen: „Die haben ja schon die Bänke abgebaut, dann wird wohl auch bald der Bagger kommen!“ Und die auf zwei Schautafeln präsentierten Grafiken und Zeichnungen provozierten ebenfalls unmissverständliche Kritik: „Warum heute noch Informationen? Die haben doch sowie schon alles über unsere Köpfe hinweg entschieden!“

Als die Vertreter aus dem Rathaus kurz vor zwölf Uhr erschienen und Bürgermeister Hoffeld die Besucher zur Bürgerinformation „über ein sehr emotionales Thema“ begrüßte, bestätigten gellende Pfiffe, dass er mit dieser Einschätzung nicht so falsch lag. Der städtische Wunsch, die „gute Stube“ von Merzig städtebaulich attraktiver zu gestalten – „wir wollen weg von der heutigen Hinterhofsituation“ – solle gemeinsam mit der Bürgerschaft transparent realisiert werden, erklärte Hoffeld. Und schon fielen ihm erregte Besucher ins Wort: „Wir wollen hier keinen großen Block, der den Platz bis an den Seffersbach verbaut und ihm die Sonne nimmt!“

Hoffeld – sichtlich bemüht, sich von der aufgeladenen Stimmung nicht anstecken zu lassen – verwies immer wieder darauf, dass noch „rein gar nichts“ entschieden sei. Nach langjährigen Verhandlungen mit den betroffenen Grundeigentümern und deren inzwischen feststehenden Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der Stadt wolle man jetzt nach der bestmöglichen Lösung suchen. Dazu gebe es auch einen einstimmigen Ratsbeschluss. Von den ausgehängten Projektskizzen sollten sich die Besucher allerdings nicht verwirren lassen: „Das sind nur erste Vorschläge, entschieden ist hier noch gar nichts!“, betonte der Verwaltungschef.

Das wiederum nahmen die meisten Bürger ihrem Bürgermeister so nicht ab. Ein sichtlich erregter älterer Merziger schimpfte: „Hier darf auf keinen Fall ein großer Bau errichtet werden. Dieser Platz ist für uns Bürger da! Und wenn das im Rathaus gegen unseren Willen nicht berücksichtigt wird, dann gehe ich mit einer Bürgerinitiative dagegen an.“ Immer wieder kam in diesem Zusammenhang der Hinweis auf die bereits abgebauten Bänke, die viele als Beweis für die bald anrückenden Bagger interpretierten.

Angesichts des lautstarken Widerstands meldete sich auch Klaus Borger von der Bündnis-Ratsfraktion aus Grünen und Freien Wähler zu Wort. Der einstimmige Ratsbeschluss für die Weiterentwicklung des Platzes sei nur deshalb zustande gekommen, weil er in der betreffenden Sitzung nicht anwesend sein konnte. „Ich würde ganz klar dagegen stimmen!“ Beeindruckt vom spontanen Applaus vieler Bürger machte gleich noch sein Fraktionskollege Bernhard Morbe einen Rückzieher: „Ich habe dafür gestimmt, aber das war wohl ein Fehler.“

Immer wieder versuchte Hoffeld, den weit verbreiteten Verdacht vieler Betroffener zu zerstreuen, die Gemeinschaft der Grundeigentümer und die Verantwortlichen im Rathaus hätten sich bereits ohne Rücksicht auf das Unbehagen vieler Bürger weitgehend auf eine Bebauung des Regler-Platzes und eine neue Verkehrsregelung mit einer Höchstgeschwindigkeit von sieben Stundenkilometern festgelegt. „Davon kann wirklich nicht die Rede sein“, sagte Hoffeld. Stattdessen beteuerte der Bürgermeister in der gut anderthalbstündigen Diskussion ein ums andere Mal, die Verwaltung sei nach wie vor auf der Suche nach einer zukunftsweisenden Lösung für den Platz, mit der alle Beteiligten auf Dauer gut leben könnten. Als ein attraktives Beispiel für einen solchen positiven Lösungsansatz verwies er unter anderem auf die Stadt Saarburg.

Heiss diskutiert - die Umbauplaene des Merziger Gustav-Regler-Platzes. Foto: Rolf Ruppenthal/ 26. Mai 2018. Foto: Ruppenthal
Heiss diskutiert - die Umbauplaene des Merziger Gustav-Regler-Platzes. Foto: Rolf Ruppenthal/ 26. Mai 2018. Foto: Ruppenthal
Der Gustav-Regler-Platz in Merzig sorgt aktuell für viele Diskussionen in der Kreisstadt. Foto: Ruppenthal

Nerven zeigte schließlich aber auch Hoffeld, nachdem sich die erregte Diskussion zum wiederholten Mal um die Frage gedreht hatte, ob die ausgestellten Projektskizzen nun schon so gut wie beschlossen seien oder nicht. „Ich versichere noch einmal, davon kann nicht die Rede sein!“ Als ein Diskutant daraufhin über die Entmündigung der Bürger wetterte, polterte auch der Bürgermeister: „Die Mündigkeit der Bürger ist keine Einbahnstraße – kommen Sie alle in unsere Rats- und Ausschusssitzungen, dann erhalten Sie ein objektives Bild davon, was wirklich Sache ist.“ Damit beendete er diese Veranstaltung, nicht ohne das Versprechen, verschiedene konstruktive Anregungen wie unter anderem die Ausschreibung eines städtebaulichen Wettbewerbs aufzunehmen sowie die Bürgerbitten um noch größere Transparenz im Fokus zu behalten.