Der "Seehund" und seine saarländischen Kameraden

Saarbrücken. Henryk Laufersweiler hat wohl die meiste Zeit seines Lebens unter der Erde verbracht. Als Sohn schlesischer Auswanderer kam er im Alter von sechs Jahren aus Polen ins Saarland. Sein Vater, ein polnischer Offizier, hätte ihn lieber hinter dem Schreibtisch im Büro gesehen, statt mit Grubenlampe im Stollen

Saarbrücken. Henryk Laufersweiler hat wohl die meiste Zeit seines Lebens unter der Erde verbracht. Als Sohn schlesischer Auswanderer kam er im Alter von sechs Jahren aus Polen ins Saarland. Sein Vater, ein polnischer Offizier, hätte ihn lieber hinter dem Schreibtisch im Büro gesehen, statt mit Grubenlampe im Stollen. Denn die Arbeit unter Tage zerrt gleich an mehreren Strängen an der Gesundheit. Als gelernter Maschinenschlosser beginnt Henryk Laufersweiler 1975 seine Arbeit im Bergbau. Harte körperliche Arbeit war der 59-jährige gewohnt - nicht aber den rauen Umgangston, der herrschte.

"Wer kein Saarländisch sprach, war benachteiligt", berichtet Henryk Laufersweiler. Schlägereien und Beschimpfungen standen auf der Tagesordnung. "Seehund", wie Laufersweiler wegen seines üppigen roten Schnurrbarts von den Kollegen getauft wurde, sagt heute: "Unter Tage braucht man dicke Arme und eine laute Stimme." Die Arbeit im Berg bringt einen besonderen Menschentyp hervor. Herb im Umgangston - und doch konnte er sich auf jeden seiner Kollegen verlassen. Weil es oft um Leben und Tod ging. "Das schweißt zusammen. Unter Tage entsteht eine einmalige Kameradschaft. Da spielt dann auch der Dialekt keine Rolle mehr."

Wohl deswegen hat Laufersweiler den ein oder anderen einstigen Kollegen in seinem Roman verewigt. Während der ersten Jahre unter Tage studiert Laufersweiler parallel zum Beruf. Morgens in die Uni, nachmittags in den Berg. Was folgt, sind Jahre, in denen er seine Frau nur selten sieht. Manche Monate schiebt er 33 Tagesschichten im Bergwerk Luisenthal. Teilweise 16 Stunden lang, egal, ob Sonntag oder Silvester. "Ich sollte im Guinness-Buch der Rekorde für die meisten Silvesternachtschichten stehen", sagt Henryk Laufersweiler und schmunzelt. Als Ausgleich diente ihm der gemeinsame Sport mit seiner Frau - im Fitness-Studio und im Schützenverein.

Heute im Ruhestand hat er nun endlich Zeit für eine weitere Passion: das Schreiben. Seine Frau bewegte ihn dazu, seine Erlebnisse unter Tage zu Papier zu bringen. Als Dank gab es zum Hochzeitstag ein besonderes Geschenk: den ersten selbstgeschriebenen Roman. 1985 beendet ein Stahlseil, das aus seiner Führung springt, seine Laufbahn als Steiger. "Ein dummer Zufall", sagt Henryk Laufersweiler. Die Wucht des Seils zertrümmert Rippen und Handgelenke - drei Monate liegt er im Krankenhaus. Danach kehrt "Seehund" der Arbeit unter der Erde den Rücken. Bis zu seinem Ruhestand arbeitet er als Betriebsingenieur im Energiesektor der Saarbergwerke - und verbringt die Silvesternächte von da an lieber mit seiner Frau.

Auf einen Blick

Henryk Laufersweilers Buch "Die Sonne über Schacht II" wird bei Books on Demand (BoD) gedruckt: ISBN 97 83 84 8 21 40 13. Der Autor hat in einem Stahlwerk und im Bergbau gearbeitet. Da er feststellen musste, dass es zwar viel Fachliteratur, geschichtliche Abhandlungen, Gedichte und Bildbände zu dieser Arbeitswelt gab, aber so gut wie keine Romane, ging er ans Werk. red

bergbaugeschichten.

 Der Autor Henryk Laufersweiler 1977 beim Braunkohleabbau in Borken. Foto: Laufersweiler
Der Autor Henryk Laufersweiler 1977 beim Braunkohleabbau in Borken. Foto: Laufersweiler
 Der Autor Henryk Laufersweiler 1977 beim Braunkohleabbau in Borken. Foto: Laufersweiler
Der Autor Henryk Laufersweiler 1977 beim Braunkohleabbau in Borken. Foto: Laufersweiler
 Der Autor Henryk Laufersweiler 1977 beim Braunkohleabbau in Borken. Foto: Laufersweiler
Der Autor Henryk Laufersweiler 1977 beim Braunkohleabbau in Borken. Foto: Laufersweiler

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