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SOS-Kinderdorf Saar beschäftigt sich mit Diversity

Workshop in Hilbringen : Gelebte Vielfalt beim SOS-Kinderdorf in Hilbringen

Das SOS-Kinderdorf in Hilbringen fördert die Vielfalt seiner Bewohner und Angestellten. Ganz in diesem Sinne ist das Thema Diversity mit einem eigenen Arbeitspaket Teil der Vereinsstrategie.

Das Thema „Diversity“ erhält in der Arbeitswelt eine immer höhere Bedeutung und bringt zahlreiche soziale und strategische Herausforderungen mit sich. Auch das SOS-Kinderdorf Saar beschäftigt sich mit dem Thema, wie die Einrichtung in einer Mitteilung betont. „Beim SOS-Kinderdorf haben alle Menschen den gleichen Wert, unabhängig von Alter, Geschlecht, Behinderung, sexueller, religiöser, politischer Orientierung und ethnischer Zugehörigkeit“, heißt es dort. „Wir achten Einmaligkeit und leben Vielfalt“ – dieser Satz sei Leitbild und zugleich Handlungsrichtlinie des Vereins seit vielen Jahren.

Ganz in diesem Sinne ist das Thema Diversity mit einem eigenen Arbeitspaket Teil der Vereinsstrategie. Bis zum Jahr 2024 sollen Handlungskonzepte entwickelt werden, um das Thema auch in den regionalen Einrichtungen des Vereins zu integrieren. Wie ist das Thema in der Einrichtung in Hilbringen umsetzbar? Dazu hatte sich im vergangenen Jahr die Leitungsebene des SOS-Kinderdorfs Saar Gedanken gemacht. „Wir möchten die soziale und kulturelle Vielfalt unserer Mitarbeiter als auch Betreuten und Teilnehmer unserer Angebote bestmöglich fördern“, sagt Joachim Selzer, Leiter des Kinderdorfes. Dabei sei es nach seinen Worten besonders wichtig, dass niemand wegen irgendwelcher Merkmale diskriminiert oder ungerecht behandelt wird. „Wir haben uns viele Gedanken gemacht, wie wir auch die Mitarbeiter für dieses Thema sensibilisieren können.“

So fand kürzlich ein Workshop „Umgang mit Vielfalt“ im SOS-Mehrgenerationenhaus statt. Aufgrund der aktuellen Hygieneregeln konnten nicht, wie vorgesehen, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern nur acht Personen teilnehmen. Jörn Didas, Geschäftsführer des Adolf-Bender-Zentrums, leitete die Veranstaltung.

Ein wichtiger Bestandteil eines jeden Diversity-Trainings sei die Sensibilisierungsphase – denn: Wer neue Denk- und Handlungsweisen erlernen möchte, sollte sich zuerst seiner bestehenden vergegenwärtigen. So wurden die Teilnehmer in einem ersten Schritt zur Reflektion der eigenen Identität aufgefordert, wie die Einrichtung berichtet. Dabei wurden Fragen diskutiert wie: Welche Identitätsaspekte sind es, die mich selbst ausmachen? Wie identifiziere ich mich selbst und wie identifizieren mich Andere? Welche meiner Merkmale sind sichtbar und welche sind für Andere unsichtbar, wie beispielsweise meine Wertevorstellungen? Welche Identifikationsmerkmale habe ich im Laufe meines Lebens entwickelt und welche wurden mir ohne meine Einwilligung zugeteilt wie zum Beispiel mein Name? Was hat das mit mir gemacht? War ich selbst schon einmal den Vorurteilen anderer ausgesetzt?

Beim Zusammentragen der Identitätsaspekte wurde deutlich, wie riesig die Vielfalt an Merkmalen bereits bei so einer verhältnismäßig kleinen Gruppe ist. Dennoch wurde auch erkennbar, dass sich immer gemeinsame Merkmale finden, die uns alle miteinander verbinden, wie die Einrichtung weiter schreibt.

Durch ein Rollenspiel im Gruppensetting sei aufgezeigt worden, wie unterschiedlich Menschen Situationen und andere Personen beurteilen und wie leicht es doch passiert, dass andere unbewusst aufgrund individueller Erfahrungswerte verurteilt werden. Durch den Austausch miteinander war es möglich, Perspektivwechsel einzunehmen, Schubladen-Denken und andere Identitätskonstruktionen zu erkennen und aufzudecken.

Nach einer Mittagspause ging es dann mit ein wenig Theorie weiter: Hier wurde darüber diskutiert, was Rassismus eigentlich bedeutet, wie der Kulturbegriff definiert ist und weshalb Menschen so schnell auf ihren kulturellen Hintergrund reduziert werden. Didas erklärte, dass Konflikte oft als kulturelle Konflikte interpretiert werden, ohne die Gesamtheit aus Person, Situation und Kontext zu betrachten. Diversity-Kompetenz beschreibe nach seinen Worten daher eine allgemeine soziale Kompetenz, Menschen nicht als Stellvertreterinnen oder Stellvertreter einer bestimmten Gruppe zu behandeln, „sondern sie als Individuum wahr- und ernstzunehmen“.

Dann wurde der Film „A Class Divided“ vorgeführt. Die Teilnehmer des Workshops waren nach Worten des SOS-Kinderdorfs förmlich geschockt über die Beobachtungen, die sie hier machten: Schulkinder, die aufgrund eines willkürlich gewählten Merkmals von ihrer Lehrerin nachteilig behandelt wurden, zeigten plötzlich auch ein entsprechendes Verhalten. Sie wirkten verunsichert und wurden weniger leistungsfähig. Sie verhielten sich ängstlich oder aggressiv und jegliches negatives Verhalten wurde rein auf dieses Identitätsmerkmal zurückgeführt. Die Kinder, die zur privilegierten Gruppe gehörten, verhielten sich selbstbewusst und überheblich als auch abwertend gegenüber der diskriminierten Gruppe, ohne dass sie einen Grund dazu hätten.

Didas erklärte, dass die Bereitschaft, ein derart diskriminierendes Verhalten auszuüben, von drei wesentlichen Faktoren abhänge: der sozialen Norm, also, ob das Verhalten von einer Mehrheit mitbestimmt ist; wichtige Bezugspersonen, die meist viel Macht haben – zum Beispiel Eltern, Lehrer und Politiker – sowie der Möglichkeit, das Verhalten überhaupt auszuüben. Als Beispiele hierfür nannte er Gelegenheiten, Gesetze oder auch Strafverfolgung. Zum Abschluss gab es noch eine Diskussion über die Relevanz des Themas für die eigene Lebens- und Arbeitswelt.