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Speerwerferin Christin Hussong vom LAZ Zweibrücken startet mit großen Zielen

Auftakt für LAZ-Speerwerferin Christin Hussong : Mit freiem Kopf in die nächsten Großereignisse

Der Terminkalender von Christin Hussong ist vollgepackt. Mit der WM in Eugene und der Heim-EM in München stehen der Speerwerferin des LAZ Zweibrücken im Sommer gleich zwei Höhepunkte bevor. Am Sonntag startet die 28-Jährige in Offenburg ohne großen Druck in die Saison.

Christin Hussong hört sich vollkommen entspannt an. Und das, obwohl die Speerwerferin des LAZ Zweibrücken – als sie den Anruf entgegen nimmt – gerade über ihrer Masterarbeit sitzt und sich zudem kurz vor dem Auftakt einer spannenden Saison mit gleich zwei Höhepunkten befindet. Der Weltmeisterschaft in Eugene/USA (15. bis 24. Juli) sowie der EM in München (15. bis 21. August). Das alles scheint Christin Hussong nicht zu stressen, für die der Startschuss in die Sommersaison an diesem Sonntag in Offenburg fällt.

Die Vorbereitung darauf sei „sehr gut“ verlaufen. „Ich bin echt zufrieden – und gesund“, betont die 28-Jährige, die am vergangenen Sonntag gerade aus ihrem zweiten Trainingslager im türkischen Belek zurückgekehrt ist. Dort habe sie mit ihrem Vater und Trainer Udo Hussong weiter an ihrem Stemmschritt gefeilt, daran, „dass alles zusammenpasst und sich gut anfühlt“.

Ein erstes Gespür dafür, was die harte Arbeit im Winter und Frühjahr gebracht hat, hat Christin Hussong in den Vorjahren immer schon im März beim Winterwurf-Cup in Portugal bekommen. Diesen hat die Herschbergerin nun allerdings ausgelassen. „Ich habe den ja meistens gemacht, um Normen schon recht früh abhaken zu können“, erklärt die LAZ-Athletin. Doch das ist dieses Mal nicht nötig gewesen. Für beide Saison-Höhepunkte ist Hussong bereits per Wildcard qualifiziert. Für die WM durch den Diamond-League-Sieg im September, für die EM als Titelverteidigerin. „Daher haben wir uns darauf fokussiert, dass das Training durchläuft und komplett auf den Sommer ausgelegt wird.“ Durch die guten Einheiten, durch die zahlreichen Würfe, die sie dort absolviert hat, habe Hussong vor dem Saisonauftakt auch so ein gutes Gefühl. „Trotzdem ist man immer gespannt, wie der erste Wettkampf läuft. Es ist einfach etwas anderes, man muss erstmal wieder reinkommen.“

Beim ersten Gradmesser in Offenburg, wo unter anderem auch Nikola Ogrodnikova (Tschechien) sowie die Olympia-Teilnehmerinnen Eda Tugsûz (Türkei) und Lina Muze (Lettland) zum Speer greifen werden, würde Hussong „natürlich am liebsten weit werfen“, sagt sie lachend und fügt an: „Klar geht jeder mit dem Ziel rein, dass der Speer weit fliegt. Aber letztendlich ist es wichtig, dass es sich gut anfühlt. Es ist wichtig, sich Sicherheit zu holen.“

In den kommenden knapp drei Wochen muss die Studentin des Gesundheitsmanagements noch den Spagat zwischen Wettkämpfen und ihrer Masterarbeit – mit dem Thema „Untersuchung der Belastung der Schulter im Speerwurf“ – vollziehen. „Das ist für mich eigentlich recht entspannend, wenn ich mal nicht an den Sport denken muss“, erklärt sie, dass sie die Saisonvorbereitung und die Arbeit bisher ganz gut unter einen Hut bekommt. „Ich bin jemand, der neben dem Sport etwas anderes zum Ablenken braucht. Und umgekehrt denke ich im Training nicht an die Masterarbeit.“ Die sie bis 31. Mai abgeben will. „Ich bin in den letzten Zügen und dann ist das Ding vor der wichtigen Phase der Sommersaison weg – das ist auch schön.“ So hat Hussong die Arbeit vor den sportlichen Großereignissen aus dem Kopf.

