Im Viertel auf der Schwelle der lichtreichsten Träume

Große traurige Augen in einem versteinert wirkenden Antlitz blicken von der Leinwand im Kino Achteinhalb . Wollte die Videokünstlerin Marie Klein der Wehmut ums verlorene Paradies ein Gesicht geben? Bei der Performance "Schwelle der lichtreichsten Träume" stand am Samstag der Dichter Adelbert von Chamisso (1781 bis 1838) als Forscher und Weltreisender im Blickpunkt.

Höchst ungewöhnlich für seine Zeit: Aus Chamissos Notizen zur Entdeckungsreise von 1815 sprechen mitfühlendes Verständnis und tiefe Sympathien für die Eingeborenen der Südsee. Deutlich fällt seine Kritik an den gewinnsüchtigen und eroberungswütigen Europäern aus. Ralf Peter (Gesamtkonzeption) las in sehr persönlicher Weise aus Chamissos Abhandlungen und Lyrik: meist mit gehobener Stimme, beinahe singend, schuf er eine Atmosphäre der Spannung. Andersherum stellte Peter bei seinem nicht minder eigenwilligen Gesang den Text ganz obenan: Beim Beethoven-Liederkreis "An die ferne Geliebte" war jedes Wort glasklar zu verstehen. Einfühlsam begleitete Jakob Raab; bei solistischen Beiträgen freilich zog das bescheidene Kinoklavier allzu enge klangliche Grenzen. Packender Höhepunkt des Abends: Unter Krischan Kriestens Saal-Illumination zu elektronischer Musik Sonja Hetheiers wuchs das Lichtspielhaus kurzzeitig zum Lichtpalast.