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Merzig
Bürger wehren sich gegen Bebauung

Die Vertreter der neu gegründeten Bürger-Initiative, die bei der Gestaltung des Gustav-Regler-Platzes ein Wörtchen mitreden möchte: Hannah Spanier (von links), Brigitte Grass und Alfred Kast.
Die Vertreter der neu gegründeten Bürger-Initiative, die bei der Gestaltung des Gustav-Regler-Platzes ein Wörtchen mitreden möchte: Hannah Spanier (von links), Brigitte Grass und Alfred Kast. FOTO: Dieter Ackermann
Merzig. In Merzig hat sich eine Bürger-Initiative gegründet, die gegen die geplante Umgestaltung des Gustav-Regler-Platzes Front macht.

Auch wenn der vom Bildhauer Paul Schneider zu Ehren des Schriftstellers Gustav Regler gestaltete Gedenkstein an ein Schiff auf hoher See erinnern soll, vermittelt doch das Foto von den Organisatoren der Bürger-Initiative Gustav-Regler-Platz an diesem Denkmal einen Eindruck von Harmonie, was allerdings aktuell der Diskussion um dessen zukünftige Gestaltung alles andere als gerecht wird. Ganz im Gegenteil: Als die SZ am 29. Mai über eine Infoveranstaltung der Stadt Merzig berichtete, protestierte eine Vielzahl von Bürgern ebenso einhellig wie engagiert gegen die vorgestellten Bebauungspläne dieses Platzes.


Alfred Kast und Hannah Spanier, mit denen sich die SZ damals schon über dieses Projekt unterhalten hatte, informierten jetzt vor Ort darüber, wie sich der Bürgerprotest gegen die Pläne des Rathauses weiterentwickelt hat. Schon damals hatte der erzürnte Kast dem Bürgermeister mit der Gründung einer Bürger-Initiative gedroht. Und Hannah Spanier hatte – weniger emotional, aber ebenfalls fest entschlossen – ihren Widerstand gegen die Bebauung angekündigt. Inzwischen sind Kast und Spanier Sprecher einer BI, die den Bebauungsplänen engagiert entgegentreten will.

Mit selbst produzierten Plakaten hatte Kast zur BI-Gründung am vergangenen Samstag auf den Regler-Platz eingeladen. Und siehe da: Rund 25 Bürger der Stadt fühlten sich von den städtischen Bauplänen so herausgefordert, dass sie dieser Einladung Folge leisteten. Um dieser Gründungsveranstaltung etwas mehr Struktur zu vermitteln, wählten die Besucher erst einmal Kast Sprecher der neuen BI und Spanier zu seiner Stellvertreterin. Ganz schnell waren sich alle darüber einig, dass die vorgestellten Bebauungspläne zu den Akten gelegt werden müssen. Unstrittig war auch, dass der ganze Platz mit seinen vorhandenen baulichen Schäden komplett saniert werden muss, um zumindest die vom Gesetzgeber verlangte Verkehrssicherheit wieder herzustellen.



Über diese gemeinsamen Minimalforderungen hinaus sammelte die BI dann Vorschläge und Anregungen, wie die Stadt diesen Platz anders und gleichzeitig attraktiver gestalten soll, damit er in Zukunft wieder als Wohlfühloase zu einem beliebten Treffpunkt aller Bürger und ihrer auswärtigen Besucher werden kann. Alfred Kast unterstrich gegenüber der SZ: „Dieser historische Platz ist ein Juwel der Stadt, das allerdings erst wieder zum Leuchten gebracht werden muss!“ Gleich in der Nachbarschaft finde man das Café Louis und andere Restaurants, dieser Bedarf müsse nicht auf dem Regler-Platz weiter gedeckt werden.

Hannah Spanier hatte dagegen schon Vorschläge parat, wie die Fläche attraktiver gestaltet werden könnte: „Ich könnte mir hier zum Beispiel einen Wasserspielplatz für Kinder als lebendigen Treffpunkt für die Besucher vorstellen.“ Schatten spendende Bäume schweben ihr ebenso vor wie eine reizvolle Einbeziehung des Seffersbaches in die Platzgestaltung. Aber beide waren sich darüber einig, dass in der BI zunächst einmal solche Vorschläge gesammelt werden sollen, um später mehrheitlich über die weiteren Schritte zu befinden.

Nicht zuletzt aus ihrer Enttäuschung über das von ihr so wahrgenommene Fehlverhalten der Politik heraus habe sich die junge Mutter von zwei kleinen Kindern – „ich habe nicht immer die Zeit, um die Ratssitzungen zu besuchen“ – für ihr Engagement in der BI entschieden. Von einer konstruktiven Zusammenarbeit der BI mit dem Rathaus verspreche sie sich eine deutlich verbesserte Transparenz bei den Beschluss-Beratungen im Rathaus. „Vielleicht können wir ja dazu beitragen, dass unsere Ratsvertreter in Merzig wieder ein besseres Gespür dafür entwickeln, woran uns Bürgern tatsächlich im Gemeinwohl gelegen ist.“

Vorbehaltlos pflichtet ihr dabei auch Kast bei: „Deshalb laden wir alle interessierten Bürger der Stadt jetzt an den kommenden Samstagen jeweils um 11 Uhr auf den Gustav-Regler-Platz ein, um mit uns über die optimale zukünftige Gestaltung dieses Platzes zu diskutieren und eigene Ideen mit einzubringen.“ Der Sprecher der BI könnte sich zum Beispiel schon gut vorstellen, auf dem von Grund auf sanierten Platz in Zukunft wieder Märkte oder Veranstaltungen wie Oldtimer-Treffen auszurichten.

Der Sprecher der BI und seine Stellvertreterin baten bei diesem Treffen mit der SZ aber auch darum, dass die Stadtverwaltung hier möglichst bald wieder die alte Kette auf den vorhandenen Metallpfosten anbringt, die dann wieder Autos die jetzt noch mögliche Zufahrt zu einem illegalen Parkplatz verhindern soll. Kast: „Wir wollen doch nicht jetzt schon vollendete Tatsachen schaffen!“

Der Gustav-Regler-Platz in Merzig.

Foto: Rolf Ruppenthal/ 12. Mai 2018
Der Gustav-Regler-Platz in Merzig. Foto: Rolf Ruppenthal/ 12. Mai 2018 FOTO: Ruppenthal
Der Gustav-Regler-Platz in Merzig aus der Vogelperspektive. Um seine Neugestaltung wird in der Kreisstadt intensiv gestritten.
Der Gustav-Regler-Platz in Merzig aus der Vogelperspektive. Um seine Neugestaltung wird in der Kreisstadt intensiv gestritten. FOTO: Ruppenthal