„Keine Gläubigen zweiter Klasse“

Zweieinhalb Jahre haben 280 Synodale in Trier über die Kirche der Zukunft diskutiert. Die saarländische Landtagsabgeordnete Dagmar Heib (CDU) leitete die Sachkommission „Familien in all ihrer Vielfalt in Kirche und Gesellschaft und Geschlechtergerechtigkeit“, die auch über den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und homosexuellen Paare beraten hat. Mit SZ-Redakteurin Ute Klockner sprach sie über die Ergebnisse und was sie sich bei der Umsetzung der Beschlüsse erhofft.

Wie bewerten Sie die Ergebnisse der Synode? Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?

Heib: Ich bin vom Ergebnis überzeugt, auch wenn man sich persönlich an der einen oder anderen Stelle mehr gewünscht hätte. Die Synode war von Anfang an eine offene Geschichte, auch der Bischof wusste nicht, wie das Wagnis endet. Ich hatte die Erwartung, dass sich Kirche klar zu Familien und den Menschen und ihren Lebensrealitäten bekennt. Das ist geschehen. Es kommt deutlich heraus, dass ein Perspektivwechsel stattfindet und jetzt vom einzelnen Menschen her gedacht wird. Er wird so angenommen, wie er ist und die Kirche sagt nicht, wie er sein muss.

Ihre Sachkommission hat mit den Themen wiederverheiratete Geschiedene und gleichgeschlechtliche Paare besonders heiße Eisen angepackt.

Heib: Diese Themen brennen den Menschen im Bistum unter den Nägeln, das haben auch die Rückmeldungen vor der Eröffnung gezeigt. Daher hat die Synode in ihrer zweiten Vollversammlung die Sachkommission eingerichtet. Und das, obwohl der Bischof zuerst gesagt hatte, dass ihn hier die Synode ihn nicht beraten könne, da nicht ins Kirchenrecht eingegriffen werden könne.

Gab es da bei einigen Synodalen Vorbehalte?

Heib: Die Frage des Entgegenkommens auf wiederverheiratete Geschiedene war nicht umstritten. Viele Geistliche erleben diesen Zwiespalt und die Not dieser Menschen. Das Thema der gleichgeschlechtlich orientierten Paare war nicht so einfach in der Diskussion. Ein Geistlicher sagte etwa, unsere Empfehlungen seien ihm fremd, aber er habe keine Angst davor. Auch diejenigen, die mit dem Thema Vorbehalte hatten, konnten zum Großteil für den gemeinsamen Weg gewonnen werden.

Im Schlussdokument heißt es nun, dass eine Handreichung mit Ritualen und Gebeten für den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen ausgearbeitet werden soll. Im Umgang mit Homosexuellen soll ein seelsorgerisches und liturgisches Angebot entwickelt werden. Gibt es da schon konkrete Vorstellungen?

Heib: Es gibt eine solche Handreichung bereits in den Bistümern Straßburg, Luxemburg, Innsbruck und Freiburg. Dazu könnten dann spezielle Seminare der Familienseelsorge, Gottesdienste zum "Loslassen und Freigeben", Gespräche mit dem Seelsorger kommen. Wenn der Seelsorger den Eindruck habe, dass man im christlichen Sinne gemeinsam auf dem Weg sei, wäre dann auch, unterhalb des Trauungsritus, eine Segensfeier auch in einer Kirche möglich. Daran wird sich die Steuerungsgruppe orientieren. Ich hoffe aber, dass gleichgeschlechtlich orientierte Gläubige und wiederverheiratete Geschiedene sehen, dass uns ihre Anliegen wichtig sind und sie keine Gläubigen zweiter Klasse sind. Das zeigt auch der von der Synode entwickelte erweiterte Familienbegriff: Hier werden explizit auch gleichgeschlechtliche Familien und Patchwork-Familien gleichberechtigt erwähnt.

Auch Geschlechtergerechtigkeit war Thema Ihrer Sachkommission. Doch Priesterinnen- und Diakoninnenweihe oder das Zölibat können nicht von der Trierer Synode beantwortet werden. . .

Heib: Das stimmt. Das werden wir über das Bistum hinweg weiter diskutieren müssen. Da werde ich in meiner Funktion im Vorstand des Familienbunds der Katholiken im Bistum Trier die Diskussion unterstützen. Aber die Synode hat klar gemacht: Sie will auch Geschlechtergerechtigkeit etwa bei der Besetzung von Gremien. Eine verbindliche Frauenquote hat sie jedoch abgelehnt. Es gäbe genug Frauen, die hier Verantwortung übernehmen wollen.

Auf Gläubige kommen Veränderungen zu, etwa beim Zuschnitt der geplanten Großpfarreien. Wie kann es gelingen, die Menschen mitzunehmen?

Heib: Das ist eine große Herausforderung, denn die Negativerwartung ist da. Viele haben schlechte Erfahrungen mit großen Pfarreien-Verbünden gemacht. Wir Synodale müssen hier Kommunikationsarbeit leisten und erklären, dass weitere Räume nicht unbedingt weniger Nähe bedeuten. Aber Kirche in ihrer heutigen Form kann künftig nicht mehr alle Angebote flächendeckend vorhalten.