Zurück in die Zeit der Kunst-Galerien

Zurück in die Zeit der Kunst-Galerien

"Die Situation der Kunstszene in Neunkirchen spiegelt sehr gut wider, wie die Kunstszene im Saarland der Nachkriegsjahre ausgesehen hat." So beschrieb Sabine Graf am Donnerstag im Neunkircher Künstlerkreis, wie es um Kunstgalerien im saarländischen Raum stand und wie die heutige Lage ist. Zur Verdeutlichung hatte die gebürtige Zweibrückerin mehr als nur ein paar öde Fakten im Gepäck: Ihr aktuelles Buch "Mangelerscheinungen", in dem sie ihre Eindrücke von privaten saarländischen Kunstgalerien in den 50er Jahren bis heute gesammelt hat, kann als eine Chronik der lokalen Kunstszene gesehen werden. Den Titel hat Graf dabei nicht zufällig gewählt. "Für mich galt es, herauszufinden, warum Galerien auf Dauer wenig Bestand haben und warum die, die noch immer existieren, nach so langer Zeit noch da sind", erklärte Graf der SZ.

Laut der promovierten Literaturwissenschaftlerin zeichnete sich die lokale Kunstszene der frühen Nachkriegsjahre vor allem dadurch aus, dass "Platz- und Raummangel durch die Galerien abgedeckt" wurde. In den 60er Jahren herrschte in Neunkirchen vor allem die "Gruppe 7" vor, die in der Marktstraße ihr künstlerisches Schaffenszentrum fand und damit ganz dem Zeitgeist entsprach. Diese "Zeit der Galerien", in der Künstler auch von ihrem Schaffen einen gewissen Ertrag erwirtschaften konnten, hielt an bis in die 90er Jahre und wurde schließlich durch Kunstpräsentationen im öffentlichen Raum abgelöst. Auch diese Problematik behandelt Graf in ihrem Buch: "Ich stelle auch die Frage danach, ob überhaupt so viele öffentliche Kunstmuseen benötigt werden, wie es sie aktuell gibt. Gerade in den Regionen Merzig, Saarlouis und Neunkirchen könnte man die Kunstmuseen weiterentwickeln und somit vielleicht auch Regionales mit einbringen." Im Neunkircher Künstlerkreis fand Sabine Grafs Vortrag sofort Anklang. Das bestätigte auch Annelie Scherschel-Freudenberger, die die Veranstaltung organisiert hatte.

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