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Saarbrücken tut was für mehr Toleranz

Saarbrücken. Ausgegrenzt, angemacht, verachtet: Die Diskriminierung von Menschen wegen ihres Geschlechts, ihrer Hautfarbe, ihrer Sprache, ihres Aussehens oder wegen ihrer körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit macht den Opfern das Leben zur Hölle Von SZ-Mitarbeiter Patric Cordier

Saarbrücken. Ausgegrenzt, angemacht, verachtet: Die Diskriminierung von Menschen wegen ihres Geschlechts, ihrer Hautfarbe, ihrer Sprache, ihres Aussehens oder wegen ihrer körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit macht den Opfern das Leben zur Hölle. Das jetzt in Saarbrücken vorgestellte Projekt "(Er)wachsen in Vielfalt!" soll jungen Leuten zeigen, wie sie mit Menschen umgehen, die - in welcher Form auch immer - anders sind. "Diskriminierungsfreien Umgang mit der Unterschiedlichkeit in vielen Lebensbereichen" nennen jene Fachleute das. Sie stellten das dreijährige Projekt auf die Beine. Geld dafür gibt es vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und vom Europäischen Sozialfonds. Entworfen hat das Ganze das Berufsfortbildungswerk (bfw). Es arbeitet mit dem Jugendamt des Regionalverbandes, der Arge Saarbrücken und der KiTa gGmbH Saarland des Bistums Trier zusammen. "Wir wollen konkret vor Ort helfen", sagt Projektleiterin Karin Meißner. Das heiße, man wolle jungen Leuten bei der Suche nach Antworten auf folgende Fragen helfen: "Wo muss ich tolerant sein? Wo muss ich andere Lebensgewohnheiten akzeptieren? Wo muss ich Grenzen setzen?" Meißner weiter: "Zum anderen ist uns die öffentliche Darstellung und Vernetzung wichtig, Ziel ist der Aufbau einer Internetplattform zum Themenkreis." Die Kooperationspartner wollen mit "(Er)wachsen in Vielfalt!" viele erreichen: den Knirps im Kindergarten, den Jugendlichen, die Familie, den Arbeitnehmer, den Arbeitslosen. Dass Arbeit gegen Diskriminierung Not tut, bestätigen Experten. "Wir wissen, dass es in unseren Jugendämtern sichtbare und unsichtbare Barrieren gibt", bestätigt Uschi Biedenkopf vom Jugendamt des Regionalverbands, "seien es schlechte Erfahrungen mit Behörden, Angst, die Sprache oder auch räumliche Barrieren." Das Projekt soll solche Barrieren abbauen helfen. Nicht nur in den Jugendämtern. "Wir wollen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für das Thema sensibilisieren", sagt Thomas Schmitz, Geschäftsführer der KiTa gGmbH. In ihren 116 Einrichtungen betreuen 160 Beschäftigte rund 10 000 Kinder. Schmitz: "Viele unserer Einrichtungen sind in sozialen Brennpunkten. Alle gesellschaftlichen Probleme werden im Brennglas Kindergarten abgebildet." Viele Schulungen des Personals sind vorgesehen. "Wir können sicher nicht alle erreichen", ist Karin Meißner klar, "wir setzen auf Piloteinrichtungen und Multiplikatoren." Denn Projektleiterin Meißner und ihre drei Kolleginnen wollen, dass das Projekt lange nachwirkt und tief greifende Veränderungen bewirkt. Dabei gehe es eben nicht, wie in der Antidiskriminierungsarbeit von Unternehmen, um Profit. "Wir wollen an die Mechanismen und die grundlegenden Prozesse. Wir wollen Konzepte und Handlungsstrategien mit unseren Partnern umsetzen." Damit Menschen anders sein können, ohne ausgegrenzt zu werden.