Die letzte Ruhe im Urwald

Saarbrücken. Auf den ersten Blick ist es ein Waldstück wie jedes andere. Nur der, der die dem Weg abgewandten Seiten der Bäume betrachtet, sieht, dass es mit diesem Gelände, 19 Hektar groß, etwas Besonderes auf sich hat. Hier, im Urwald vor den Toren der Stadt, befindet sich der Friedwald Saarbrücken, der einzige Friedwald im Saarland. An Buchen, Eichen und Co

Saarbrücken. Auf den ersten Blick ist es ein Waldstück wie jedes andere. Nur der, der die dem Weg abgewandten Seiten der Bäume betrachtet, sieht, dass es mit diesem Gelände, 19 Hektar groß, etwas Besonderes auf sich hat. Hier, im Urwald vor den Toren der Stadt, befindet sich der Friedwald Saarbrücken, der einzige Friedwald im Saarland. An Buchen, Eichen und Co. sind Tafeln mit Namen, Daten, teilweise auch Sprüchen, befestigt. Sie bezeugen, dass nahe der Wurzeln die Asche eines Verstorbenen beigesetzt wurde. Seit der Eröffnung 2005 bis Ende Februar fanden 1408 Menschen hier ihre letzte Ruhestätte. Den Verantwortlichen zufolge stieg die Zahl der Beerdigungen von Jahr zu Jahr.

Grab im Naturschutzgebiet

Kalt bläst der Wind um die Nase. Trotzdem haben sich etwa 15 Menschen mit Forstwirtschaftsmeister Herbert Schneider aufgemacht, den Friedwald unter die Lupe zu nehmen. Im Winter gibt es solche Führungen einmal, in der wärmeren Jahreszeit zwei Mal im Monat. Jedes Mal, sagt Schneider, folgen ihm oder Förster Martin Haupenthal zehn bis 25 Interessenten. Die zwei Männer vom SaarForst-Landesbetrieb starten am Naturfreundehaus Kirschheck, erläutern dann alles Wissenswerte. So erfahren die Besucher, dass dieser der siebte in Deutschland war, den die Friedwald GmbH aus Griesheim 2005 eröffnete. Und dass das Unternehmen wie an jedem der 44 bundesweiten Standorte eine Kooperation eingegangen ist, hier mit dem SaarForst-Landesbetrieb. Das Besondere an diesem Friedwald: Er ist der erste, der in einem Naturschutzgebiet eingerichtet wurde und der einzige, der in einem Urwald liegt.

Etwa 100 Meter vom Naturfreundehaus entfernt zeigt Schneider auf eine Stele am Wegesrand: "Diese wird mit einem Samttuch und Blumen abgedeckt." Hier starten die Beerdigungen. "Einer von uns trägt die Urne zum Urnengrab, dort stellen wir sie auf einer Baumscheibe ab." Nach der Feier werde sie abgesenkt.

Individuelle Trauerfeier

Auch Angehörige dürfen die Urne tragen, erklärt er, als es weitergeht, quer über den quasi unsichtbaren Friedhof: Grabschmuck ist nicht erlaubt. Der Mann vom Forst erläutert, dass es Partner-, Familien-, Freundschafts-, Sternschnuppen- oder Gemeinschaftsbäume und Basisplätze gibt. Wer will, kann sich einen Baum aussuchen. Zurzeit stehen 820 Bäume zur Verfügung, um jeden passen zehn Urnenplätze. Laut Unternehmen haben sich 2272 Menschen bereits zu Lebzeiten für diesen Beisetzungsort entschieden.

Die Gruppe ist an einem Musterbaum angekommen. Am Fuße des Laubbaumes steht eine Urne, umrahmt von Zweigen und Blumenblättern. Etwa 48 Prozent der Beisetzungen würden von einem Geistlichen begleitet, sagt Schneider. Die Feier könne individuell gestaltet werden. Und noch mehr wollen die Teilnehmer wissen: Zum Beispiel, wie lange es braucht, bis das Material der Urne abgebaut ist - spätestens nach vier Jahren ist dies so weit.

Nicht nur Saarländer, sondern auch Rheinland-Pfälzer und Franzosen hätten hier schon ihre letzte Ruhestätte gefunden, so der Mann vom Forst. Es gebe Interessenten aus allen Altersklassen. Da ist etwa das Paar aus Quierschied, beide in den 50ern. Sich mit dem Thema zu beschäftigen, ist ihnen wichtig: "Der Tod gehört zum Leben." Eine Riegelsbergerin, Mitte 70, befürwortet das Konzept: "Ich möchte den Angehörigen keine Arbeit machen." Und eine in Frankreich beheimatete Saarländerin, Mitte 40, sagt, dass sie sich einen Baum aussuchen wird: "Das betrifft mich sehr. Ich will für mich selbst Vorsorge treffen."

Auf einen BLick

Laut Friedhofs- und Bestattungsbetrieb Saarbrücken (FBS) gibt es drei Arten naturnaher Beisetzungen auf Saarbrücker Friedhöfen, die vergleichbar mit einer Beisetzung im Friedwald sind. Der FBS informiert, wo was angeboten wird.

Beiindividuellen Urnenbaumgräbern handelt sich um sogenannte Wahlgrabstätten. Interessierte können sich einen Baum auf dem Friedhof aussuchen (Vorsorgeerwerb), an dessen Fuß bis zu vier Urnenbeisetzungen möglich sind. Urnengemeinschaftsbaumgräber sind in der Nähe von außergewöhnlichen Bäumen. Einem Baum sind mehrere Grabstätten zugeordnet. Es handelt sich um ein- oder zweistellige Urnenreihengräber, die erst im Todesfall abgegeben werden. Außerdem gibt es naturnahe Waldbestattungen. Dabei handelt es sich um eine Urnengemeinschaftsanlage in einem naturbelassenen Waldstück innerhalb des Friedhofs (Vorsorgeerwerb möglich). 2012 entschieden sich laut FBS 134 Personen für diese Arten der Beisetzung. up