Festnahme in Saarbrücken: Polizei greift Mann mit Säugling auf

Festnahme in Saarbrücken : Polizei greift Mann mit elf Monate altem Säugling auf – Von Mutter fehlt jede Spur

Mysteriöser Fall: Bulgare reist mit Baby in einem Fernbus durch die Lande. Seine Familie ist nicht aufzufinden. Wollte er das Kind entführen?

Die Bundespolizei geht seit Dienstagnachmittag (10. September) einem ungewöhnlichen Fall nach, der viele Fragen aufwirft. Wie deren Pressesprecher Dieter Schwan von der Bexbacher Inspektion berichtet, war seinen Kollegen bei einer Routinekontrolle am Saarbrücker Busbahnhof ein Mann aufgefallen. Dieser war mit einem Fernbus des Anbieters Flix unterwegs und hatte ein gerade mal elf Monate altes Baby dabei. Von der Mutter war aber weit und breit nichts zu sehen.

Der 29-Jährige gab unterdessen an, sie halte sich in seiner Heimat Bulgarien auf. Darauf konnten sich nun die Fahnder keinen Reim machen, warum der Vater mit dem Jungen ganz allein quer durch Europa reisen wollte – und das auch noch ohne Papiere für den Säugling. Sie nahmen deswegen beide mit auf die Wache, um der ganzen Sache auf den Grund zu gehen.

Da stellte sich rasch heraus, dass die Staatsanwaltschaft in Frankfurt/Main nach ihm mit Haftbefehl suchte. Er soll mit dem Auto gefahren sein, ohne einen Führerschein zu haben. Außerdem war die Duisburger Ausländerbehörde auf der Suche nach dem Bulgaren, weil sie ihn abschieben wollte. Und weitere Straftaten scheinen aufs Konto des gesuchten Mannes zu gehen, weil die Bundespolizei bei der Aktensicht noch zwei weitere Fahndungshinweise, einen sogar aus seinem Heimatland, entdeckten. Nach dem elf Monate alten Kind wurde ebenso bereits gesucht. Darum befürchten die Ermittler, dass der vermeintliche Vater dem Jungen an sich gerissen hat.

Die Angelegenheit wurde immer undurchsichtiger. Denn als die Kollegen um Amtshilfe in Duisburg baten, war die Familie des Mannes zwar in der nordrhein-westfälischen Stadt ursprünglich gemeldet, aber unter der letzten Adresse hielt sich niemand mehr von ihr auf.

Daraufhin nahm sich das Saarbrücker Jugendamt zumindest vorläufig dem Kleinkind an und brachte es in einer Pflegefamilie unter.

Der Mann wurde auch untergebracht – und zwar für die kommenden 50 Tage im Ottweiler Knast. Er hätte auf freiem Fuß bleiben können, wenn er 2700 Euro gezahlt hätte. Das Geld zur Haftbefreiung konnte er aber nicht aufbringen.

Jetzt ist die Ausländerbehörde damit befasst, die Familie, insbesondere die Mutter des Kindes ausfindig zu machen.

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