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Schlagabtausch
Hitzige Diskussion um Zukunft von Regler-Platz

Auf dem Podium (v.l.): Bürgermeister Marcus Hoffeld, Manfred Klein (SPD), Klaus Borger (Bündnis für Merzig), Moderator Dieter Ackermann, Frank Hackenberger (Linke), Bernd Seiwert (CDU), Hannah Spanier, Alfred Kast (beide BI).
Auf dem Podium (v.l.): Bürgermeister Marcus Hoffeld, Manfred Klein (SPD), Klaus Borger (Bündnis für Merzig), Moderator Dieter Ackermann, Frank Hackenberger (Linke), Bernd Seiwert (CDU), Hannah Spanier, Alfred Kast (beide BI). FOTO: Christian Beckinger
Merzig. Podiumsdiskussion macht deutlich: Die Vorstellungen zur Neugestaltung des Areals am Seffersbach gehen weit auseinander. Christian Beckinger

Seit Wochen wird in Merzig vor allem über ein Thema diskutiert: Wie sollen der Gustav-Regler-Platz und das Seffersbachufer umgestaltet werden, damit dieser zentrale Bereich in der Stadtmitte attraktiver wird? Die Stadt hatte die Idee, im Zusammenspiel mit privaten Anliegern  durch die Errichtung eines Wohn- und Geschäftshauses den Bereich aufzuwerten – ein Vorhaben, das viele Kritiker auf den Plan rief, es gründete sich eine Bürger-Initiative, die sich dagegen wehrt. Am Donnerstag kam es nun bei einer Podiumsdiskussion in der Villa Fuchs zum direkten Aufeinandertreffen der Bürger-Initiative mit Vertretern von Verwaltung, Stadtrat und Kommunalpolitik.


Hannah Spanier, zweite Vorsitzende der BI, betonte dort: „Unsere wichtigste Forderung ist, dass auf dem Reglerplatz kein Gebäude steht.“ Die BI habe bewusst den Begriff „Gebäude“ gewählt. „Wir lehnen nicht eine Bebauung ab, das kann ja auch ein Brunnen sein.“ Statt dessen wünsche sich die BI, dass der Platz attraktiver gestaltet werde.  An die Adresse der Polit-Repräsentanten sagte sie: „Von Ihnen erwarte ich als Vertreter der Bürger, dass Sie unsere Wünsche erfragen.“ In der Bevölkerung entstehe aber der Eindruck, dass privatwirtschaftliche Interessen von Investoren schwerer wiegen als die der Bürgerschaft. Das wies Bürgermeister Marcus Hoffeld zurück: „Wir nehmen die Meinung der Bürger ernst“, betonte der Verwaltungschef und wiederholte mehrfach, dass es noch keine definitiven Entscheidungen zur Umgestaltung des Bereiches gebe. Dass die Stadt in einer Infoveranstaltung Ende Mai mit einer konkreten Planung, nämlich einem mehrgeschossigen Gebäude mit Tiefgarage an die Öffentlichkeit gegangen sei, sei rückblickend betrachtet ein Fehler gewesen, sagte Hoffeld. „Ich hätte nicht mit einer solchen Diskussion gerechnet.“

Auch die Vertreter der beiden großen Fraktionen im Stadtrat betonten mehrfach, dass die Diskussion noch ganz am Anfang stehe. Manfred Klein (SPD) sagte, alle politischen Kräfte im Rat hätten das gleiche Ziel: „den Seffersbach so zu gestalten, dass alle Merziger darauf stolz sind“. Über das Wie gingen die Meinungen noch auseinander. Bernd Seiwert, Vorsitzender der CDU-Stadtratsfraktion, betonte, dass seine Fraktion die Pläne mit einem mehrgeschossigen Wohn- und Geschäftsgebäude nicht mittrage. „Der Platz sollte erhalten bleiben.“ Vielmehr hätten die Christdemokraten sich dafür ausgesprochen, einen Ideenwettbewerb zur Gestaltungsfrage auszuloben. Dieser solle, so hatte es der Stadtrat im Juni auf Anregung der Linksfraktion beschlossen, im Anschluss an einen Bürger-Workshop stattfinden, bei dem auch die Merziger ihre Vorstellungen zur Gestaltung des Platzes einbringen sollten. Seiwert: „Wir müssen zu einer vernünftigen Planung kommen, die jedem gefällt.“ Allerdings lehne die CDU ab, vorab  festzulegen, „dass kein Millimeter bebaut werden darf“.