Aus diesem will sie auch die Erinnerung an die Olympischen Spiele von Tokio raushalten. Als Zweite der Weltjahresbestenliste angereist, musste sich die deutsche Medaillenhoffnung dort mit Rang neun begnügen. „Ich habe viel mit meiner Psychologin darüber geredet, auch letztes Jahr schon.“ Es sei eigentlich recht schnell gegangen, da einen Haken dahinter zu machen. „Sonst hätte ich nicht noch so einen Abschluss wie beim Diamond-League-Finale hinlegen können“, erklärt die LAZ-Athletin. „Natürlich denkt man immer mal wieder daran, aber nicht unbedingt negativ. Jetzt habe ich aber andere Sachen im Kopf.“

Etwa die anstehenden Welt- und Europameisterschaften. Zwei Höhepunkte in einem Jahr seien schon eine besondere Herausforderung. Auch in der Saisonplanung. „Aber da geht es allen Europäern gleich. Die, die letztendlich bei der EM in München um die Medaillen mitwerfen, werden zuvor auch bei der WM in Eugene starten. Deshalb haben wir die gleichen Voraussetzungen“, lässt sich Christin Hussong auch davon nicht aus der Ruhe bringen.

Mit ein Grund für diese Gelassenheit könnte sein, dass die 28-Jährige die Tickets für die beiden Großereignisse bereits in der Tasche hat. „Es ist vom Kopf her deutlich entspannter“, sagt sie. Nicht nur für die Athletin selbst. „Meine Mama konnte ohne Bedenken schon für die USA buchen, weil sie weiß, dass ich dabei bin“, erzählt Hussong mit einem Lachen. Auch für München haben Familie und Freunde sich schon mit Tickets ausgestattet. „Die Normen (WM: 64,00; EM: 62,50) an sich sollten aber auch kein Problem sein, wenn man ganz andere Ziele verfolgt, als einfach nur mitzufahren“, betont die ehrgeizige Sportlerin. „Dennoch wäre es gelogen, wenn ich sagen würde, es ist egal, ob ich die Normen bereits erfüllt habe. Es ist definitiv beruhigend.“

Und dass Christin Hussong das Zeug hat, nicht nach Eugene und München zu reisen, um einfach nur dabei zu sein, hat sie mit ihren konstant guten Leistungen 2021 – von dem Ausrutscher in Tokio einmal abgesehen – bereits unter Beweis gestellt. Ihre im vergangenen Jahr erzielte Bestleistung von 69,19 Metern will sie in dieser Saison „definitiv gerne wieder angreifen, einfach, um zu zeigen, dass ich es kann“, beschreibt Hussong eines ihrer Ziele für 2022. Die Gelegenheit dazu bietet sich mit Offenburg, den Halleschen Werfertagen, dem Meeting in Eisenstadt, dem Pfingstsportfest in Rehlingen, dem vereinseigenen Sky‘s-the-Limit-Meeting in Zweibrücken am 11. Juni, dem Diamond-League-Meeting in Paris und den Deutschen Meisterschaften Ende Juni in Berlin bereits vor den Welt- und Europameisterschaften reichlich.

Doch vor allem in Eugene und München hofft Hussong auf den nächsten großen Wurf auf großer internationaler Bühne. „Ich habe aber schon erlebt, wie solche Ereignisse negativ enden können“, erinnert sich die Speerwerferin nicht nur an Tokio, sondern auch an den bitteren vierten Rang bei der letzten WM in Doha 2019 zurück.

Als Titelverteidigerin kennt die amtierende Europameisterin, die 2018 vor heimischem Publikum mit 67,90 Metern Gold gewann, allerdings auch das Gefühl des Erfolgserlebnisses. „Ich weiß, wie schön man eine Medaille feiern kann, wie gut das tut“, erinnert sich Christin Hussong nur zu gerne an den 10. August 2018 im Berliner Olympiastadion zurück. Vier Jahre später könnte sie erneut in Deutschland, dieses Mal in München, ihren Titel verteidigen. Würde die LAZ-Speerwerferin mitnehmen, betont aber: „Wenn ich von beiden Großereignissen mit einer Medaille heimfahren würde, wäre es eine sehr, sehr tolle Saison.“