Auf ein Glas Posca bei den Römern

In der vergangenen Woche gab es einige aufregende Ereignisse in Homburg. Aber zum Glück gibt es auch positive Dinge. Zum Beispiel römisches Essigwasser, das gibt es schon seit 2000 Jahren, es heißt nur anders.

Der Beeder Kindergarten ist verschimmelt, in Schwarzenacker gab es einen tödlich endenden Nachbarschaftsstreit und im Hause von der Leyen geschah ein Giftmord. Was ist bloß im Saarpfalz-Kreis los? Immerhin, der Giftmord liegt schon über 300 Jahre zurück und lebt nur noch in den Erzählungen der Zofe Henrietta wieder auf, gespielt von Monika Link. Gott sei Dank ist das lange her, denn sonst würden wir hier am westlichsten Zipfel der Republik tatsächlich noch Aufsehen erregen. Am westlichsten Zipfel der Bundesrepublik, wohlgemerkt. Für die Französische Republik sind wir hier kurz vor deren östlichstem Zipfel. Kommt eben immer auf die Betrachtungsweise an. An diesem Wochenende wird in Frankreich der neue Präsident vereidigt, in Nordrhein-Westfalen wird gewählt, und wir freuen uns erst mal über den Tag der offenen Tür im Römermuseum. Wer das provinziell findet, sollte sich mal wieder eine antike Landkarte vor Augen führen. Ob östliches Frankreich oder westliches Deutschland, ganz egal, die Römer waren hüben wie drüben. Giftmorde gab es damals schon, zu zwiespältiger Berühmtheit gelangte die Giftmischerin Locusta, deren Ruf aber kaum bis in das Etappendorf Schwarzenacker gedrungen sein dürfte, wo Legionäre ihren Posca tranken, eine Art Essigwasser. Egal, was am Wochenende noch passieren mag, einige guten Dinge haben sich seit 2000 Jahren nicht verändert, Posca gibt es immer noch, ist heute nur süßer und heißt Almdudler. Was sich keine 2000 Jahre hält - auch nicht in Beeden -, sind verschimmelte Bauten.

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