So kann’s gehen : Mit netten Menschen gegen die miese Laune im Netz

Die Wirklichkeit ist viel besser als das Internet. Denn hilfsbereite Leute kommen aus der echten Welt. Unsere Kolumnistin hat Beweise.

Wenn man öfter in den „sozialen“ Medien des Internets unterwegs ist, kommt man unweigerlich an den Punkt, wo man an der Menschheit verzweifelt. Soviel Unfreundlichkeit, miese Laune, Intoleranz und Gemeinheit verbreiten da einige Zeitgenossen, dass  man aufpassen muss, dass man nicht irgendwann denkt, alle Mitmenschen seien so.

Da hilft wie bei vielen anderen Problemen: Realitätskontakt. Einfach mal raus gehen und echte Menschen treffen. Die sind nämlich oft viel netter und hilfsbereiter als man am Computer denkt.

Ein paar Beispiele aus der letzten Zeit gefällig? Da wäre eine Mitarbeiterin der, man glaub es eigentlich gar  nicht: Deutschen Bahn. Die rettete unlängst den Italien-Urlaub meiner Tochter. Das schlaue Kind hatte nämlich im Abfahrtsstress das ausgedruckte Ticket des Reiseveranstalters zu hause liegen lassen. Ohne selbiges wäre sie aber womöglich in Mannheim nicht in den Bus gelassen worden.

Was tun? Ich hatte das Ganze zwar noch als Mail auf dem Smartphone. Aber wie ausdrucken? Ich raste in ein paar Läden am Hauptbahnhof, da hatte niemand einen Drucker. Mit wenig Hoffnung, aber gestresst und hektisch versuchte ich mein Glück an einem DB-Schalter. Und was soll ich sagen: Eine  junge Frau dort handelte nach kurzen Zögern gegen alle Regeln und gab mir ihre Mail-Adresse. Ich schickte ihr das Ticket, sie druckte es aus – und das Töchterlein konnte gen Italien fahren. Diese Frau rettete meiner ganzen Familie den Tag und dem Kind den Urlaub. Und ist seither mein bestes Gegenargument, wenn mal wieder jemand über die Deutsche Bahn lästert.

Eine andere gute Fee steuerte dieser Tage den Bus, mit dem ich morgens zur Arbeit fahre. Unsere  Familie hat nämlich – wir wohnen ja in der Stadt – „nur“ ein Auto und eine Jahreskarte. Wir tauschen jeweils nach Bedarf hin und her. An diesem Morgen hatte der Liebste leider vergessen, mir die Buskarte zu geben und war mit dem Auto davon.

Ärgerlich, denn so eine Einzelkarte ist ja schon recht teuer, und da ich immer noch den Hund dabei habe, hätte ich auch für ihn noch zahlen müssen. Aber da war die Busfahrerin vor. „Sie haben eine Jahreskarte? Bei mir dürfen Sie so rein“, erklärte sie resolut. „Aber sagen Sie Ihrem Mann, er soll Ihnen heute Abend ein Bier ausgeben“. Dieser freundliche Akt hat mich den ganzen Tag noch mit Freude erfüllt. Und natürlich bekam ich abends auch mein Bier. . .

Mein allerliebster netter  Mensch ist aber mein DHL-Bote. Der junge Mann lacht immer, ist einfach unglaublich liebenswürdig und hilfsbereit. Und vor allem: Er hat immer Leckerli für unseren kleinen Hund in der Hosentasche. Der ist davon so begeistert, dass er sich fast überschlägt vor Glück, wenn irgend jemand in unserer Straße ein Päckchen bekommt. Da nehme ich natürlich doppelt gern die Pakete für die Nachbarn an. Und rette ja damit dann auch ein bisschen deren Tag.

Mehr von Saarbrücker Zeitung