Des Kutschers Kutsche ist kaputt

Ronne Noack ist der Cottbuser Postkutscher. Eigentlich wollte er auf seiner Europatour nur einen kurzen Abstecher nach Saarbrücken machen. Doch dann hat die Bremse an seinem VW-Bus Probleme bereitet.

"Der Cottbuser Postkutscher putzt seinen Cottbuser Postkutschkasten." Generationen von Schulkindern holperten sich durch diesen Zungenbrecher. Ronne Noack fließen die Worte nur so von den Lippen, als sage er gerade "Guten Tag". Und irgendwie tut er das ja auch, schließlich ist er der Cottbuser Postkutscher. Ganz offiziell, mit Auftrag von oberster Cottbuser Tourismus-Stelle. Dabei ist der Cottbuser Postkutscher keine Erfindung neuzeitlichen Tourismusmanagements.

"Der Postkutscher wurde vor 150 Jahren zu Marketing-Zwecken ersonnen. Ein paar findige Geschäftsleute wollten Werbung für die Stadt machen und haben sich den Postkutscher ausgedacht - samt Zungenbrecher", erklärt Noack. Als sein Vorgänger starb, schrieb die Stadt den Posten neu aus, und Noack bewarb sich: "Ich bin Theaterpädagoge und Schauspieler. Da hat das ganz gut gepasst. Vor allem, weil die Stadt diesmal etwas jüngere Postkutscher haben wollte." Seitdem teilt er sich den Posten mit einem zweiten Postkutscher. Üblicherweise führt er Touristen durch die Stadt, ist in der Lausitz oder auf Messen unterwegs, und da die polnische Grenze nah ist, auch gern mal in Zielona Gora.

Diesen Winter wollte er aber auf große Fahrt: "Im Januar und Februar ist oft wenig los für Pädagogen und Schauspieler, da habe ich mir gedacht, mache ich doch Urlaub." Aber so ganz ohne Arbeit war ihm die Fahrt dann doch "zu langweilig - ganze zwei Monate, ohne etwas zu tun". Also hat er gefragt, ob er nicht als Cottbuser Postkutscher reisen könne. Die Tourismuszentrale gab ihren Segen, und so packte er die weiße Hose, die blaue Uniformjacke, sein Horn und allerlei Werbematerial für Cottbus ein und machte sich mit seiner Kutsche, einem T3-Bus von 1982, auf den Weg quer durch Europa. "Werbung machen, aber auch ein bisschen Urlaub nebenher." Wenn er die Uniform ausgezogen hat, ganz in Zivil, hat er Urlaub. Sonst ist er eben der Cottbuser Postkutscher. Über Lübbenau im Spreewald, den Feldberg, Stuttgart und Heidelberg ging es nach Saarbrücken, immerhin seit 1987 Cottbuser Partnerstadt. Dort trug Noack sich ins Buch der Stadt ein, verteilte ein paar Taschen mit dem Ortsschild von Cottbus und wollte dann weiter Richtung Frankreich.

"Doch als ich losfahren wollte, habe ich einen Ölfleck bemerkt. Der Hauptbremszylinder hatte einen Riss." Und so stand er dann da, mit Horn, Uniform und Spreewaldgurken und einer kaputten Kutsche. "Aber ich habe gedacht, vielleicht kann ich mich ja an die Saarbrücker wenden. Die Oberbürgermeisterin Charlotte Britz hatte ja schon angemerkt, dass bei der Städtepartnerschaft im Moment nicht viel passiert." Und so sucht der Postkutscher nun eine Werkstatt, die ihm hilft: "Ich würde dann natürlich auch ein wenig Werbung machen." Und wer einen Postkutschkasten hat, den würde der Cottbuser Postkutscher auch bestimmt putzen.

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