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Für das Wunschgewicht unters Messer

Rund 7000 Euro kostet der Eingriff. Die Kassen zahlen nur, wenn alle anderen Abnehm-Methoden versagen.
Rund 7000 Euro kostet der Eingriff. Die Kassen zahlen nur, wenn alle anderen Abnehm-Methoden versagen. FOTO: Grubitzsch/dpa
Saarbrücken. Die Zahl der Magenverkleinerungen im Saarland hat zugenommen – nicht immer sind die OPs medizinisch notwendig. Einige Krankenkassen vermuten, dass die Kliniken den Eingriff des Geldes wegen vornehmen. Die sehen hingegen einen anderen Grund für den Anstieg. Johannes Schleuning

Immer mehr Saarländer lassen sich in einer aufwendigen Operation den Magen verkleinern. Zwar ist bekannt, dass (laut Ärztezeitung vom März 2016) mehr als 60 Prozent der Saarländer übergewichtig sind - und damit deutlich mehr als im Bundesdurchschnitt. Entsprechend überdurchschnittlich dürfte hierzulande auch der Anteil der krankhaft Übergewichtigen (Adipositas) sein. Doch der im Vergleich dazu überproportionale Zuwachs von Magenverkleinerungs-OPs dürfte sich damit allein kaum erklären lassen. Vielmehr äußern Krankenkassen den Verdacht, dass Magenverkleinerungen auch ein Trend sind, der das Abnehmen schlicht vereinfachen soll.



Bundesweit hat sich die Zahl der chirurgischen Eingriffe zur Magenverkleinerung zwischen den Jahren 2006 und 2014 versechsfacht. Das geht aus dem kürzlich veröffentlichten Krankenhausreport der Barmer Krankenversicherung hervor. Nach Angaben des Verbands der Ersatzkassen (Vdek), der rund 40 Prozent der saarländischen Versicherten vertritt, "ist davon auszugehen, dass sich dieser Anstieg so auch im Saarland niederschlägt". Einen entsprechenden Anstieg und "Trend" hierzulande bestätigt auch die AOK , die rund ein Fünftel der saarländischen Krankenversicherten betreut.

Als Grund für den Anstieg gibt die für das Saarland und Rheinland-Pfalz zuständige AOK-Geschäftsstelle an: "Die Magenband-OP, die ausschließlich aus medizinischen Gründen durchgeführt werden sollte, wird durch die Medien - insbesondere Fernsehen und Internet - zunehmend als Mittel dargestellt, ohne Diäten schlanker zu werden, also als kosmetische OP." Eine Suchanfrage im Internet führe "direkt zu Anzeigen und Chat rooms mit Überschriften wie ,Traumfigur ohne Diäten', ,ohne drastische Diäten, ohne Sport'", so ein AOK-Sprecher. Axel Mittelbach vom Vdek Saar fügt hinzu: "Man muss aufpassen, dass die Krankenhäuser diese OPs nicht als lukrative Einnahmequelle betrachten und ohne Not solche Eingriffe vornehmen."

Derartige Verdächtigungen, wie sie bundesweit schon mehrfach von Kassen geäußert wurden, wollen die Krankenhäuser im Saarland nicht auf sich sitzen lassen. "Den Vorwurf, dass Kliniken mit der Magenverkleinerungs-OP nur Kasse machen wollten, muss ich entschieden zurückweisen", so Thomas Jakobs, Geschäftsführer der Saarländischen Krankenhausgesellschaft. Gleichwohl bestätigt auch Jakobs, dass die Zahl der Magenverkleinerungen im Saarland deutlich zugenommen hat. Er begründet dies mit einer Zunahme adipöser, also krankhaft übergewichtiger, Menschen hierzulande sowie mit einem zunehmenden "Diät-Wahn".

Zwar wird eine rund 7000 Euro teure Magenverkleinerungs-OP von den Krankenkassen nur dann voll finanziert, wenn dies bei stark adipösen Menschen nachweislich die einzige Alternative zu anderen Therapien und Verhaltensweisen ist. Überprüft wird dies vom Medizinischen Dienst. Doch OPs abseits des medizinisch Notwendigen sind dennoch möglich - vorausgesetzt, man hat das Geld dazu. Nach Angaben der Saarländischen Krankenhausgesellschaft nehmen heute 13 der insgesamt 22 Kliniken im Land Magenverkleinerungen vor. Das sind deutlich mehr Häuser als noch vor zehn Jahren.

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Hintergrund Bei einer Magenverkleinerung - einer sogenannten bariatrischen Operation - werden bis zu 90 Prozent des Magens entfernt. Übrig bleibt ein "Schlauchmagen". Dadurch empfinden Patienten schneller ein Sättigungsgefühl und essen weniger. Eine Magenverkleinerung wird von den Krankenkassen nur unter bestimmten Voraussetzungen bei krankhaft Fettleibigen (Body-Mass-Index 35 bis 40) finanziert. jos