Viel Kritik an den Gestaltungsplänen kam von den Vertretern der Opposition im Rat. Frank Hackenberger (Linke) erklärte, dass die „Hinterhof-Situation“ dort ein Schandfleck für die Stadt sei. Der Regler-Platz selbst sei aktuell „ein öder, trister Steinplatz – den müssen wir lebendiger gestalten“. Hackenberger sprach sich im Gegensatz zu CDU-Mann Seiwert für strikte Vorgaben zur Gestaltung des Areals aus. Er kritisierte, dass CDU und SPD nicht bereit gewesen seien, eine Einwohnerbefragung zu dem Thema zu machen. Eine solche Befragung hatte das Bündnis aus Grünen und Freien Wählern im Rat in der Juni-Sitzung des Gremiums beantragt – und war damit gescheitert. Bündnis-Vertreter Klaus Borger wiederholte sein Unverständnis über diese Haltung. Zudem wies er darauf hin, dass der Rat ein Durchgrünungskonzept für Merzig beschlossen habe. „Darin spielen der Seffersbach und der Ritzerbach eine zentrale Rolle als Grünflächen und Kaltluftschneisen.“ Die jetzigen Planungen liefen diesem Konzept zuwider. Aus Sicht von Borger dient die geplante Bebauung vor allem dazu, die Kooperation der privaten Grundstückseigentümer bei der Umgestaltung  zu gewährleisten. „Warum soll sich ein Eigentümer daran beteiligen, einen solchen Bereich zu entwickeln, wenn er nichts davon hat?“ Ein solches Finanzierungsmodell sei zwar legitim, so Borger. Aber: „Mir ist dieser Bereich als Zone für die Erholung der Bürger wichtiger als das Wohlergehen einzelner Investoren.“

Die Redebeiträge aus dem Publikum machten vor allem zwei Dinge deutlich: eine starke Ablehnung der aktuellen Planung und ein tiefes Misstrauen gegenüber den Entscheidungsträgern in Verwaltung und Rat. Dieter Ulrich, früheres Stadtratsmitglied, sagte: „Man kann den Platz nur gestalten, wenn er erhalten bleibt.“ Werner Schmitt urteilte: „Der Reglerplatz hat eine wichtige ökologische Funktion, den darf man nicht einfach versiegeln und platt machen.“ Jens Schommer erklärte: „Was man sieht, ist eine Bebauung mit einem Wohnprojekt. Der Platz ist doch hinterher nicht mehr existent!“ Alfred Kast, Vorsitzender der BI, befand: „SPD und CDU vertreten nicht mehr die Bürger der Stadt.“ BI-Vertreterin Hannah Spanier urteilte am Ende der zeitweise hitzig und lautstark geführten Debatte: „Sie können den Verdacht nicht ausräumen, dass doch ein Gebäude auf den Regler-Platz kommen soll.“

Das Interesse an dem Thema war groß, der Saal in der Villa Fuchs platzte während der Podiumsdiskussion aus allen Nähten.
Das Interesse an dem Thema war groß, der Saal in der Villa Fuchs platzte während der Podiumsdiskussion aus allen Nähten. FOTO: Christian Beckinger
Stadtplaner Christian Bies (vorne) stellte zu Beginn der Veranstaltung die städtebauliche Situation am Seffersbach vor.
Stadtplaner Christian Bies (vorne) stellte zu Beginn der Veranstaltung die städtebauliche Situation am Seffersbach vor. FOTO: Rolf Ruppenthal