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Jetzt geht es an den Umbau
Stadtwerke-Chef strahlt Gelassenheit aus

Das Alte Wasserwerk am Völklinger Simschel liegt derzeit im Dornröschenschlaf.
Das Alte Wasserwerk am Völklinger Simschel liegt derzeit im Dornröschenschlaf. FOTO: BeckerBredel
Völklingen. Fürs Parkhotel gibt es nun zumindest eine Zwischenlösung. Mit dem Alten Wasserwerk am Simschel steht noch eine Problem-Immobilie an: ein Gespräch mit dem Chef der Völklinger Stadtwerke, Michael Böddeker. Von Doris Döpke

„Sie wollen bestimmt wissen, was wir so tun den ganzen Tag“, sagt Michael Böddeker beim jüngsten Gespräch und fügt mit breitem Grinsen ein paar Jux-Beschreibungen hinzu: Kaffee trinken, wichtiges Gesicht machen – der  Völklinger Stadtwerke-Chef ist in entspannter Stimmung, seit es Ende 2017 gelungen ist, den kommunalen Konzern per Umschuldung vom Sanierungsfall wieder zum normalen, wenn auch mit Schulden belasteten Betrieb zu verwandeln (wir berichteten).


Böddeker hat noch einen zweiten Grund zur Entspannung: Das Völklinger Parkhotel, Eigentum der Stadtwerke, ist nach einigen Monaten Leerstand seit dem Sommer wieder geöffnet. Einen seriösen neuen Betreiber zu finden, sei sehr wichtig gewesen, sagt er, eine längere Pause hätte dem Ruf des Hauses geschadet. Und auch den Stadtwerken selbst. Die Firma Treugast, der neue Pächter, sei mittlerweile schon recht zufrieden. Die Hotel-Auslastung sei gut. Auch die Restaurant-Angebote – mit schrittweisem Start, den der Betreiber ganz bewusst gewählt hatte – kämen an. Und das Team, das sich neu finden musste, „hat sich gut eingespielt“, ergänzt Öffentlichkeitsarbeiterin Vera Spreuer. „So langsam füllt sich auch das Auftragsbuch“, sagt Böddeker – Buchungen für Veranstaltungen und Privat-Feste hatten in der Ära Albrecht einen großen Teil des Gastronomie-Geschäfts ausgemacht. Geplant sei nun, das Parkhotel auf Tourismus-Messen zu präsentieren.

Der Vertrag mit Treugast läuft freilich nur zwei Jahre. Und dann? „Wir beschäftigen uns immer noch mit der Veräußerung des Objekts“, sagt Böddeker. Andererseits: Werde aus der kurzen Pacht-Frist eine auf längere Sicht („zehn Jahre“), zu angemessenem Preis, sei auch das den Stadtwerken recht. Mit der Pächter-Firma habe man über beides noch nicht gesprochen, das Thema stehe wohl erst nächstes Jahr an.



Ähnlich gelassen geht er mit einem zweiten Immobilien-Leerstand um: dem Alten Wasserwerk Simschel. „Wir haben es einer interessierten Partei gezeigt“, sagt er, aber Konkretes sei nicht in Sicht. Man werde wohl auch mit Treugast mal drüber reden, im Herbst, die aktuelle Saison sei eh gelaufen. In der Stadt gebe es die Erwartung, dass da wieder etwas komme. Zu Recht, findet er; aber das müsse dann, wie beim Parkhotel, „etwas Vernünftiges“ sein: „Wir geben es nicht jedem.“ Auf keinen Fall will er zurück zu der alten Variante, in der die Stadtwerke sich selbst um den Betrieb kümmerten: „Es macht keinen Sinn, das mit eigenen Mitarbeitern zu bedienen“, Gastronomie gehöre schlicht nicht zu den Aufgaben eines kommunalen Energieversorgers.

Ansonsten gebe es weiter Dinge zu bearbeiten, die in der Vergangenheit brach gelegen hätten. Vor allem bei zwei zentralen Themen: Prozesse und Personal. Prozesse, was heißt das? Man müsse sich beispielsweise anschauen, wie der Einkauf laufe, erklärt Böddeker. Bisher habe jede Stadtwerke-Gesellschaft ihr eigenes Verfahren; da müsse Vereinfachung her. Zu kompliziert, zu wenig übersichtlich sei auch die Infrastruktur bei der IT: „Wir müssen in der Endausbaustufe einen möglichst hohen Automatisierungsgrad haben“, von der Zählerablesung bis zur Rechnungserstellung.

Um Personal einzusparen? Böddeker antwortet nicht direkt. Entscheidend, sagt er, sei nicht die Zahl der Mitarbeiter. Sondern die Frage: „Welches Personal brauchen wir in Zukunft?“ 20 bis 25 Prozent der Mitarbeiter werden in den kommenden drei, vier Jahren aus Altersgründen ausscheiden, und es gehe mit Blick auf die Zukunft darum, Qualifikationsprofile zu verändern. Man werde künftig mehr Macher-Jobs und Handwerkliches nach außen vergeben, sich hausintern stärker auf IT- und Steuerungs-Aufgaben konzentrieren. Dafür die passenden Leute zu finden, sei gar nicht so leicht. Selber ausbilden? „Fragt sich, ob die Stadtwerke das können in neuen Berufen“, sagt Böddeker. So oder so müsse das Unternehmen attraktiv sein für junge Leute, „die ticken anders“: ohne Hierarchiedenken, dafür mit Wünschen nach Flexibilität von Arbeitszeiten und -orten – was auch ein Thema sei mit dem Betriebsrat.

Bei der Frage „Welches Personal brauchen wir?“ ist Böddeker jedenfalls nicht entspannt: Ein Konzept dafür soll noch in diesem Jahr stehen.

Stadtwerke-Geschäftsführer Michael Böddeker.
Stadtwerke-Geschäftsführer Michael Böddeker. FOTO: BeckerBredel