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Gülle im Abwasser gefährdet Kläranlage Battweiler

Woher kommt die Gülle? : Kläranlage in Gefahr

Battweiler rätselt, wer Gülle ins Abwasser geleitet und damit ein Bakteriensterben verursacht hat.

Umweltsünder haben ins örtliche Kanalnetz von Battweiler Gülle oder Jauche eingeleitet. Die mit dem häuslichen Abwasser vermengten Schadstoffe sorgen für einen unerfreulichen Störfall. Der Betrieb der neuen Kläranlage, im Mai 2014 für 2,377 Millionen Euro neu geschaffen und von der Umweltministerin Ulrike Höfken selbst in Betrieb genommen, geht im wahrsten Sinne des Wortes die Luft aus. Die Bakterien sterben ab, die Kläranlage, so der Fachjargon, droht „zu kippen“, es droht ein Supergau für Kläranlage und Umwelt.

Was war geschehen? Wie üblich zählt es zur Tagespflicht von Klärmeister Helmut Sefrin in der Schaltzentrale der Verbandsgemeindewerke Zweibrücken-Land, die nunmehr auf dem Gelände der dortigen Kläranlage in der Tränkgasse das neue Betriebsgebäude stehen, die Funktion der Standorte Battweiler, Bechhofen, Contwig, Großsteinhausen, Walshausen und Wiesbach zu kontrollieren. Im digitalen Zeitalter liefern die eingebauten Messeinrichtungen auf digitalem Weg die entsprechenden Daten in die Contwiger Schaltzentrale. Am Bildschirm ist es für Klärmeister Sefrin kein Problem zu erkennen, wo alles in Ordnung ist oder es Störfälle gibt.

In Battweiler so scheint es, droht derweil alles aus den Fugen zu geraten. Seit Sonntag laufen die Belüftungsaggregate auf Höchststufe. Damit die Bakterien in der Anlage, sie bewirken vereinfacht ausgedrückt mit ihrer „Fressgier“ das Reinigen des Schmutzwassers, am Leben bleiben, muss in das zur Säuberung gesammelte Abwasser Sauerstoff eingepumpt werden. Diesmal allerdings verfehlt die übliche Steuerungsmaßnahme ihre Wirkung.

Die Ursache dafür bleibt kein Geheimnis, Schnell lässt sich rekonstruieren was geschehen ist. Das Stunden zuvor angekommene Abwasser in der Kläranlage am Fuße des Berges hoch zum Ort Battweiler muss durch eingeleitete Schadstoffe derart belastet gewesen sein, dass die Bakterien als Reinigungsträger reihenweise und millionenfach absterben. Werkleiter Eckart Schwarz im Gespräch mit dem Pfälzischen Merkur: „Im Fachjargon sprechen wir vom Kippen einer Kläranlage. Sie wird in einem solchen Fall regelrecht ihrer Funktion beraubt, die Abwässer können durch die Bakterien nicht mehr gereinigt werden, das Schmutzwasser fließt mit seiner Schadensfracht ungehindert in die Vorflut Marbach, Umweltschäden in der Tier- und Pflanzenwelt stehen unvermeidlich am Ende der Kette.“

Die Überwachung aller Kläranlagen im Verbandsgemeindegebiet erfolgt rund um die Uhr. Störungen sind bis zum Sonntag hin nicht aufgezeichnet worden. die Kontrolle am Montag lässt deshalb nicht allein bei Klärmeister Helmut Sefrin sondern auch bei Werkleiter Eckart Schwarz die Alarmglocken schrillen. Zumal beiden bekannt ist, dass gleichgelagerte Störungen, in den täglichen Kontrollblättern schon öfter verzeichnet werden mussten. Werkleiter Schwarz handelt. An Ortsbürgermeister Werner Veith, selbst aktiver Landwirt, geht eine Mail mit der Feststellung, dass ins Kanalnetz eingeleitete Schadstoffe, vermutlich Gülle, die Kläranlage über Gebühr belasten.

Der Ortsbürgermeister teilt die Sorge des verantwortlichen Werkleiters. Allerdings macht Werner Veith in seiner Rückantwort an Eckart Schwarz auch klar, dass der umgängliche Sprachgebrauch von Gülle in diesem Fall verwirrend sein kann. Veith im Gespräch mit dem Pfälzischen Merkur: „Es gibt im Ort nur noch zwei hauptberufliche Landwirte. Neben mit noch Hofnachbar Sehwohl. Wir beide haben Rindviehhaltung. Beide Betriebe verfügen über funktionierende, große unterirdische Güllesammelbehälter. 300 Kubikmeter sind es beispielsweise bei mir. Verbringen wir die gesammelte Gülle zur Düngung aufs Feld, dann müssen wir die Gülle entsprechend hochpumpen. Das kann nicht in einer Nacht- und Nebelaktion geschehen. Das würde man sofort riechen. Wenn wir aber von Gülle reden dann denkt automatisch jeder – aha, das können ja nur Landwirte gewesen sein. Doch diese Annahme ist falsch!“

Werkleiter Eckart Schwarz wendet sich in seinem öffentlichen Aufruf, der im Amtsblatt der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land unübersehbar unter der Rubrik „Öffentliche Nachrichten“ abgedruckt wird, deshalb auch an alle Tierhalter von Battweiler. Werkleiter Eckart Schwarz: „Richtig, wir unterstellen auch nicht sofort eine Absicht, denn die wäre sogar eine Straftat, weil derart schädlich Abwässer nicht in das Kanalisationssystem eingeleitet werden dürfen. Das schädliche Abwasser kann ebenso von Pferdemist oder gar von Hühnermist kommen. Vielleicht hat auch jemand nur gedankenlos die Pferdestallung ausgespritzt und mit dem Schmutzwasser konnten diese hochbelasteten Abwässer ins Kanalsystem gelangen. Das wissen wir im Augenblick alles nicht konkret und wir wollen bis hier hin auch niemandem eine Absicht unterstellen. Aber jetzt ist der Zeitpunkt angekommen, wo wir mehr machen müssen als nur mahnend den Finger zu heben. Dazu geben auch Störfälle aus der Vergangenheit Anlasse, das besorgt alle Verantwortlichen sehr. Diese öffentliche Mahnung an die gesamte Bevölkerung musste sein, denn die Einleitungen von Flüssigkeit, die nicht in den Kanal gehört, kann verheerende Folgen haben. Wir wollen mit diesem Aufruf warnen und alle Leute dazu bringen, künftig sorgenvoller mit den Dingen umzugehen“.

Allein mit der veröffentlichen Warnung und Mahnung zu noch größerer Vorsicht ist es für Werkleiter Eckart Schwarz nicht getan. „Wenn Gülle, Jauche und solche Schadstoffe in einen Kanal eingeleitet werden, dann bilden sich an der Einleiterstelle sogenannte Sielhäute (Biofilm). Es gibt spezielle Unternehmen, die mit einer entsprechend technischen Ausstattung solche Einleitstellen herausfiltern. Das verursacht natürlich Kosten und die muss letztendlich jeder Bürger unserer Verbandsgemeinde dann über die Abwassergebühr mittragen. Das wollen wir nicht, deshalb unsere Warnung und Appell zum richtigen Umgang mit Gülle und Jauche.