Kolumne "Wort zum Alltag" zur Europawahl

Wort zum Alltag : Knoten lösen für mehr Einheit

In den Tagen vor der Europawahl können wir immer wieder hören und lesen, dass diese Wahl die wichtigste seit vielen Jahrzehnten sei. Als „richtungsweisend“ wird sie nicht nur ausschließlich von Politikern erklärt, angesichts vieler Herausforderungen und Fragestellungen, die gelöst werden wollen.

Ein wichtiges Symbol Europas ist nach wie vor die Europaflagge. Zwölf Sterne bilden einen geschlossenen Kreis auf blauem Grund. Dahinter steht die europäische Idee: Einheit, Geschlossenheit, Vollständigkeit. Aktuell wird in Europa genau darum wieder mehr und mehr gerungen.

Von Anfang an wurde die Europaflagge aber stets auch aus christlicher Sicht interpretiert. Erinnern die zwölf Sterne doch an jene Frau aus der Offenbarung des Johannes, von der es heißt, dass sie „auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen“ (Offb 12,1) trägt. Diese Frau wird mit Maria, der Mutter Jesu, gleichgesetzt. Besonders die katholischen Christen begehen ja traditionell den Monat Mai als den Marienmonat. Eine bekannte Darstellung zeigt Maria dann auch als „Knotenlöserin“. Wer Verknotungen und Verwirrungen heute lösen will, der braucht Zeit und einen langen Atem. Diese Erfahrung kennen viele aus dem eigenen Leben. Der Blick auf Maria, die Knotenlöserin, scheint mir auch im Hinblick auf die anstehende Europawahl nicht falsch zu sein. Denn er macht Hoffnung, dass aus gelösten Bändern wieder etwas Neues entstehen kann. Ein gelöster Knoten wird so auf einmal wieder zu einem Band, das untereinander verbindet und Einheit schafft. Dazu will Maria uns besonders in diesem so „richtungsweisenden“ Monat Mai ermutigen.

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