Linke fordert Rückzug der Kirche

Alt-Saarbrücken. Bevor die Stadt für rund drei Millionen Euro eine neue Kindertagesstätte (Kita) in der Natur am Franzenbrunnen im oberen Alt-Saarbrücken baut, soll sie doch versuchen, die von der evangelischen Kirche vor acht Jahren geschlossene Kita in der Gärtnerstraße neu zu eröffnen

Alt-Saarbrücken. Bevor die Stadt für rund drei Millionen Euro eine neue Kindertagesstätte (Kita) in der Natur am Franzenbrunnen im oberen Alt-Saarbrücken baut, soll sie doch versuchen, die von der evangelischen Kirche vor acht Jahren geschlossene Kita in der Gärtnerstraße neu zu eröffnen. Das haben in der vergangenen Woche die Bürgerinitiative Franzenbrunnen, die Landtagsfraktion der Piratenpartei und der Linken-Bezirksvorsitzende Lothar Schnitzler gefordert. Sie alle haben offenbar die Rechnung ohne den Wirt - in diesem Fall ohne den Kirchenkreis Saar-West - gemacht.Die evangelische Kirchengemeinde Alt-Saarbrücken will zwar ihr Gemeindezentrum, das Gustav-Adolf-Haus, verkaufen. Die ehemalige Kita direkt nebenan steht aber nicht zum Verkauf. Das hat Christian Weyer, der Superintendent des Kirchenkreises Saar-West, am Freitag auf Anfrage mitgeteilt. "Wir haben derzeit kein Interesse daran, das ehemalige Gebäude des Kindergartens Alt-Saarbrücken in der Gärtnerstraße zu verkaufen", sagt er.

"Nach der bedauerlichen Schließung der Einrichtung", erklärt Weyer, hat der Kirchenkreis das Haus übernommen und es "zu einem modernen Verwaltungsgebäude mit Sitzungs- und Büroräumen" umgebaut. Heute beherbergt es das Verwaltungsamt der evangelischen Kirchenkreise an der Saar. Weyer: "Es wäre nun völlig widersinnig, das Gebäude erneut umzubauen, um dort wieder eine Kindertagesstätte einzurichten."

Das sieht Lothar Schnitzler ganz anders. Er sei nicht gegen ein neues Wohngebiet und eine neue Kita am Franzenbrunnen. Im Gegenteil, das bringe Familien in die Stadt. Aber bis dort die ersten Kinder wohnen, daure es noch etwas. Im unteren Alt-Saarbrücken sei der Bedarf an Kita-Plätzen aber jetzt schon sehr groß. Und die Eltern, die da wohnen, könnten ihre Kinder nicht zum Franzenbrunnen bringen.

"Hier unten wohnen viele Arme, die gezwungen werden, mit ihren Kindern den Berg hochzufahren. Das ist besonders unsinnig, weil viele dieser Menschen kein Auto haben", sagt Schnitzler. Auch Betriebskindergärten wie jetzt in der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) seien keine Lösung. Diese Kitas seien wichtig für die Menschen, die von außerhalb zum Arbeiten in die Stadt kommen. Den Bedarf im unteren Alt-Saarbrücken decken sie nicht, sagt Schnitzler.

Er fordert deshalb die Kirche auf, sich für ihre Verwaltung andere Räume zu organisieren. "Die Kita-Plätze sind an diesem Standort wichtiger. Und die Kirche hat ja andernorts in der Stadt auch noch Liegenschaften", argumentiert Schnitzeler.

Die Stadt solle die für den Franzenbrunnen vorgesehen drei Millionen nutzen, um die ehemalige Kita und das Gustav-Adolf-Haus zu kaufen. So könne auch der für den Stadtteil wichtige Versammlungsraum erhalten bleiben. Foto: Linke

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