Wort zum Alltag : Hände aus der Tasche nehmen!

Zwei Wochen der österlichen Bußzeit, auch Fastenzeit genannt, liegen schon hinter uns, aber viereinhalb Wochen liegen auch noch vor uns. Vielleicht hat der eine oder die andere sich etwas Besonderes für diese Zeit vorgenommen, worauf er oder sie verzichten möchte.

Diese österliche Bußzeit ist aber nicht nur als eine Zeit des Verzichts zu sehen, sondern als eine Zeit der Umkehr und der Erneuerung des Lebens. Letztlich soll es nicht um ein Weniger, sondern um ein Mehr gehen. Dazu kann ein Motto hilfreich sein, das vom evangelischen Theologen Karl Barth (1886-1968) stammt: „Hände aus der Tasche nehmen! Hände hin und wieder in den Schoß legen! Hände von Zeit zu Zeit falten.“

Erstens: Hände aus der Tasche nehmen. Ich packe mit an, wo ich nötig bin, ich wende mich dem Menschen zu, der mich braucht, ich werde aktiv und versuche, die Welt zum Guten hin mitzugestalten. Ich werde zum Hand-Werker für Jesus.

Zweitens: Hände hin und wieder in den Schoß legen. Ich muss nicht immer aktiv sein, ich muss auch zur Ruhe kommen, durchatmen und neue Kräfte sammeln. Ich darf auch genießen und darauf vertrauen, dass Gott mich und mein Leben letztlich in seinen Händen hält und dass er mir gibt, was meinem Heil dienlich ist.

Drittens: Hände von Zeit zu Zeit falten. Das ergibt sich aus meinem Gottvertrauen. Gott ist der Grund meines Lebens, auf den ich mein Leben aufbaue. An ihn wende ich mich in Freud und Leid, mit Lob und Klage, mit Dank und Bitte. Im Gebet bringe ich mein Leben und das meiner Mitmenschen vor ihn.

In diesem Motto von Karl Barth kommt das Wesentliche der Botschaft Jesu zum Ausdruck, das, worauf es letztlich ankommt: die Liebe zum Nächsten, die Liebe zu sich selbst und die Liebe zu Gott. Versuchen wir doch, unsere Hände so zu gebrauchen, nicht nur in der noch verbleibenden Zeit bis Ostern, sondern auch darüber hinaus. Dann erreichen wir sicherlich mehr, als wenn wir jetzt für ein paar Wochen nur auf das ein oder andere Genussmittel verzichten.

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