Kolumne „Wort zum Alltag“ : Liebe kann man nicht befehlen

Vor vielen Jahren hing einmal ein recht großer Schriftzug In unserem Gemeinde-Saal, quer über einer breiten Schiebetür, dessen Worte mir bis heute in der Erinnerung haften geblieben sind. Es waren nicht nur Worte, die Bibellesern bekannt sind, hinzu kam auch die Erläuterung: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst.“

Doch was heißt das? Das heißt: liebe ihn nicht mehr, aber auch nicht weniger als Dich selbst! Und das will uns daran erinnern, dass Nächstenliebe im mitmenschlichen Zusammenleben die Welt um uns herum freundlicher machen kann, lebenswerter, liebenswerter, dass wir aber – trotz aller Freundlichkeit, Güte und Barmherzigkeit anderen gegenüber – uns selbst nicht vernachlässigen dürfen.

Wie können wir von anderen erwarten, oder gar verlangen, dass sie uns lieben, uns Beachtung, Freundlichkeit und Mitgefühl entgegenbringen, wenn wir uns selbst nicht gut behandeln, wenn wir uns selbst vernachlässigen?

Was die Aufforderung „Liebe Deinen Nächsten . . .“ betrifft, so habe ich da ein Problem: In den Zehn Geboten heißt es doch nicht: „Liebe Vater und Mutter“, sondern „Ehre Vater und Mutter“.

Diese letzte Aufforderung scheint mir vernünftig und nachvollziehbar, denn: Ich kann niemandem befehlen und kann niemanden auffordern, einen anderen zu lieben, weil Liebe weder befohlen noch angeordnet werden kann. Liebe ist ein Geschenk, ist wie eine kostbare Pflanze, sie braucht gute Bedingungen, damit sie zum Leben erweckt wird und wachsen kann.

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