Erinnerungen an alte Geschichten

In dieser Woche gab es mal wieder eine dieser bundesweiten Studien, an welchen Orten man am liebsten wohne, wenn man denn jung, talentiert und vor allem gut verdienend sei. Nun, Homburg, Bexbach und Kirkel waren nicht dabei, dafür aber Hamburg, Berlin und Köln. Doch ist es so erstrebenswert, seine Wurzeln aufzugeben? Die meisten Kinder gingen immer noch zur Kommunion oder Konfirmation, "weil das nicht nur religiös bedingt, sondern vor allem Teil unserer Tradition ist", wie es eine Pfarrreferentin formulierte. Kein Wunder, dass man sich bei diesen Gelegenheiten gerne an sämtliche Familiengeschichten erinnert. Meine Mutter versengte bei ihrer Kommunion dem Mädchen, das vor ihr auf der Kirchenbank kniete, mit der Kerze das wallende Haar. Mein Cousin war beim Festessen verschwunden, weil er seinen Rausch ausschlief, denn er hatte heimlich in der Küche einige Weingläser geleert. Ich erbrach mich vor der Kirche übers weiße Kleid, zum Glück erst nach dem Segen, "Noro-Virus" würde das heute heißen. Als Geschenke gab es die erste Uhr und einen "Blumenstock". Tradition ist eben nicht piefig und spießig, sondern sie ist auch ein humorvolles Band zwischen den Generationen.

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