Senioren fordern besseres Benehmen

Im Ältestenrat der SZ sitzen Senioren, die die Redaktion regelmäßig bei Themen beraten. Dieses Mal waren die Teilnehmer im Landtag und haben von ihren Eindrücken erzählt. Aufgefallen sind ihnen die Manieren der Politiker – leider negativ.

Diese kritische Randnotiz musste einem Gremium von älteren Herrschaften, die Wert auf Manieren legen, erlaubt sein: Wenn im saarländischen Landtag gesprochen wird, dann sollte man dem Redner Respekt entgegenbringen, anstatt sich mit Nebentätigkeiten wie Herumgehen, Unterhalten oder Computergucken zu befassen. Gewiss, auch dem SZ-Ältestenrat war bekannt, dass die politische Willensbildung eines Arbeitsparlamentes vor allem in Ausschüssen und in Informationsrunden mit Interessengruppen zuhause ist und dass eine Plenarsitzung deshalb nicht die große Bedeutung hat wie in Redeparlamenten (England) - dennoch: Ein wenig mehr Ordnung wäre vielleicht nicht verkehrt, so die Mehrheitsmeinung.

Landtagspräsident Klaus Meiser (CDU ) versprach, die Anregung weiterzugeben, schließlich sei der Landtag bemüht, nicht nur über Parteigrenzen hinweg einen ordentlichen Umgang zu pflegen, sondern auch in der Öffentlichkeit ein gutes Bild abzugeben. Das tat er denn auch beim außergewöhnlich freundlichen Empfang für den SZ-Ältestenrat.

Der Vorsitzende Axel Egler, früher in Diensten des Innenministeriums, hatte es - typisch saarländisch - nicht so ganz schwer gehabt, beim vertrauten Klaus Meiser einen Termin zu vereinbaren. Die meisten Mitglieder waren schon einmal als Besucher oder in ihrem beruflichen Leben in dem "Hohen Haus" gewesen, manche betraten aber auch Neuland.

Präsident Meiser persönlich empfing die Gruppe und beantwortete eine Fülle von Fragen zu Personalausstattung (etwa 100 Mitarbeiter in der Verwaltung), Altersdurchschnitt ("wir sind ein sehr junges Parlament") oder warum Reden in Zeiten erstklassiger Aufnahmetechnik immer noch von Stenographen aufgeschrieben werden: "Sicher ist sicher", lautete die Antwort. Klaus Meiser stimmte - es lief gerade die Diskussion über das Für und Wider kostenloser Kindergartenplätze - der Ansicht zu, dass man die Wähler nicht mit nicht finanzierbaren "Geschenken" ködern sollte. Es sei erfolgversprechender, ehrliche Ziele zu vermitteln. Die Aufgabe des Präsidenten bei Sitzungen? Meiser: "Die Debatten laufen lassen und Ordnung und Disziplin wahren."

Zum Thema:

Auf einen Blick Im Ältestenrat, dem Senioren-Sprachrohr und Beratergremium der Lokalredaktion Saarbrücken der Saarbrücker Zeitung, waren im saarländischen Landtag zu Gast: Heribert Bernardy, Ruth Budich, Heide Dannemann, Axel Egler (Vorsitz), Günther Ersfeld, Anna-Luise Hossfeld-Umlauf, Rüdiger Kaldewey, Ulla Karch, Prof. Dr. Werner Kirsch, Carola Kleinbauer, Karin Nehl, Hildegard Redicker und Inge Schwarz. wp