Zwei Stühle, viele Klischees

Unvermittelt betritt Titania den Raum. Zwei Bürostühle stehen in der Mitte um einen kleinen Tisch herum. Die durchweg kalte Atmosphäre eines Fernsehstudios. Die Kulisse für das Schauspiel "Lampedusa" von Henning Mankell . Premiere war am Samstagabend unter der Regie von Dieter Desgranges im Theater im Viertel.

Unsicher schweift der Blick der Muslimin Titania umher, bis auch Anna dazukommt. Anna ist genau das Gegenteil, sie ist eine schwedische Moderatorin, oberflächlich gekleidet, stark geschminkt und affektiert. Für ihre Talkshow hat sie Titania ausgewählt, sie fällt aus dem Raster: Eine Muslimin mit sambischen Wurzeln, Computerexpertin in Schweden. Die Handlung spielt unmittelbar vor der eigentlichen Fernsehshow. Von Anfang an liegt Spannung in dem kleinen Studio, in dem die unterschiedlichen Kulturen aufeinander treffen. Streit und Missverständnisse vorprogrammiert.

Kein Leichtes für Eveline Sebaa, sich in die unsympathische, aufgesetzte, dennoch wenig selbstbewusste Moderatorin hineinzuversetzen, und so ihrer Schauspielkollegin Verena Ayere (Titania) gegenüberzutreten. Der kalte Blick und die lauten Schritte in den hohen Stöckelschuhen, das nimmt man der Schauspielerin ab. Die Konfrontation und Antipathie gegenüber Titania wünscht man sich hingegen zeitweise etwas deutlicher. Das Stück ist eine spannungsgeladene, interessante Diskussion über Werte, Religion, Tradition und Kultur. Der Meteorologen Anders Persson (Bob Ziegenbalg) lockert auf humorvolle und sympathische Art die Auseinandersetzung auf und sorgt für ein raffiniertes und unerwartetes Ende.

Nächste Aufführung am Samstag 24. September, 19:30 Uhr und vom 19.-23. September für Schulklassen.