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Römermuseum in Schwarzenacker als Publikumsmagnet

Gärten der Geschichte im Saarpfalz-Kreis : Auf die Spuren der alten Römer begeben

Noch in der kommenden Woche kann man das Römermuseum in Schwarzenacker besuchen. Dann ist vorgezogene Winterpause.

In der vergangenen Woche wurde das Netzwerk „Gärten mit Geschichte“ offiziell und samt einheitlicher Beschilderung vorgestellt (wir berichteten). In unserer Region zählt, neben dem Bexbacher Blumengarten und dem Waldpark Schloss Karlsberg, der Barockgarten in Schwarzenacker zu den insgesamt 15 Parkanlagen, die im ganzen Saarpfalz-Kreis Besuchern und den Einheimischen selbst auf quasi floralem Weg die Geschichte zwischen Homburg und Gersheim nahebringen sollen.

Im Kreis dieser Gärten nimmt Schwarzenacker eine Sonderstellung ein, denn die Anlage ist, anders als es ihr Name vorzugeben scheint, keine echte Perle des Barock. Tatsächlich wurde sie erst in den Jahren 1984 und 1985 erschaffen. Allerdings hat die Anlage wohl einen historischen Impuls, könnte sie doch auf einem Park basieren, den Herzog Gustav Samuel Leopold von Pfalz-Zweibrücken Anfang des 18. Jahrhunderts als Teil eines Landsitzes gestalten ließ.

Das Edelhaus als zentraler Teil des Landsitzes ist heute Museum und Ausstellungsort, für den Garten, der sich in Richtung der Ausgrabungen des gallo-römischen Vicus erstreckt, gibt es allerdings kaum gartenachräologische Befunden. So ließen sich die Macher vom Barockgarten des Schlosses Oberschleißheim antreiben. Der Garten hat mit seiner inhaltlichen Gestaltung auch eine „Brückenfunktion“ zwischen dem Edelhaus und den Ausgrabung eines gallo-römischen Vicus im hinteren Teil der Gesamtanlage, finden sich dort inmitten des Parks auch Nachbauten eines gallo-römischen Umgangstempels und einer Jupiter-Gigantensäule. Ebenso beeindruckend: Vor der Eingangstreppe des Edelhauses wachen zwei Nachbildungen lebensgroßer römischer Reiterstandbilder, die 1887 im nahegelegenen Breitfurt entdeckt wurden. Die Originale standen viele Jahre vor dem Eingang des Historischen Museum der Pfalz in Speyer. Zwischenzeitlich wurden sie aber demontiert und an einem überdachten Ort auf dem Gelände des Speyerer Museums wieder aufgestellt, da Umwelteinflüsse den beiden Figuren stark zugesetzt hatten.

Nun ist auch der Herbst eine gute Jahreszeit, um der gesamten Anlage in Schwarzenacker, die unter dem Namen „Römermuseum“ firmiert, einen auch ausgedehten Besuch abzustatten. Und bevor man sich für eine Tour durch das Museum oder die Ausgrabungen entscheidet, lädt der „Garten mit Geschichte“ dazu ein, ihn zu erkunden. Vor allem entlang der Blickachse zwischen Edelhaus und Aufgang zum Ausgrabungsbereich kann man die wunderbare Symetrie der Anlage erkennen und auf sich wirken lassen. Und auch jetzt, wenn auch spärlicher als in der warmen Jahreszeit, gibt es einiges an Blütenpracht, natürlich mit deutlich herbstlicher Prägung. An den Wegen das Gartens finden sich immer wieder Verweise auf die römische Vergangenheit, vom barocken Blumenschmuck ist es nur eine Kopfdrehung bis zum besagten rekonstruierten Tempel. Und natürlich darf auch der Pentagondodekaeder als „heimliches Wahrzeichen“ Homburgs nicht fehlen. Ein große Replik der in Schwarzenacker gefundenen, zwölfflächigen, geometrischen Skulptur thront majestätisch zwischen Barockgarten und Ausgrabungen. Und der Fund in Schwarzenacker hat es, gleichwohl an vielen Stellen des früheren römischen Reiches gefunden (vornehmlich dort, wo vorher Kelten gesiedelt hatten) als Referenz bis in die Welt von Wikipedia gebracht.

Hat man den Garten erlaufen und erforscht, hat man dann die Wahl: Zuerst ins Edelhaus und dann in die Ausgrabungen – oder umgekehrt. Fangen wir mit dem Edelhaus an: Dort befindet sich im Erdgeschoss seit Ende 2003 eine Galerie, in der unter dem Titel „Johann Christian von Mannlich und die Pfalz-Zweibrücker Malerei aus dem 18. Jahrhundert“ rund 30 historische Gemälde ausgestellt sind. Drüber finden sich dann Exponate aus der Zeit der Römer. Und unterm Dach haben Chefarchäologin Sabine Emser und viele weitere Macher und Helfer die Dauerausstellung „Feminae“ zur Geschichte der Frau im Römischen Reich erfolgreich zu einer echten Größe geformt.

Durch den Garten hindurch dann in die Ausgrabungen des gallo-römischen Vicus. Dort hat sich, der Haushaltslage der Stadt geschuldet, zwar in Sachen „neue Funde“ in der jüngeren Vergangenheit zwangsläufig eher wenig getan, doch lohnt es eigentlich immer wieder, schon vorhandenes Wissen über die römische Vergangenheit Homburgs aufzufrischen.

In der Gartenanlage findet sich auch der Nachbau eines römischen Umgangstempels. Foto: Thorsten Wolf

Wer sich nun abseits des „Gartens mit Geschichte“ Schwarzenacker in den beiden kostenpflichtigen Angeboten „Edelhaus“ und „Ausgrabung“ verlustieren will, dem ist jedoch Eile geboten: Ab dem 1. November  schließen die Ausgrabungsstellen und der Edelhaus bereits – vor allem wegen der angespannten Corona-Situation mit steigenden Infektionszahlen.