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Informieren für eine bessere Welt

Saarbrücken. Sie wollen eine andere Welt. Eine sozial gerechtere und demokratischere. Und sie setzen sich ein für eine Welt, die den Menschen an erste Stelle setzt Von SZ-Mitarbeiter Benjamin Rannenberg

Saarbrücken. Sie wollen eine andere Welt. Eine sozial gerechtere und demokratischere. Und sie setzen sich ein für eine Welt, die den Menschen an erste Stelle setzt. Das Netzwerk Attac ("Association pour une taxation des transactions financières pour l'aide aux citoyens", deutsch: "Vereinigung zur Besteuerung von Finanztransaktionen zum Wohl der Bürger") ist nach eigenen Angaben in 50 Ländern mit insgesamt 90 000 Mitgliedern aktiv. Unter anderem in Japan, in Burkina Faso, in Venezuela und in Deutschland mit etwa 20 000 Attacies, wie sich die Attac-Aktiven nennen.



Attac Saar ist eine der mitgliederstärksten Regionalgruppen in Deutschland. "Im Großen und Ganzen versteht sich Attac Saar als eine große Bildungsinstitution", sagt Attac-Mitglied Marie-Louise Innocent. Schulen und selbstverwaltete Jugendzentren im Land würden etwa anfragen, ob Attac Saar Seminare halten könne. "Bestimmte Gruppen wissen, hier bei uns finden sie Informationen", ergänzt der Attac Saar-Pressesprecher, Thomas Schulz. Vergangenes Jahr kam die Anfrage vom Verein Netzwerk Entwicklungspolitik im Saarland, ob Attac Saar anlässlich der entwicklungspolitischen Bildungstage Schüler im Alter zwischen 15 und 20 Jahre informieren könnte. Attac Saar nahm das Angebot an und organisiert noch bis September saarlandweit an Schulen Projekttage. Themen waren beispielsweise die Problematik des alternativen Kraftstoffes "Biodiesel" für die ärmeren Schwellen- und Entwicklungsländer sowie ein Seminar zur Informationsfreiheit im Internet. "Wir wollen nichts verkaufen, wir wollen niemanden missionieren, sondern wir stellen politische Probleme dar", bringt Innocent eines der Ziele von Attac Saar auf den Punkt.

Neben der Aufklärungs- und Bildungsarbeit ruft Attac Saar zu politischen Aktionen auf und lädt zu Diskussionsforen ein - sei es zur europäischen Gewerkschafts-Demonstration in Brüssel oder zu lokalen Diskussionsveranstaltungen, wie etwa jüngst mit dem bolivianischen Botschafter in Saarbrücken. Schwerpunktthemen von Attac Saar sind globale Probleme, die sich auch in Europa abzeichnen. Die geplante Privatisierung von Wasser im großen Stil in der Türkei beschäftigt die Attacies ebenso wie die Auflösung von Steuerparadiesen, aber auch ungerechte Wirtschaftsabkommen zwischen der EU und afrikanischen Staaten. "Wir legen mehr Wert auf Inhalte, nicht darauf, dass unser Name irgendwo steht", betont Schulz.

Jeden ersten Donnerstag im Monat treffen sich Attacies und Nicht-Mitglieder im Haus der Umwelt in Saarbrücken - zum "Jour fixe", einem Forum, das jedem offen steht. Das gemeinsame Lesen von Büchern stehe im Vordergrund, sagt Innocent. Derzeit: "Solidarische Ökonomie", mit herausgegeben von Attac-Promi Sven Gigold.

Übrigens hat Attac Saar auch in den eigenen Reihen Prominenz: der Chef der Linken Oskar Lafontaine und den früheren Bundesminister Heiner Geißler (CDU). Allerdings gehörten sie nicht zum aktiven Kreis der Saar-Attacies, so Schulz.

Auf einEN BLICK

Attac Saar gehört nach eigenen Angaben zu den mitgliederstärksten Regionalgruppen Deutschlands. Das Netzwerk hat derzeit saarlandweit 300 Mitglieder. Über 500 Interessierte und Mitglieder seien in den Mailinglisten verzeichnet. Attac Saar ist Mitglied im Sozialforum Saarland, Bündnis Agrokraftstoffe, biem saarländischen Sozialgipfel, Flüchtlingsrat Saarland, im Zukunftsbündnis Wasser und in der Menschenrechtskoordination Kolumbien. bera