Auch Saarbrücken betroffen Entscheidung über Filial-Schließungen bei Galeria rückt näher

Essen/Saarbrücken · In Kürze wollen die neuen Investoren in Lauerstellung sowie der Insolvenzverwalter bekannt geben, welche Galeria-Standorte schließen. Im Saarland ist noch ein Warenhaus am Start: Karstadt in Saarbrücken. Worauf die Mitarbeiter an der Saar setzen.

Noch-Konzernzentrale in Essen: Galeria soll später von Düsseldorf verwaltet werden.

Noch-Konzernzentrale in Essen: Galeria soll später von Düsseldorf verwaltet werden.

Foto: dpa/Fabian Strauch

Die neuen Investoren stehen in den Startlöchern: Sie wollen im Sommer die seit Jahren taumelnde Warenhaus-Kette Galeria wieder in ruhiges Fahrwasser steuern. Das bedeutet aber auch: Erneut müssen wohl etliche Standorte schließen, weil sie nicht rentabel sind und eine Sanierung aussichtslos erscheint. Noch soll um jede Filiale gekämpft werden. Dazu zählt auch das letzte Kaufhaus des Unternehmens im Saarland: Karstadt in Saarbrücken.

Galeria Karstadt Kaufhof: Ende April soll feststehen, welche Häuser übrig bleiben

Die künftigen Konzern-Besitzer haben sich mit dem bisherigen Insolvenzverwalter zum Ziel gesetzt, bereits Ende April die Entscheidung zu fällen, welches Haus erhalten werden kann und für welches der endgültige Schritt zur Aufgabe unausweichlich erscheint. Bislang ist die Rede von mehr als 70 der noch 92 Warenhäuser, die überleben sollen. Unterdessen veröffentlichten mehrere Medien eine erste Liste mit Standorten, für deren Fortbestand es eng werde.

Damit ist auch der abermalige Verlust zahlreicher Jobs programmiert. Zurzeit gibt das Management die Gesamtbeschäftigtenzahl in Deutschland mit noch knapp 13 000 Menschen an. In Saarbrücken sind an die 240 in Lohn und Brot bei Karstadt. Allein der bisherigen Zentrale in Essen droht ein massiver Stellenabbau. Der dortige Verwaltungstrakt soll sogar gänzlich aufgegeben und die geschrumpfte Verwaltung in Düsseldorf in einem bestehenden Galeria-Haus unterkommen. Mehrere 100 Menschen sollen dadurch in der Konzernzentrale ihren Job verlieren.

Galeria im Saarland: Neunkirchen, Saarbrücken Völklingen
58 Bilder

Karstadt und Kaufhof im Saarland

58 Bilder
Foto: Matthias Zimmermann (hgn)

Galeria-Management will Mieten drücken

Worauf die Verhandlungspartner bislang setzen: Nachlässe bei den Mieten. Denn Galeria Karstadt Kaufhof besitzt keine eigenen Immobilien. Vielerorts sollen die Preise weit über dem marktüblichen Mietzins liegen, beklagte das Management schon gleich zu Beginn der dritten Insolvenz binnen nicht einmal vier Jahren, die Anfang Januar beantragt worden war. Bis zu 30 Prozent des Umsatzes soll dieser betragen. Unter anderem werde dieser Preis am ehemaligen Kaufhof-Stammhaus in Köln verlangt.

Besonders brisant: Ausgerechnet der bisherige Eigner, die vom Österreicher René Benko gegründete Signa-Gruppe, habe horrende Mietsummen in ihren Gebäuden von ihrer eigenen Warenhaus-Gesellschaft gefordert. Darum sprach Galeria-Manager Olivier van den Bossche von Anfang an von einem Befreiungsschlag von Signa durch das Insolvenzverfahren. Signa selbst war mit mehreren Teilfirmen in die Pleite geschlittert. Auch Benko selbst ging als Geschäftsmann in die Insolvenz. Jetzt soll ihm sogar Haft drohen, melden Medien in der Alpenrepublik.

