Frank Lorenz engel und die Grimm-Festspiele

Saarbrücker Schauspielschule : Mit Chuzpe voran, das Ziel vor Augen

Frank-Lorenz Engel ist in Piesbach aufgewachsen und hat es als Regisseur, Schauspieler und Intendant weit gebracht. Unter anderem leitet er die Gebrüder Grimm Festspiele.

Schon als Abiturient hatte Frank-Lorenz Engel genaue Vorstellungen davon, wie sein weiteres Leben verlaufen sollte. „Ich hab mir damals gesagt, mit 20 will ich Schauspieler sein, mit 30 will ich meine erste Inszenierung machen, mit 40 will ich von der Regie leben, mit 50 will ich Intendant sein“, erinnert sich, mit einem Schmunzeln, der gebürtige Wallerfanger, der in Piesbach aufwuchs und sein Abi 1980 in Dillingen ablegte.

Genau so hat er es dann auch gemacht. 1980, also schon mit 19, begann er ein Studium an der Saarbrücker Schauspielschule, 1991 gab er sein Regie-Debüt in Berlin, und seit 2013 leitet er die Brüder-Grimm-Festspiele in Hanau, die zweitgrößten Freilichtspiele Hessens, und inszeniert den Rest des Jahres als Gast an Privat-, Stadt- und Staatstheatern der Republik.

Die Schauspielerei begeisterte Engel bereits als Schüler: „Ich habe überall mitgemacht, im Schülertheater, im Dorftheaterverein, habe selbst Gruppen geleitet“, erzählt er. Als es ihm ernst wurde, marschierte der junge Engel einfach zum Saarländischen Staatstheater, ins Zimmer des damaligen Intendanten Hermann Wedekind und eröffnete ihm: „Ich will Schauspieler werden.“

Die Chuzpe zahlte sich aus. Wedekind gab ihm eine Hospitanz und eine Liste der Schauspielschulen mit nach Haus. Dass er gleich beim ersten Vorsprechen in Saarbrücken eine Zusage erhielt, war ihm erst gar nicht recht. Lieber wäre er weitergezogen, fand es dann hier aber gar nicht so schlecht. „Das Gute war, dass die Schule recht klein war und man schon früh spielen durfte. Mein allererstes Stück war ein Schüler im Faust, auf Saarländisch, da war ich gerade mal einen Tag auf der Schule“, erinnert er sich.

Es folgten Auftritte etwa in Andorra am Landestheater, in den Musketieren am Staatstheater, in Medea am Pfalztheater Kaiserslautern – Engel sammelte so schnell so viele Erfahrungen, dass man ihm schließlich erlaubte, das Studium ein Jahr früher abzuschließen. Nun hieß es, endlich mal raus dem Saarland!

Engel ging für jeweils zwei Jahre ans Oldenburger und Mainzer Staatstheater und handelte mit aus, dass er an den Häusern auch eine Regieassistenz pro Saison übernehmen durfte. „Weil ich wusste, ich will auch auf der anderen Seite sitzen, da hat man einfach einen größeren kreativen Spielraum als als Schauspieler.“ Dann wollte Engel „unbedingt“ nach Berlin, „weil mein Vater da groß geworden ist und immer so viel erzählt hat und die Oma auch“.

Als der Neu-Berliner bei der Zentralen Künstlervermittlung nach einem Job fragte, erntete er erst ein ungläubiges Lachen und hatte ein paar Minuten später („Moment mal, können Sie singen und tanzen?“) eine Rolle in einer großen Freilicht-Revue zum Jubiläum 750-Jahre-Berlin. „So bin ich von einem Theater ans andere gekommen, 1987, vor dem Mauerfall, war Berlin ja nur halb so groß, man bekam viel schneller Kontakte, wurde gesehen“, erzählt Engel.

Er erhielt zunehmend Gastengagements nicht nur in Berlin, nicht nur als Schauspieler, auch als Regisseur. „Ich konnte viele Genres bedienen, ich habe ganz viele Komödien inszeniert, aber auch Musicals und eben Klassiker“, erklärt sich Engel, warum es so gut lief. Auch habe er das Glück gehabt, Leute zu treffen, die ihm weitergeholfen hätten.

Früher waren mehr Haare, heute ist mehr Erfolg: Frank-Lorenz Engel zu Zeiten seines Studiums in Saarbrücken. Foto: Engel

So hält er’s heute auch selbst. Als Intendant der Brüder-Grimm-Festspiele, deren Konzept er modernisierte, vergibt Engel Stückaufträge, um Autoren und Komponisten zu fördern. Für einige Uraufführungen erhielten die Festspiele schon Musical-Preise. Ins Saarland, wo Vater und Bruder leben, kommt Engel noch regelmäßig und „immer gern“. Dort habe er kürzlich bei einer Intendanten-Tagung auch Bodo Busse wiedergetroffen, den heutigen Generalintendanten des Saarländischen Staatstheaters. Engel kennt Busse aus Coburg und ist voll des Lobes: Busse mache hier einen richtig guten Job.