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Lampedusa und die Vorurteile

Eveline Sebaa (links) und Verena Ayere spielen gegeneinander. Foto: Christoph Spanier/TiV
Eveline Sebaa (links) und Verena Ayere spielen gegeneinander. Foto: Christoph Spanier/TiV FOTO: Christoph Spanier/TiV
Saarbrücken. Drei Regisseure, zwei auf der Bühne, einer inszeniert: Im Theater im Viertel (TiV) steht eine in mehrfacher Hinsicht spannende Produktion an. Am Samstag, 17. September, hat Henning Mankells Stück „Lampedusa“ Premiere. Wobei der Titel irreführend ist. Susanne Brenner

"Lampedusa hat damit gar nichts zu tun". Dieter Desgranges, künstlerischer Leiter des Saarbrücker Theaters im Viertel, hat Freude an dem etwas irreführenden Titel des Stücks, das am 17. September Premiere haben wird. Die italienische Insel, Inbegriff für die Not der Flüchtlinge aus aller Welt und das Versagen Europas, gibt dem Theaterstück von Henning Mankell den Namen, spielt aber eigentlich gar keine Rolle darin. Zumindest nicht vordergründig.


Aber die großen Themen Menschenrechte und kulturelle Vorurteile behandelt der schwedische Autor eigentlich in allen seinen Werken - und so auch in diesem. "Und Menschenrechte und Vorurteile sind immer auch die Themen im TiV", sagt Desgranges.

Henning Mankell also wieder. Sein Kommissar Wallander ist allüberall - in Buchhandlungen sowieso und nahezu jeden Abend irgendwo im Fernsehen. Die Bücher des vor wenigen Monaten verstorbenen Autors sind der Inbegriff des Schweden-Krimis. Auch Dieter Desgranges liest sie gern, sagt er. Aber noch lieber mag er, der Theatermann, die Arbeiten, die Mankell fürs Theater geschrieben hat. Es ist bereits der dritte Mankell, den Desgranges fürs TiV bearbeitet und inszeniert. Nach "Im Dunkeln" und "Miles".



Was mancher Wallander-Fan nämlich nicht weiß: Mankell lebte und arbeitete immer wieder im afrikanischen Mosambik, wo er das Teatro Avenida leitete.

"Lampedusa" ist keine leichte Theaterkost. "Ich war fasziniert als ich das Stück letztes Jahr im Sommer gelesen habe, hab nur gedacht: hallelujah", erzählt Desgranges. "Es ist sprachgewaltig und ziemlich heftig". So heftig, dass die TiV-ler es ein bisschen eingedampft haben - denn die Inszenierung soll auch für Schulklassen angeboten werden, da will man auch nicht allzu lang werden. "Wir liegen jetzt so bei 85 Minuten", meint Desgranges.

In "Lampedusa" lässt Mankell zwei Frauen und ihre jeweiligen Vorurteile aufeinander treffen. Und zwar in einem Fernsehstudio. Im Vorgespräch zu einer Talkshow geraten die Moderatorin und ihr Gast, eine Muslima aus dem Kongo, aneinander. "Jede von ihnen hat Vorurteile und will die andere für ihre Zwecke nutzen", sagt Desgranges. Die Moderatorin würde gern die unterdrückte Muslima vorführen, ihre Gesprächspartnerin hat aber ganz andere Pläne. Das Ganze eskaliert . . .

Die Moderatorin wird von Eveline Sebaa gespielt, Autorin, Regisseurin und neue Vorsitzende des TiV-Fördervereins. Die Rolle des Talkgastes Titania hat Verena Ayere übernommen. Den einzigen Mann im Stück, den Wettermann, spielt Bob Ziegenbalg, Chef des Theaters Überzwerg. "Drei Regisseure machen ein Stück, ich habe befürchtet, das könnte schwierig werden", sagt Desgranges im SZ-Gespräch mit einem Augenzwinkern. Aber es wurde ganz entspannt, "alles läuft sehr ruhig, ganz stückorientiert". Das Bühnenbild gestaltet die junge Kunsthochschul-Studentin Jasmin Kaege.

"Lampedusa" wird nicht nur im normalen TiV-Programm gespielt, es gibt auch spezielle Vorstellungen für Schulen und eine Aufführung beim Festival Spielstark in Ottweiler. Als Vorgeschmack gibt es am 10. September eine öffentliche Lesung beim Tag der offenen Tür des Kultusministeriums.

Premiere am Samstag, 17. September, 19.30 Uhr. Weitere Vorstellung am Samstag, 24. September, 19.30 Uhr. Vom 19. bis 23. September finden Vorstellungen für Schulklassen (ab 15 Jahre) statt. Karten: Tel.

(06 81) 390 46 02.