Noch steht eine wichtige Entscheidung bei Galeria aus

Wegen der Insolvenz der Warenhaus-Kette bestehen bei Mietobjekten Sonderkündigungsmöglichkeiten, um vorzeitig aus den Verträgen herauszukommen. Davon erhoffen sich die Verantwortlichen in der Galeria-Konzernzentrale, vor Ort über niedrigere Mieten fürs selbe Haus zu verhandeln. Denn bislang habe die Miete die Gewinne der Kaufhäuser oftmals aufgezehrt. Mehr noch: Galeria schrieb rote Zahlen an etlichen Standorten.

Ob ein niedrigerer Mietzins vor einer Schließung retten kann, bleibt abzuwarten. Auch vom Verhandlungsgeschick der neuen Inhaber in Lauerstellung wird einiges abhängen: Der US-Kaufmann Richard Baker und der deutsche Fußballclub-Präsident von Waldhof Mannheim, Bernd Beetz. Sie beide hatte Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus am 10. April präsentiert. Allerdings vorbehaltlich der Entscheidung der Gläubigerversammlung, die Ende Mai tagen soll. Dann geht es darum, ob sie dem Sanierungsplan zustimmt – und damit dem Verkauf an die beiden Investoren.

So sollen die Geschäfte bei Karstadt in Saarbrücken laufen

Sie sind keine Unbekannten im Haus. Baker beispielsweise verantwortete bereits mehrere Jahre für die damals noch selbstständige Kaufhof-Gesellschaft, bevor sie mit Karstadt zu Galeria verschmolzen wurde. Sein Einsatz war indes von wenig Erfolg gekürt. Unter seiner Leitung rutschte Kaufhof unablässig ab. Stellen wurden gestrichen, Häuser geschlossen. Zuletzt stand nach Berichten von Branchenkennern Kaufhof schlechter als das vorherige Sorgenkind Karstadt dar.

Karstadt in Saarbrücken indes soll recht solide Zahlen aufweisen. Nach Angaben der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) sei der Umsatz aufgrund der Kundenströme aus dem benachbarten Frankreich recht passabel. Informationen aus der Geschäftsführung zu den einzelnen Häusern gibt es bisher nicht.

Liste über 16 Galeria-Standorte, denen das Aus droht

Und das Warenhaus an der Saar ist auch kein Untermieter bei Signa. Nach SZ-Informationen handelt es sich beim Haus-Eigentümer um Highstreet-Holding. An ihr soll unter anderem die Deutsche Bank beteiligt sein. Angaben, was Karstadt hier berappen muss, um im Haus in zentraler Lage residieren zu dürfen, sind nicht bekannt. Nur dass bei vorherigen Insolvenzverfahren auch hier mit dem Vermieter um Nachlässe gerungen worden sein soll.

16 Häuser, die auf der Kippe stehen, nannten zuletzt mehrere Medien. Auch die Welt veröffentlichte sie. Darin wird auch Saarbrücken aufgeführt. Allerdings war nach den ersten Veröffentlichungen dabei die Rede von Signa-Immobilien. Doch dazu zählt das Karstadt-Haus in Saarbrücken nicht. Kaufhof, einige 100 Meter von diesem Standort entfernt, musste im Sommer 2023 schließen. Das Traditionshaus fiel dem Sanierungsplan als Teil der zweiten Insolvenz zum Opfer. Das Gebäude gehörte da der Signa-Gruppe.

Ein wichtiges Datum, was eine Entscheidung bei Galeria betrifft

Ursprünglich war nun der 28. April als Stichtag genannt worden. Bis dahin wollten Baker, Beetz und Denkhaus sagen, wie viele Galeria-Häuser die künftige Warenhaus-Kette umfasst. Weiterhin gibt es seitens Management und Investoren in spe keine konkreten Aussagen zu einzelnen Standorten.

(hgn)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort