Blitzer macht die Brummis leiser

Seit einem halben Jahr ist für die Menschen an der Fechinger Heringsmühle nichts mehr, wie es war. Nicht nur dort stellt die Brückensperrung alles auf den Kopf. Jetzt gibt es erste Lichtblicke. Doch den Betroffenen steckt zu viel in den Knochen, um richtig aufatmen zu können.

An der Heringsmühle hebt jemand den Hörer ab. Doch wo bleibt der Lkw-Donner, der das ganze Haus zu schütteln scheint? Es ist ungewöhnlich still. Vorsichtig, als könne sie dem noch nicht recht trauen, sagt Carmen Kuntz: "Es ist schon ruhiger geworden."

Seit Gründonnerstag stellt die Sperrung der Fechinger Talbrücke das Leben der Familie Kuntz und all der anderen entlang des Nadelöhrs auf den Kopf. Die Zahl der Brummis, die sich hindurchzwängen, geht in die Zehntausende.

Carmen Kuntz und ihr Mann bauten sogar ihre Terrasse um. Zumindest stundenweise legen sie ihr Haus wie eine Barriere zwischen sich und den Lärm. Bald wird es dafür zu kalt sein. Aber nun, nach all den Stresswochen, tauchen erste Lichtblicke auf. Die Tempo-Messanlage hat sich rumgesprochen. Kuntz sagt, die Zahl der Lastwagen sei zwar unter der Woche unverändert. "Seit der Blitzer steht, fahren einige schon langsamer. Lkws, die hier durchbrettern, gibt es weiterhin." Auch nachts. Ob die vom Wirtschaftsministerium angekündigte Komplettfreigabe der Talbrücke ab Ende Oktober den Lkw-Verkehr vorm Haus ausdünnt? Da will Kuntz sich nicht zu früh freuen. Schon wegen der Maut-Ersparnis.

Die Knall auf Fall verhängte Brückensperrung hat auch die Stadtverwaltung gefordert. Eine Arbeitsgruppe fand rasch heraus, wo und wie die Sperrung sich auswirkt und was die Stadt tun kann. Bürgerreferentin Jutta Mehler: "Erst mal haben wir Baustellen auf den Umleitungsstrecken aufgehoben oder aufgeschoben." Beispielsweise in Scheidt und in der Dudweilerstraße. Das größte vertagte Vorhaben betrifft Fechingen. An der Abzweigung Heringsmühle/Provinzialstraße sollte ein Kreisverkehr entstehen. Vorarbeiten waren im Gange, als die Brückensperrung alle Kreiselpläne kippte. Jetzt soll der Bau im Frühjahr 2017 beginnen.

Was die Menschen An der Heringsmühle mitmachen, war den Mitarbeitern der Stadt von vornherein klar. "Wir ordneten zum Lärmschutz ganztägig eine Geschwindigkeitsbeschränkung von 30 km/h an. Zuvor war die Geschwindigkeit nur zwischen 22 Uhr und 6 Uhr auf 30 km/h begrenzt", sagt Mehler. Bis die Blitzersäule stand, baute die städtische Verkehrskontrolle täglich mehrmals ihre Messanlage auf.

In der Camphauser Straße fiel die Linksabbiegespur weg, damit der Verkehr zweispurig bis zum Ludwigsbergkreisel floss. Auf der Bühler Straße von Güdingen entfiel zwischen "Am Zementwerk" und der Theodor-Heuss-Straße das Durchfahrtverbot für Lkw, auf dass Brummis besser das Gewerbegebiet Brebach erreichen. Um den Lärm zu senken, begrenzte die Stadt in der Scheidter Kaiserstraße die Geschwindigkeit auf 30 km/h, bis die Fechinger Talbrücke zumindest für den Pkw-Verkehr wieder frei war. Zurück zur L 108: Ihr setzen die vielen umgeleiteten Lastwagen schwer zu. Auf den Reparaturkosten will die Stadt nicht sitzenbleiben. Aber noch steht nicht fest, wie hoch sie sind. Jutta Mehler sagt, die Stadt stelle die Kosten zusammen und verhandle mit dem Land, sobald die L 108 nach der Freigabe der Brücke auch für Lkws nicht mehr als Umleitung benötigt wird.

Auf der Stadtautobahn sind die neuen Routen für den Schwerlastverkehr zumindest gefühlt von Vorteil. Viele Staden-Anwohner und Spaziergänger haben den Eindruck, dass die Lastwagenmenge zurückgegangen ist. In Zahlen lässt sich das allerdings nicht fassen. Jutta Mehler erklärt, warum: Um die Autobahnen kümmere sich der Landesbetrieb für Straßenbau. Der habe allerdings nicht untersucht, wie viele Lkws auf der Stadtautobahn fahren. "Insofern kann nicht belegt werden, dass es auf der A 620 weniger Lkw-Verkehr gegeben hat. Allerdings wurde festgestellt, dass sich der Lkw-Verkehr unmittelbar hinter dem Autobahndreieck Saarbrücken fast um die Hälfte verringert hat und es andererseits auf der A 8 und der A 623 mehr Lkw-Verkehr gab. Das lässt den Rückschluss zu, dass es auch auf der Stadtautobahn, insbesondere bis zur Westspange, weniger Lkw-Verkehr gab."

Wo und wie viele Lastwagen künftig durch die Stadt fahren, soll der Verkehrsentwicklungsplan regeln. Wenn Lastwagen zu sehr stören, kommen Mehler zufolge Tempolimits und der Umbau von Straßen infrage. Was sich im Einzelnen machen lässt, untersuche die Stadt, sobald der VEP in die sogenannte Umsetzungsphase geht. So weit in die Zukunft müssen die Menschen an der Heringsmühle zumindest bei einer wirksamen Raserbremse nicht blicken. Die Blitzersäule bleibt dort erst mal stehen.