"Quierschied ist ein Glücksfall"

Saarbrücken/Quierschied. Haben Gemeinden ein "Seelenleben"? Der Architekt Thomas Hepp jedenfalls ist davon überzeugt. Und wenn er und sein Mitstreiter, der Landschaftsarchitekt Luca Kist, über die künftige Gestaltung von saarländischen Ortskernen sprechen, dann fallen auch Begriffe wie "Heimatnähe", "Leitbild" oder "Vertrauen"

Saarbrücken/Quierschied. Haben Gemeinden ein "Seelenleben"? Der Architekt Thomas Hepp jedenfalls ist davon überzeugt. Und wenn er und sein Mitstreiter, der Landschaftsarchitekt Luca Kist, über die künftige Gestaltung von saarländischen Ortskernen sprechen, dann fallen auch Begriffe wie "Heimatnähe", "Leitbild" oder "Vertrauen". Die Saarbrücker Hepp und Kist sind damit befasst, die neue Mitte von Quierschied zu planen und aufzubauen. Behutsam und in mehreren Abschnitten werden abgerissene Gebäude durch deutlich weniger wuchtige Baukörper ersetzt, "Qualität statt Masse" lautet die Devise, die nicht nur den leeren öffentlichen Kassen geschuldet ist, sondern auch der Einsicht, dass eine Ortsmitte Freiflächen braucht, wenn sich die Bevölkerung wohl fühlen soll. Da die Verantwortlichen auf ein neues Rathaus verzichten, ist Raum für ein Veranstaltungsgebäude, das Vereinen und Kreativen eine Heimat geben soll.

Quierschied (wie auch das benachbarte Illingen) ist in den Augen der beiden Stadtplaner "ein Glücksfall", wie sie in einem Redaktionsgespräch in Saarbrücken schwärmen. Es sei nicht üblich im Saarland, dass Verwaltung und kommunalpolitische Gremien der Baukultur derart großen Stellenwert einräumten.

Während andernorts der Bau "historischer Brunnen" zur Belebung der Dorfkerne den Gipfel der Schaffenskraft markiere, wie Redaktionsleiterin Ilka Desgranges es bewusst ironisch zuspitzte, will man in Quierschied etwas Gehaltvolles, Besonderes - "kein Überflieger-Haus", wie Hepp versicherte, aber eine Ortsmitte, an der man noch Jahrzehnte Freude hat, weil sie Wohnen, Gewerbe und öffentliches Leben vereint, nützlich und schön ist. Und man setzt in Quierschied dabei auf Bürgerinformation, Workshops, Kostentransparenz, auf eine Lenkungsgruppe und vor allem auf interdisziplinäres, prozessuales Arbeiten von Architekt, Landschaftsarchitekt und Stadtplanern. Das "alte Modell", bei dem ein Architekt einen Plan vorlegte, der dann umgesetzt werde, sei nicht mehr zeitgemäß, sagt Hepp.

Und Kist wünschte sich, dass es im Saarland auf Landes- oder besser noch auf Kreisebene Gestaltungsbeiräte (wie schon in der Landeshauptstadt Saarbrücken) gebe, wo kluge Köpfe zusammenkommen und sich der Förderung der Baukultur widmen. Wichtig sei vor allem, das Geschehen zwischen den benachbarten Kommunen abzustimmen - es sei doch nicht erstrebenswert, in jedem Ort ein Baugebiet und ein Gewerbegebiet zu haben, zumal jeder Ort nach einem "Alleinstellungsmerkmal" regelrecht lechze.