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„Liebe zur Kunst macht nicht satt“

Der Elitzer-Kunstpavillon (ganz links im Bild) existierte von 1948 bis 1960. Er war seinerzeit ein begehrter Ausstellungsort der Nachkriegs-Kunstszene. Foto: Galerie Elitzer
Der Elitzer-Kunstpavillon (ganz links im Bild) existierte von 1948 bis 1960. Er war seinerzeit ein begehrter Ausstellungsort der Nachkriegs-Kunstszene. Foto: Galerie Elitzer FOTO: Galerie Elitzer
Saarbrücken. Wer sich für die Kunstszene und Landschaft der privaten Kunstgalerien im Saarland nach dem Krieg interessiert, hat jetzt ein Nachschlagewerk zur Hand. Sabine Graf, promovierte Germanistin, Journalistin, Kunstkritikerin und Autorin, hat das Buch „Mangelerscheinungen. Private Kunstgalerien im Saarland seit 1945“ auf den Markt gebracht. Im Kulturzentrum KuBa stellte sie es vor. Jutta Stamm

. Als Kunstkritikerin sieht Sabine Graf seit über 20 Jahren Privatgalerien kommen und gehen. Manche eröffnen mit feurigen Ideen, schließen jedoch alsbald. Andere halten Jahrzehnte durch, verdienen ihren Lebensunterhalt im Wesentlichen mit Rahmungen oder Kunstbüchern. In ihrem Buch "Mangelerscheinungen" beleuchtet die Autorin die Entstehung der Kunstszene des Saarlandes in den letzten 70 Jahren. Ohne Aufzeigen der Entwicklung von 1945 bis heute lasse sich nicht über private Kunstgalerien und ihren Schwund reden, meint Graf im Gespräch mit Andreas Bayer im Kulturzentrum KuBa am Eurobahnhof.


Gerade die Situation in den Nachkriegsjahren sei symptomatisch, berichtet sie. "Hier wurden die Weichen in die Gegenwart gestellt." Kunst und Kultur, vor der Abstimmung des Jahres 1955 Instrument der französischen Außenpolitik im Saarland, sollten die Menschen zum Frieden erziehen, die junge Generation für Frankreich erwärmen. Dadurch sei der Zwiespalt zwischen Kunst und Kommerz entstanden, der noch immer die Wahrnehmung der Szene bestimme, sagt Graf: Private Kunstgalerien setzen sich dem Verdacht von Kitsch und Kommerz aus, die öffentlichen gelten als wahrer Ort der Kunst.

Dabei sind es die ersten privaten Galeristen wie Elitzer, van Hees, Seekatz und Neuheisel in Saarbrücken , die der Raumnot und dem Mangel an Information über aktuelle Kunstströmungen den Kampf ansagen. Gezeigt wird häufig eher das Gefällige oder Kunst der Generation, die bereits etabliert ist, wie Graf herausfindet: Otto Lackenmacher, Paul Schneider, Hans Dahlem, August Clüsserath, Oskar Holweck, Leo Erb oder Sofie Dawo. Die Absolventen der damaligen Staatlichen Schule für Kunst und Handwerk erfahren kaum Förderung. Erst in den 70ern und 80ern bemühen sich die Galeristen um die jungen Künstler, machen aktuelle Kunstströmungen publik.



Während die öffentlichen Einrichtungen wie das Saarland Museum und andere Museen die Kunstszene im Saarland nach 1989 zum Erblühen bringen, schrumpft die Landschaft der Privatgalerien zunehmend. 2015 geht der Saarlouiser Galerist Axel Walzinger. St. Johann schließt in Kürze.

Fünf Galerien, die von Verkauf und Vermittlung von Kunst leben können, sind noch verblieben: Elitzer, Neuheisel und Werner Dellers K4 in Saarbrücken , Beck in Homburg und Palz in Saarlouis. Inzwischen vermarkten sich einige Künstler selbst in Foyers öffentlicher Einrichtungen, an der Kunsthochschule oder im KuBa.

Sabine Graf sieht ihr Buch als Diskussionsbeitrag. Sie selbst vertritt die Meinung, den Künstlern und Kreativen müsse eine wirtschaftliche Basis geboten werden, um ihre Existenz zu sichern. "Allein die Liebe zur Kunst macht nicht satt."

"Mangelerscheinungen. Private Kunstgalerien im Saarland seit 1945" von Sabine Graf. Conte Verlag, 19,90 Euro, ISBN

978-3-95602-077-3.