Nicht jeder fand die Comedy-Einlagen des Teenagers witzig

"Ich hoffe, Sie erwarten heute Abend nicht zu viel, denn ich bin nicht vorbereitet", eröffnet Marius Ebrahimi-Fries die Premiere seines Comedy-Programms "minderjährig" im Jules Verne in der Mainzer Straße.

Der Grund für das Auftreten ist schnell gefunden: Marius Freeze, wie er sich nennt, verkörpert "jugendliche Naivität in Reinform". Nach einer vierjährigen "Selbstfindungsphase" ist der junge Comedian als Solokünstler zurückgekehrt. Am Klavier unterhält er seine Gäste mit Liedern zwischen Chanson und Pop, die vom Leben eines Teenagers im Widerstreit mit seiner Umwelt handeln. "Wer hat gesagt, dass wir in der Welt, in der wir leben, überhaupt so leben wollen?", fragt er in einem Song. Bei Marius Freeze bekommen alle ihr Fett weg: Medien, Politiker, Jugendliche und der deutsche Spießbürger. Während die Songs das Publikum begeistern, sorgen die Einlagen dazwischen für gemischte Reaktionen, die einige ältere Gäste sogar zum kopfschüttelnden Verlassen der Veranstaltung bewegen. Etwa, wenn Freeze mit breitem Grinsen einen Mann mit Hornbrille als "Ottonormalverbraucher" identifiziert. An dessen Meinung über das Programm sei er ganz besonders interessiert, so der Jugendliche mit ironischem Unterton. Dabei kommt es ihm durchaus zugute, dass das Publikum weniger alternativ ist als die Gesellschaftsutopien, die sich in seinen Liedern ausdrücken. Denn so treffen seine pubertären Provokationen wie das an die Wand projizierte Ausdrücken eines Pickels stets ins Schwarze und sorgen für ein polarisierendes Spiel an der Grenze zwischen politischem Kabarett und Klamauk. Erwachsenwerden ist vorerst nicht erwünscht.